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Quelle: http://www.lcb.de/autoren/werkstatt/teilnehmer1999.htm

Autorenwerkstatt Prosa - Teilnehmer 1999

Marcus Braun, 1971 in Bullay an der Mosel geboren, in Berlin lebend, im Anschluß an die Werkstatt Aufenthalt im Ledig House im Staat New York. Er hat in der Prosa-Werkstatt einen höchst verwobenen Roman abgeschlossen - „Nadiana": ein Vexierspiel mit schillernden Figuren. Der Roman ist im Frühjahr 2000 im Berlin Verlag erschienen, im selben Verlag wie sein Roman „Dehli", der 1999 für Überraschung und Respekt sorgte und mit allen glöckchen-klingelnden Indien-Mythen verstörend gründlich aufräumt. Marcus Braun erhielt 1997 den Joseph-Breitbach-Preis des Landes Rheinland-Pfalz.

Sherko Fatah ist 1964 in Berlin geboren, hat an der Humboldt-Universität Philosophie und Kunstgeschichte studiert und arbeitet an einer Dissertation über den Technik-Begriff bei Heidegger. Er war in der Werkstatt der Spezialist für Erzähl-Ökonomie. Sein Roman „Im Grenzland“ führt Figuren in die Fremdheit und Ausgesetztheit eines zerstörten Gebietes - nach einem Krieg auf der großen vorderasiatischen Landmasse irgendwo zwischen dem Irak und dem Iran, Diktaturen, von denen wir wenig wissen wollen und hier viel erfahren.

Falko Henning ist 1969 geboren, ist gelernter Schriftsetzer, schreibt für die Taz, das Lumpenmagazin, Titanic, zitty und gibt das Jahrbuch der Charles-Bukowski-Gesellschaft heraus, eine Tätigkeit, die Spuren in seiner Arbeit hinterlassen hat. Kaum hatte die Werkstatt begonnen, erschien im Maro Verlag Falko Hennings erster Roman „Alles nur geklaut“ über die Karriere eines selbstbewußt kriminellen Kindes in der DDR, ein erschreckendes und gleichzeitig sehr komisches Buch. Sein Roman „Speers fünfter Ring", an dem er in der Werkstatt gearbeitet hat, ist ein großräumiges Projekt vom Lenken und Gelenktwerden, vom Auto zur Rakete; es evoziert Träume eines kleinen Jungen von Fahrzeugen und große Namen der Geschichte.

Stefanie Lemke, 1962 in Braunschweig geboren, hat in Berlin Theater- und Filmwissenschaft, Germanistik und Philosophie studiert, anschließend Studium am Literaturinstitut in Leipzig. Sie legt ein Reihe von Erzählungen mit dem Titel „Pilgrims Erzählungen“ vor. Gewalt, das Unfaßbare und der Einbruch des Wunderbaren in den Hinterhof - so möchte ich ihre Themen, entgegen allen Regeln, knapp zusammenfassen. Für ihre Erzählung „Der Untermieter“ hat sie den Niedersächsischen Literaturpreis „Junge Literatur“ bekommen.

Rainer Merkel ist 1964 in Köln geboren, hat Psychologie und Kunstgeschichte studiert und betreut neben dem Schreiben auf Honorarbasis psychisch Kranke für das Bezirksamt Tiergarten. „Aufhören, wenn es am schönsten ist“ - so heißt der Arbeitstitel seines Romans aus dem Innenleben einer Werbeagentur, wohl der Roman mit dem größten Volumen, der in dieser Prosa-Werkstatt entstanden ist. Die Freuden und die Schrecken einer ‚corporate identity', die Kehrseite der schicken Welt interessieren Rainer Merkel.

Olaf Müller ist 1962 in Leipzig geboren, hat dort Theologie und vor der Wende am Deutschen Literaturinstitut studiert. Irgendwann hat es ihn wie so viele nach Berlin verschlagen. Er hat Theaterstücke geschrieben, Drehbücher, eine Kindersendung fürs Fernsehen. Sein erster Roman „Tintenpalast“ ist im Herbst 2000 im Berlin Verlag erschienen. Sein zweiter Roman, das Projekt, an dem er in der Werkstatt arbeitete, „Juveels Karzinom“ wird ein großräumiges erzählerisches Panorama vom Mythos der großen Stadt und vom Tod.

Anke Velmeke ist 1963 in Olsberg geboren, hat Angewandte Sprachwissenschaft studiert und lebt in Geisenheim am Rhein, wo sie als freie Übersetzerin, Journalistin und Autorin tätig ist. Für ihre Erzählungen und Kurzgeschichten wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. ist sie Trägerin des Martha-Saalfeld-Förderpreises. Als Anke Velmeke ihren Roman-Auszug für den Wettbewerb einreichte, hieß er noch „Fische", nach der Autorenwerkstatt trug er den Titel „Luftfische", eine entscheidende poetische Zutat, die Vereinbarkeit des Unvereinbaren. „Luftfische“ ist im Frühjahr 2000 bei C.H. Beck erschienen.

David Wagner war mit Marcus Braun der jüngste der Werkstatt. Er ist 1971 in Andernach geboren, hat Vergleichende Literaturwissenschaft studiert, Kunstgeschichte und Mediävistik. Er ist leidenschaftlicher Reisender, macht u.a. viele Reisen durch Berlin und schreibt darüber höchst anregend für die Berliner Seiten der FAZ. Sein Roman „Meine nachtblaue Hose", zwischen einer Vergangenheit auf Ministerialebene in Bonn und einer Gegenwart in Kreuzberg und Friedrichshain spielend, ist im Frühjahr 2000 im Alexander Fest Verlag erschienen. 1999 wurde David Wagner der Walter-Serner-Preis verliehen. Von der Stadt Klagenfurt erhielt er das „Stipendium 2000 kulturinteressierter Kärnterinnen und Kärtner".