Ein Tunnel über der Spree

Seit 1991 veranstalten wir in jährlicher Folge das Schriftstellertreffen "Tunnel über der Spree". Der Name spielt ironisch auf Fontanes Schriftstellerstammtisch an, bei dem alle politschen Diskussionen tabu waren. Ging es zu Beginn der neunziger Jahre beim "Tunnel" zunächst um deutsche-deutsche Fragen, entwickelte sich das Schriftstellertreffen zuletzt mehr und mehr zur Plattform für den Meinungsaustausch jüngerer Autoren. Dabei können berufsständische, ästhetische oder politische Themen eine Rolle spielen.
     Der "Tunnel" ist eine Autoreninitiative - Programmgestaltung und Einladungspolitik werden von den Autoren selbst bestimmt.

Dezember 2005: Wie entsteht ein Gedicht?

„Über das Denken der Fantasie nachzudenken ist nicht so einfach. Was ist das für ein Vorgang?“ fragte Walter Höllerer im Jahre 1961 in seinem Vortrag „Wie entsteht ein Gedicht“. Unser jährlich stattfindendes Schriftstellertreffen „Ein Tunnel über der Spree“ greift diese Kernfrage der Poetik auf. Höllerer versuchte damals, anhand von eigenen Gedichten Antworten zu formulieren, und auch in dieser Konzentration auf konkrete Texte werden wir ihm folgen. Die fünfzehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum diskutieren über Gedichte, an denen sie zur Zeit arbeiten. Im Rahmen einer öffentlichen Abendveranstaltung am 16. Dezember 2005, die den diesjährigen „Tunnel” beschließt, werden alle Autoren neue lyrische Arbeiten vortragen und von den Erfahrungen der letzten beiden Tage berichten. Ihre Teilnahme zugesagt haben: Marcel Beyer, Nico Bleutge, Ulrike Draesner, Elke Erb, Daniel Falb, Matthias Göritz, Hendrik Jackson, Monika Rinck, Hendrik Rost, Kathrin Schmidt, Volker Sielaff, Ulf Stolterfoht, Raphael Urweider, Anja Utler und Jan Wagner

Dezember 2004: Romananfänge

Kein Zweifel, der Mikrokosmos des Romaneingangs spiegelt in seinen Stilmöglichkeiten und Variationen den Makrokosmos des Romans, vielleicht sogar deutlicher als irgend eine andere Bauform des Erzählens. Denn immer wird der erste Satz schon eine Vorentscheidung des Schriftstellers für die Tonlage und das Genre seiner Erzählung sein. Mehr noch, mit dem ersten Wort löst sich die Fiktion von der Wirklichkeit ab, um eine Welt eigenen Gesetzes zu formieren. Das Spiel zwischen Autor und Leser hebt an und ist nirgends so klar zu erkennen wie hier, wo es gilt, den ersten und stärksten Reibungswiderstand des Publikums zu überwinden und den Rezipienten in die Welt der Fiktion hineinzuziehen. Vor diesem einerseits traditionsreichen, andererseits anhaltend aktuellen Hintergrund haben wir deutschsprachige Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Generationen gebeten, Romananfänge aus der laufenden Produktion vorzutragen und anschließend untereinander ein Werkstattgespräch über diese wegweisenden Sequenzen zu führen. Ihre Teilnahme an der zweitägigen Tagung zugesagt haben Heike Geißler, Sandra Hoffmann, Thomas Lehr, Andreas Maier, Reinhard Jirgl, Katharina Hacker, Karen Duve, Katja Lange-Müller, Guy Helminger, Annette Pehnt, Christof Hamann, Uwe Tellkamp, Joachim Helfer, Norbert Zähringer und Daniel Kehlmann.

Dezember 2003: Nichts wie es war

Gibt es das Gefühl, daß plötzlich nichts mehr so ist, wie es zuvor war? Und wenn ja: Welche Auswirkungen hat es auf das Schreiben? Zum 12. Mal findet in diesem Jahr das Schriftstellertreffen "Ein Tunnel über der Spree" im LCB statt, Thema und Teilnehmer wurden diesmal von Brigitte Burmeister und Katja Lange-Müller ausgewählt. Unter dem Motto "Nichts wie es war" kommen Friedrich Christian Delius, Karen Duve, Katharina Hacker, Joachim Helfer, Angela Krauß, Irina Liebmann, Hans Joachim Neubauer, Ulrich Peltzer, Michael Schneider, Leander Scholz, Jens Sparschuh, Antje Ravic Strubel, Brigitte Struzyk, Peter Weber und Norbert Zähringer am 18. und 19. Dezember im LCB und im Literaturhaus zusammen. Kollektive und individuelle Umbruchserfahrungen werden im Mittelpunkt ihrer Gespräche stehen.

September 2001: Sog und Suggestion

"Halb zog sie ihn, halb sank er hin...": wie tief soll und darf der Leser hineingezogen werden in den Text-Strudel? Welche Mittel stehen Autoren und Lesern im literarischen Spiel mit Sog und Suggestion zur Verfügung? Müssen Schriftsteller vielleicht sogar bei der Arbeit ihrem eigenen Sog erliegen, damit der Leser schließlich alles um sich herum vergißt? Diese und andere Fragen diskutieren zwanzig Autorinnen und Autoren im Rahmen des nichtöffentlichen Schriftstellertreffens "Ein Tunnel über der Spree", das vom LCB und der Stiftung Preußische Seehandlung gemeinsam ausgerichtet wird. Karen Duve und Katharina Hacker haben in diesem Jahr die Teilnehmer (u. a. Jürgen Becker, Doris Dörrie, Judith Hermann, Perikles Monioudis und Christoph Peters) eingeladen.

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