LCB-Programmarchiv

LCB-Veranstaltungen 10/2017

LCB-Programm 10/2017 als PDF

Mittwoch
Oktober
20h
04.10.2017

Sachbücher im Gespräch: Reden wir über Werte

Mit Wolfgang Ullrich und Per Leo
Moderation: René Aguigah und Jens Bisky

Wolfgang Ullrich: »Wahre Meisterwerte« (Wagenbach Verlag)

Leo, Steinbeis und Zorn: »Mit Rechten reden« (Klett-Cotta)

Eine liberale Gesellschaft lebt vom ständigen Streit, aber gerade das Streiten fällt zunehmend schwerer. Kontroversen und Debatten gelingen seltener. Stattdessen beherrschen Bekenntnisse, Selbstbestätigungs-rituale und moralische Zensur die öffentliche Szene. Woran liegt das und wie wäre dem zu begegnen? „Werte haben Streit bisher eher verhindert oder verlagert“, behauptet der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich in seinem Essay »Wahre Meisterwerte« (Wagenbach Verlag); sie schmeicheln dem Selbstbewusstsein und erlauben es, sich moralisch gut und kreativ zu fühlen. »Mit Rechten reden« (Klett-Cotta) heißt ein Leitfaden, den Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn gemeinsam verfasst haben. In der Auseinandersetzung mit Rechtspopulisten gehe es um mehr als die Kraft des besseren Arguments, es gehe um die Kunst, weniger schlecht zu streiten. Wie man diese Kunst üben kann, wird der Historiker Per Leo erklären.

Durch den Abend führen René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur) und Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung). Ein Mitschnitt des Abends wird am 8. Oktober von 00:05 bis 1.00 Uhr vom Deutschlandfunk Kultur gesendet.

Eintritt 8 € / 5 €*

Donnerstag
Oktober
20h
05.10.2017

Hausgäste I

Kira Pietrek, Adi Keissar und Iris Blauensteiner in Lesung und Gespräch

 © privat

Adi Keissar © Leeor Ohayon

Iris Blauensteiner © Carolina Steinbrecher

Am ersten Hausgäste-Abend im Oktober präsentieren wir drei Autorinnen aus drei verschiedenen Ländern, die ihre Kreativität neben dem literarischen Schreiben auch in anderen Bereichen einzusetzen wissen. Die Lyrikerin Kira Pietrek, die aus Polen anreist, arbeitet als Illustratorin und Grafikerin; ihre Gedichte wurden mit dem Silesius-Preis und dem Stanisław-Barańczak-Preis ausgezeichnet. Adi Keissar, Lyrikerin und Journalistin aus Tel Aviv, ist Gründerin des Poesie-Projekts »Ars Poetica« und wurde von der israelischen Zeitung Haaretz als eine der „einflussreichsten und herausragendsten israelischen Dichterinnen“ bezeichnet. Die „Beste österreichische Nachwuchsfilmerin“ des Jahres 2014, Iris Blauensteiner, veröffentlichte 2016 ihr Debüt »Kopfzecke« im Verlag Kremayr & Scheriau und arbeitet während ihres Stipendiums an ihrem multimedialen Roman »In der Stille ist Ping-Pong ein lautes Spiel«, in dem sie Texte mit Klanglandschaften der Handlungsschauplätze verbinden möchte.

Eintritt frei

Montag
Oktober
20h
09.10.2017

Ich weiß, wie man Frauen beglückt: Anne Lister. Eine erotische Biographie.

Angela Steidele in Lesung und Gespräch
Moderation: Tom Zille

Angela Steidele © Ben Chislett

Ihre in Geheimschrift verfassten Tagebücher gelten im angelsächsischen Raum als „Rosettastein für die weibliche Homosexualität“: Anne Lister (1791-1840) war Großgrundbesitzerin, Reisende und Industrielle. Vor allem aber verbrachte sie ihre Tage damit, von Frauen zu träumen, ihnen nachzustellen und sie zu verführen. „Ohne Frau an meiner Seite kann ich nicht glücklich sein.“ Ihre Liebesabenteuer beschrieb sie in geradezu pornographischer Deutlichkeit; beeindruckend sind die Zielstrebigkeit und ausgesprochene Skrupellosigkeit, mit der sie ihre Verführungskünste einsetzte. „Sie ist doch nicht eine Frau fürs Leben. Sie ist nur was für die Nacht. Im Bett ist sie hervorragend.“ Beinahe unglaublich erscheint es, dass mit »Anne Lister. Eine erotische Biographie« (Matthes & Seitz Berlin) nun die erste Beschreibung ihres Lebens vorliegt. Die Kölner Schriftstellerin Angela Steidele, die bereits in ihrer Doppelbiographie »Geschichte einer Liebe« anhand der Beziehung zwischen Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens lesbisches Leben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erforschte und deren fulminanter Roman »Rosenstengel« 2015 mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde, spricht mit dem Anglisten Tom Zille über diese Wiederentdeckung und liest aus der Biographie. Mit freundlicher Unterstützung des Grenzgänger-Programms der Robert Bosch Stiftung.

Eintritt 8 € / 5 €*

Montag
Oktober
20h
16.10.2017

Gesellschaft als Urteil – Im Herzen der Gewalt
Gespräch und Lesung mit Didier Eribon, Édouard Louis

Moderation: Patricia Klobusiczky
Lesung: Mehmet Ateşçi

Didier Eribon © Patrice Normand

Édouard Louis © Jerome Bonnet/modds

Gemeinsam zu Gast sind Didier Eribon und Édouard Louis, deren Bücher für gleichermaßen großes Aufsehen sorgen, weit über Frankreich hinaus. Nach »Rückkehr nach Reims« führt Didier Eribon in »Gesellschaft als Urteil« (Suhrkamp, aus dem Frz. von Tobias Haberkorn) seinen Versuch der Zeitdiagnose fort. Dabei widmet er sich Autorinnen und Autoren wie Simone de Beauvoir, Annie Ernaux, Assia Djebar und Jean-Paul Sartre sowie ihrem Einfluss auf seinen intellektuellen Werdegang. Die Gesellschaft, so der französische Soziologe im Anschluss an Pierre Bourdieu, weist uns Plätze zu, sie spricht Urteile aus, denen wir uns nicht entziehen können, bringt Individuen und Gruppen in eine hierarchische Ordnung. Die Aufgabe des kritischen Denkens bestehe nun darin, diese Herrschaftsmechanismen ans Licht zu bringen. Édouard Louis, der Schüler Eribons war und diesem auch sein autobiographisches Debütwerk »Das Ende von Eddy« widmete, stellt seinen Roman »Im Herzen der Gewalt« (S. Fischer, aus dem Frz. von Hinrich Schmidt-Henkel) vor, der in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wird. Indem er von Kindheit, Begehren, Migration und Rassismus erzählt, macht Louis unsichtbare Formen der Gewalt sichtbar. In einer Dezembernacht auf der Pariser Place de la République kommt Édouard mit einem jungen Mann ins Gespräch. Édouard nimmt ihn, Reda, einen Immigrantensohn mit Wurzeln in Algerien, mit in seine kleine Wohnung. Doch was als zarter Flirt beginnt, schlägt um in eine Nacht, an deren Ende Reda Édouard mit einer Waffe bedrohen wird.

Eintritt 8 € / 5 €*

Freitag
Oktober
10h
20.10.2017

Zaitenklänge. Geschichten aus der Geschichte der Übersetzung

Symposium zum 20. Jubiläum des Deutschen Übersetzerfonds

Fruchtbringende Gesellschaft

Vor 20 Jahren, am 12. September 1997 wurde der Deutsche Übersetzerfonds im LCB aus der Taufe gehoben. Er hat der Förderung literarischer Übersetzerinnen und Übersetzer nicht nur eine feste Adresse gegeben, sondern auch einen organisatorischen Rahmen mit einer Vielfalt an Instrumenten und neuen Inhalten. Im Zentrum des Jubiläumssymposiums »Zaitenklänge« stehen Geschichtenaus der Geschichte der literarischen Übersetzung. Man weiß: Die Blütezeiten der deutschen Literatur waren „belles époques“ der Übersetzungskunst. Der Reichtum unserer Literatur ist ohne den Austausch mit den Literaturen der Welt nicht denkbar. Übersetzungsgeschichte ist aber auch und vor allem Übersetzergeschichte, viel häufiger noch Übersetzerinnengeschichte, und beim Nachdenken darüber wird uns deutlich, wie wenig wir über Übersetzerinnen und Übersetzer vergangener Epochen wissen: eine Leerstelle unseres kulturellen Bewusstseins. Auf dem Weg zu einer Archäologie der Übersetzungskunst wurden Übersetzerinnen und Übersetzer, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von heute damit beauftragt, aufschlussreiche Geschichten aus der Historie des Übersetzens als einer Geschichte des Sprachschöpfens zu entfalten. Das Symposium wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Kulturstiftung der Länder ermöglichte die Realisierung des Übersetzungswettbewerbs »Great Jones Street«.

Programm

10:00 h
Lessing ein Übersetzer! Moses Mendelssohn ein Übersetzer!
Josef Winiger
11:00 h
„Was aber bleibet…“ Übersetzer und ihre Nachlässe. Andreas Tretner über das Erforschen des Nachlasses der Hilde Angarowa. Andreas Kelletat über das Germersheimer Übersetzerlexikon uelex.de.
Moderation: Albrecht Buschmann
12:15 h
„Großartig geschrieben!“ - Übersetzungsliteratur auf dem deutschen Buchmarkt 1933-1945.
Christian Adam
13.15 h
Pause
14:45 h
Alles was Recht ist: Wie die Übersetzer zu Urhebern wurden.
Ferdinand Melichar
15:30 h
Bikollaterale Baukunst. Korrelationen von Brückenarchitektur und Literaturübersetzung im Wandel der Jahrhunderte.
Andreas Jandl
16:00 h
50 Jahre DÜF. Rosemarie Tietze und Maria Hummitzsch im spekulativen Dialog.
17:00 h
Übersetzen als Schreiben, Schreiben als Übersetzen. Drei Grenzverletzungen mit Christian Hansen, Susanne Lange und Ulf Stolterfoht. Moderation: Katharina Raabe
18.30 h
Pause
20:00 h
Don DeLillo: »Great Jones Street«, deutsche Version. Die Siegerehrung.
Über den Übersetzungswettbewerb und mit der Preisträgerin/dem Preisträger sprechen Ulrich Blumenbach und Marie Luise Knott.

Eintritt frei

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Montag
Oktober
9:30h
23.10.2017

Viele Wege führen nach Rom… oder zum Literaturübersetzen
Berufskundeseminar für Übersetzerinnen und Übersetzer

Leitung: Eva Bonné und Marianne Gareis

Das Seminar richtet sich an alle, die mehr über die Wege zum Literaturübersetzen und die rechtlichen und wirtschaftlichen Seiten dieses Berufs erfahren wollen. Besprochen werden: Möglichkeiten des Einstiegs, Auftragsakquise, Vertragsgestaltung, Honorare, Urheberrecht, Künstlersozialkasse, VG Wort, Stipendien, Übersetzerverband und Gewerkschaft. Seminarleitung: Eva Bonné (Übersetzerin aus dem Englischen) und Marianne Gareis (Übersetzerin aus dem Portugiesischen und Spanischen).

Für einen Imbiss und Getränke bitten wir vor Ort um einen Unkostenbeitrag von 12 Euro. Anmeldungen erforderlich – bitte mit kurzer Angabe, ob Sie über das Literaturübersetzen noch nachdenken oder schon auf dem Weg dazu sind – bis 18. Oktober 2017 per Mail an: m.gareis@web.de und bonne.uebersetzung@t-online.de.

Dienstag
Oktober
20h
24.10.2017

Underground Railroad
Colson Whitehead
in Lesung und Gespräch

Moderation: Thomas Böhm
Lesung: Agnes Lampkin

Colson Whitehead © Erin Patrice o‘Brien

Colson Whitehead ist zu Gast mit seinem neuen Roman »Underground Railroad« (Hanser Verlag), übersetzt von Nikolaus Stingl. – Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht, doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Die Literaturkritikerin Julia Schröder schreibt: „Zu zeigen, wie unsicher Geschichtsschreibung ist, ist vielleicht das zentrale Anliegen von Colson Whiteheads Roman. Die Gedanken seiner Heldin Cora mögen darüber Aufschluss geben: ‘Die Wahrheit war eine wechselnde Auslage in einem Schaufenster, von menschlicher Hand verfälscht, wenn man gerade nicht hinsah, verlockend und stets außer Reichweite.‘“ Colson Whitehead, Jahrgang 1969, lebt in Brooklyn. Für »Underground Railroad« wurde er sowohl mit dem National Book Award als auch dem Pulitzer Preis 2017 ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit der Botschaft der Vereinigten Staaten.

Eintritt 8 € / 5 €*

Mittwoch
Oktober
20h
25.10.2017

Hausgäste II

Laura Wohnlich, Isabelle Lehn und Sascha Macht
in Lesung und Gespräch

Laura Wohnlich © privat

Isabelle Lehn © Sascha Kokot

Sascha Macht © Alina Aimmelbauer

Das zweite Buch gilt als das am schwersten zu schreibende – ein Gerücht, das sich hartnäckig im Literaturbetrieb hält. Laura Wohnlich, Isabella Lehn und Sascha Macht stellen während ihres Aufenthaltes am Wannsee dieses Gerücht auf den Prüfstand, denn alle drei Autorinnen und Autoren schreiben an einem zweiten Roman. An diesem Hausgäste-Abend geben sie Einblicke in ihre neuen Projekte. Laura Wohnlich zeichnet, schreibt literarische und journalistische Texte, hat einen Kurs in Gestaltung und ein Praktikum in einer Confiserie abgeschlossen. Nach der Veröffentlichung ihres Debütromans »Sweet Rotation« (Piper Verlag) schreibt sie nun bis Mitte November in ihrer Lieblingsstadt Berlin an einem neuen Buch. Isabelle Lehn, deren Debüt »Binde zwei Vögel zusammen« bei Eichborn erschien, bezeichnet ihr zweites Prosa-Projekt selbst als „Chaos der Klänge“, in dem dokumentarische, erzählende und essayistische Text-Passagen ineinandergreifen. Sie studierte in Tübingen, Leicester und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Mit Sascha Macht verbindet sie nicht nur das Studium im DLL, sondern auch die Arbeit am Forschungsprojekt »Literarische Schreibprozesse«, das dort situiert ist. Sascha Macht nahm 2015 an der Autorenwerkstatt Prosa im LCB teil; sein Debüt »Der Krieg im Garten des Königs der Toten« erschien 2016 bei Dumont und gewann den Silberschweinpreis der lit.COLOGNE. Im LCB schreibt er an einem Roman mit dem Arbeitstitel »Zerstörer der Welten«.

Eintritt frei

Ausstellungen

Urbans Orbit – Einblicke in den Nachlass eines Übersetzers | Ausstellung. 20. Oktober 2017 – 9. Februar 2018

Tina Brenneisen: Das Licht, das Schatten leert - 08. Juli - 13. Oktober 2017

Portale

litport.de

dichterlesen.net

Zeitschrift

Spritz

Projekte

Krieg im Frieden. Internationales Dramatiker*innenlabor

DAS WEISSE MEER. Literaturen rund ums Mittelmeer

Übersetztercolloquium

Deutsch-Italienischer Übersetzerpreis

Netzwerk

Netzwerk der Literaturhäuser: literaturhaus.net

ARTE. Kulturpartner literaturhaus.net