Autorenwerkstatt Prosa - Teilnehmer 2001

Zsuzsa Bánk erhält das Stipendium für einen Auszug aus dem Roman "Der Schwimmer". Sie ist in Ungarn und Deutschland aufgewachsen, Jahrgang 1965, war Buchhändlerin und Redakteurin und hat Literatur, Publizistik und Politik studiert. Sie lebt in Frankfurt als freie Autorin und veröffentlichte bis jetzt Reportagen, Geschichten, Drehbücher. "Der Schwimmer" ist ein Buch über die Lähmung, den Stupor nach dem ungarischen Aufstand 1956. Ein Vater bleibt mit seinen Kindern zurück, die Mutter ist heimlich in den Westen gegangen, nur verstreute Nachrichten dringen von dort zu den verstört Zurückgebliebenen, die mit ihrer Trauer nicht fertig werden.

Heike Geißler ist äußerst sparsam mit ihren biographischen Angaben umgegangen, "macht eine Schneiderlehre", schrieb sie zur Bewerbung für die Werkstatt. Doch als sie nach Berlin kam, um in diesem Frühsommer den Förderpreis des Alfred-Döblin-Preises in Empfang zu nehmen, erfuhr man ein wenig mehr. Sie ist 1977 in Riesa/ Elbe geboren, hat in Halle Germanistik und Hispanistik studiert, bevor sie nach München ging. Und im Sommer, während die Entscheidung für die Prosa-Werkstatt noch ausstand, bekam sie ein Literatur-Stipendium der Stadt München. "Rosa" ist eine bittere und intensive Geschichte vom Verlassen und Verlassenwerden, die Tragödie, jung und lebendig zu sein.

Hans-Peter Kunisch überraschte die Jury mit einem Prosa-Projekt "Die Verlängerung des Markts in den Abend hinein". Es ist ein eigenwilliger Text der gesplitterten Wahrnehmung, des Denkens und Sehens, eine Versuchsanordnung, die ganze Welt mit ihrer enzyklopädisch beschreibbaren Beschaffenheit sowie ihre seltsamen Bewohner um einen Platz herum anzuordnen. Daß sich ein ausgewiesener junger Kritiker, der sich in seiner Arbeit viel mit deutscher Gegenwartsliteratur beschäftigt, schreibend an die andere Seite des Schreibtisches begibt, freut die Juroren. Hans-Peter Kunisch ist 1962 geboren, er hat Literaturwissenschaft und Philosophie studiert und lebt seit kurzem in Berlin.

Christoph Leuchter arbeitet mit einem ironischen Augenzwinkern an der Gattung, die sich mit Mord und Totschlag und deren Aufdeckung befaßt. Es könnte sein, daß es bei diesem Projekt gar nicht um eine Wahrheitsfindung geht, sondern um das Erzählen von Geschichten, von Lebensmöglichkeiten, versäumten oder verhinderten. Christoph Leuchter ist 1968 in Aachen geboren und ist erstaunlich seßhaft im Linksrheinischen geblieben, er hat seine Magisterarbeit über Max Frisch geschrieben, was sein Erzählinteresse möglicherweise beflügelt, und hat kürzlich in der älteren Abteilung der Germanistik an der Technischen Hochschule in Aachen promoviert.

Nikola Anne Mehlhorn ist 1967 in Hannover geboren, studierte Musik und ist Orchestermusikerin in Hamburg. 1995 erhielt sie den Förderpreis der Stadt Hamburg, 2001 das Heinrich-Heine-Stipendium der Stadt Lüneburg. Nikola Anne Mehldorn schreibt eine überbordend phantasievolle Prosa, märchenhaft, temperamentvoll und energisch zusammengezurrt, voller Witz, eine ländliche Prosa mit Matsch an den Stiefeln, handlungsaktiv und gleichzeitig verspielt und mit einer unerschöpflichen, nach den Sternen greifenden Erfindungsgabe. Der Titel ihres Projekts heißt "Sternwerdungssage". Im Rospo-Verlag ist eine bereits eine Erzählung von ihr herausgekommen, sie hat den Titel "Brachmond".

Nils Mohl legt mit "Kasse 53" ein Erzählprojekt vor, das sich mit dem Kaufen und Verkaufen beschäftigt. Aus der Sicht eines Mannes ohne viele soziale Kontakte, der sich für einen besonders guten, einen "glücklichen" Kassierer hält, wird mit einer heimtückischen Affirmation das Kaufhaus als ein Lebens- und Handlungsraum beschrieben. Die Woche des Kassierers: geschnitten in Erzählschübe im Kassenbonformat. Nils Mohl ist 1971 geboren, lebt in Hamburg, hat Neue deutsche Literatur, Linguistik und Volkskunde studiert, er hat als Bauhelfer, Reporter und Texter gearbeitet. "Kasse 53" ist seine erste größere literarische Arbeit.

Christine Pitzke erhält das Stipendium für ein Prosa-Projekt mit dem Titel "Instandsetzung". Es ist eine leise und unheimlich angelegte Arbeit am Mythos des verstörten, erschütterten Heimkehrers aus dem Krieg, der wie in den alten Geschichten zu einer Frau zurückkehrt. Auch lesbar als ein Versuch über das Trauma und seine Verdrängung. Sie schreibt in einer hochpoetischen und dabei kraftvollen Sprache. Ihre Erzählfigur ist ein Ingenieur, der in Ex-Jugoslawien gearbeitet hat. Christine Pitzke ist 1964 geboren, hat kurze Zeit Medizin, dann Germanistik und Psychologie studiert, sie arbeitet als Medizinjournalistin und Feature-Autorin in München.

Stefan Volkmann ist 1971 in Berlin geboren. Er ist auf dem Dorf aufgewachsen, ging 16jährig wieder in die Stadt, hat das Leben aus dem Blick eines Autowäschers, Kioskverkäufers, Kellerentrümplers kennengelernt und gleichzeitig kontinuierlich geschrieben, ein unorthodoxer Bildungsgang, der seit langem auf ein Ziel ausgerichtet war. Für das Jahr 1991 verzeichnet er: "schreibt konventionelle Kurzgeschichten, sein relativer Erfolg beim Vorlesen überrascht und schockiert ihn..." Sein Projekt "Wutschuld", alles andere als konventionell, ist ein rasender Parforceritt in die Wahrnehmung eines faschistoiden Menschen, in Gewalt und Gegengewalt.

Ausstellungen

Urbans Orbit – Einblicke in den Nachlass eines Übersetzers | Ausstellung. 20. Oktober 2017 – 9. Februar 2018

Tina Brenneisen: Das Licht, das Schatten leert - 08. Juli - 13. Oktober 2017

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