Die „Brücke Berlin“-Preisträger 2014 stehen fest

Der Brücke Berlin Literatur- und Übersetzungspreis geht an Serhij Zhadan und Sabine Stöhr/Juri Durkot. Den neuen, erstmals vergebenen Brücke Berlin Initiativpreis erhalten Manfred Beilharz und Tankred Dorst für ihr Festivalkonzept „Neue Stücke aus Europa“.

Der Brücke Berlin Literatur- und Übersetzerpreis

Der ukrainische  Autor Serhij Zhadan und seine Übersetzer Sabine Stöhr und Juri Durkot erhalten 2014 den renommierten, zum siebten Mal vergebenen „Brücke Berlin“- Literatur- und Übersetzer-preis. Sie werden ausgezeichnet für den Roman „Die Erfindung des Jazz im Donbass“, der 2012 in deutscher Übersetzung im Suhrkamp Verlag erschienen ist.

Serhij Zhadan, 1974 im ostukrainischen Starobilsk geboren und in Charkiw aufgewachsen, entwirft in seinem dritten Roman ein fulminantes, poetisches road movie. Die Geschichte des Kiewer Werbeunternehmers Hermann, der die marode Tankstelle seines verschwundenen Bruders übernehmen muss, entfaltet sich in der „großen Leere diesseits von Stalingrad“, dem Donbass. Mit ihren skurrilen Episoden, Antihelden und Bildern von trauriger Schönheit bricht die Handlung immer wieder in eine andere Zeit – und Raumdimension vor: die de-industrialisierte Bergbaustadt Luhansk, das einstige Woroschilowgrad, die Steppenlandschaft, durch die Tataren und Zigeuner ziehen, das Fußballfeld, auf dem Hermann und seine Freunde gegen die Gasarbeiter antreten, und der Fluss, der Erinnerungen anspült. Zhadan erweckt dieses letzte, vergessene Territorium Europas aus dem Geist seiner Literatur zum Leben und setzt dabei die aktuellen politischen Konfliktlinien in neues Licht.

Meisterlich die Leistung der Übersetzer Sabine Stöhr und Juri Durkot: für den dialogischen und oft rhythmischen Erzählton mit seiner Umgangssprache, seinem Sprachwitz und Humor haben sie ein deutsches Pendant gefunden, das nie seine Leichtigkeit verliert.

Der Literatur- und Übersetzungspreis Brücke Berlin ist mit 20.000 Euro dotiert und geht je zur Hälfte an den Autor und seine Übersetzer. Der Preis lenkt den Blick auf die gegenwärtige Literatur der Länder Mittel- und Osteuropas, deren Stimmen den Prozess der europäischen Einigung mitgestalten. Darüber hinaus würdigt er die künstlerische Leistung unter besonderer Würdigung der literarischen Übersetzer.

Der Brücke Berlin Initiativpreis

Der Theaterintendant und Regisseur Manfred Beilharz und der Schriftsteller Tankred Dorst erhalten den 2014 erstmals vergebenen Brücke Berlin Initiativpreis für die von ihnen konzipierte Biennale „Neue Stücke aus Europa“. Mit dem Brücke Berlin Initiativpreis, der mit 5.000 Euro dotiert ist, wird eine herausragende Initiative, die sich um die Vermittlung der mittel- und osteuropäischen Literatur im deutschsprachigen Raum verdient gemacht hat, ausgezeichnet. Mit dem Initiativpreis möchte die Stiftung auf den wesentlichen Beitrag von Institutionen oder Einzelpersonen hinweisen, die mit ihrer Arbeit der mittel- und osteuropäischen Literatur im deutschsprachigen Raum ein Podium geben und zu ihrem Verständnis beitragen.

Die vor 22 Jahren gegründete Initiative „Neue Stücke aus Europa“ stellt in herausragender Weise die aktuelle zeitgenössische Theaterliteratur aus allen Staaten des Kontinents vor, seit Öffnung Europas nach Osten mit einem besonderen Akzent auf mittel- und osteuropäische Dramen. Paten, selbst bedeutende Theaterautoren ihrer Länder, schlagen die Werke vor, die als eingeladene Gastspielvorstellungen zur Diskussion gestellt werden. „Neue Stücke aus Europa“ hat viele mittel- und osteuropäische Autoren wie zum Beispiel den Litauer Alvis Hermanis im Westen bekannt gemacht. Das 1992 gegründete Festival hat gerade auch den Theaterautoren aus den neu entstandenen Teilstaaten des ehemaligen Ostblocks eine gemeinsame Bühne für ihren Austausch gegeben.

Podiumsdiskussion und Preisverleihung am 01. Oktober 2014

Die Preise werden am 1. Oktober 2014 um 19 Uhr im Deutschen Theater verliehen (geschlossene Veranstaltung).

Um 17.00 Uhr laden die BHF-BANK-Stiftung, das Deutsche Theater und das Literarische Colloquium Berlin zu einem öffentlichen Podiumsgespräch mit Serhij Zhadan, Sabine Stöhr und Juri Durkot über Zhadan und die aktuelle ukrainische Literatur ins DT. Moderiert wird die Veranstaltung von Katharina Raabe (Suhrkamp Verlag). Der Eintritt ist frei. Kontakt für weitere Informationen: Jürgen Jakob Becker, Tel. 030-81 69 96 25.

Der Sound des Donbass
Ukrainische Gegenwart in der Literatur Serhij Zhadans

Podiumsgespräch mit Serhij Zhadan und seinen Übersetzern Juri Durkot und Sabine Stöhr
Moderation: Katharina Raabe

Die Brücke Berlin-Preise werden von der BHF-BANK-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut, dem Literarischen Colloquium Berlin und dem Deutschen Theater Berlin in zweijähriger Folge vergeben. Schirmherr ist Péter Esterházy, in der Jury wirkten Jürgen Jakob Becker, Sabine Berking, Wilhelm Burmester, Ulrich Khuon, Klaus-Dieter Lehmann, Gabriele Leupold und Peter Michalzik mit.

Rückfragen beantworten:
Stefan Mumme
, BHF-BANK-Stiftung,  Tel. 069 - 718 35 19
e-mail: stiftung@bhf-bank.com
Jürgen Jakob Becker
, LCB,  Tel. 030 -  81 69 96 25
e-mail: becker@lcb.de

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