Donnerstag
Februar
20.00 Uhr
18.02.2016

Franz Kafka: Betrachtung
Vernissage mit Jan Peter Tripp und Friederike Roth

Moderation: Ralph Schock

 

Franz Kafka: Betrachtung | Jan Peter Tripp · Radierungen | Ausstellung 18. Februar – 29. April 2016

Jan Peter Tripp hat sein malerisches und grafisches Werk kontinuierlich in Nachbarschaft zur Literatur entwickelt. Zeugnis davon gibt nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit seinem Jugendfreund W.G. Sebald (u.a. der gemeinsame Band „Unerzählt“, 2003) oder auch mit Hans Magnus Enzensberger („Blauwärts – Ein Ausflug zu dritt“, 2013). Nun hat Jan Peter Tripp Radierungen zu Kafkas früher Kurzprosasammlung „Betrachtung“ geschaffen, die gemeinsam mit den Texten zum ersten Mal im LCB zu sehen sind und im Verlag The Bear Press als Buch erscheinen. Günter Kunert schreibt im Nachwort der Ausgabe: „Äußeres wird [bei Kafka] zum Ausdruck des diffusen Ich und rückt in den Vordergrund: Kleiderfalten, die Frisur, das ‚Hinfahren des kleinen Fingers über die Augenbrauen‘, von ‚Kistennägeln zerkratzte Stiefel‘ […]. Plötzlich bestimmen die Dinge unser Sein, unsere Empfindungen, als wären wir ihresgleichen oder hätten sie unwillentlich belebt, wie durch einen Zauberspruch, und nun redeten sie mit uns und zeigten uns ihre Macht über uns.“ Zur Vernissage spricht Jan Peter Tripp mit der Autorin Friederike Roth, von der zuletzt der Band „Abendlandnovelle“ (2010) erschien. Es moderiert Ralph Schock, Kulturredakteur bei SR 2 KulturRadio.

Eintritt 8 € / 5 €*

Montag
Februar
20.00 Uhr
22.02.2016

Princeton 66. Die abenteuerliche Reise der Gruppe 47

Lesung und Gespräch: Jörg Magenau
Gesprächspartner: Michael Kumpfmüller

 

Gruppe 47 © Renate von Mangoldt

Jörg Magenau entwirft ein kulturgeschichtliches Panorama über das Gastspiel der Gruppe 47 in Princeton. Vor fünfzig Jahren, im April 1966, während in Vietnam der Krieg tobt, machen sich achtzig der wichtigsten deutschsprachigen Schriftsteller und Kritiker auf, um an der amerikanischen Ostküste über Literatur zu diskutieren. Unter den Schriftstellern Günter Grass, Sigfried Lenz, Gabriele Wohmann, Helga M. Novak, Hans Magnus Enzensberger und Erich Fried. Unter den Kritikern Hans Mayer, Walter Höllerer, Joachim Kaiser, Reinhard Baumgart und Marcel Reich-Ranicki. Die Regeln sind denkbar einfach: Eine Lesung dauert nicht länger als zwanzig Minuten, anschließend Diskussion über das Gehörte. Dann die Wortmeldung eines pilzköpfigen, nahezu schüchternen Mannes, der den Anwesenden »Beschreibungsimpotenz« vorwirft: Über Nacht wurde Peter Handke zum Jungstar der Literatur – und es war nicht zuletzt diese grundsätzliche Kritik, die dazu führte, dass es nur mehr zu einem letzten Treffen der Gruppe 47 kommen sollte. Über dieses besondere Wochenende im Jahr 1966 spricht Jörg Magenau mit Michael Kumpfmüller, von dem in diesem Frühjahr der Roman „Die Erziehung des Mannes” erscheint.

Eintritt 8 € / 5 €*

Mittwoch
Februar
20.00 Uhr
24.02.2016

Im Kopf von Clemens Setz

Clemens J. Setz durchstreift mit Kathrin Passig seinen Roman „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“. Reisebegleitung: Paul Jandl

Clemens Setz © Hans Hochstöger / Agentur FOCUS / Suhrkamp Verlag

„Es gibt mehr Dinge zwischen Mensch und Mensch als zwischen Himmel und Hölle“, heißt es in Clemens J. Setz‘ neuem Roman „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“. Von den trivialsten Zumutungen des Menschlichen erzählt dieser Koloss eines Buchs, von Liebe und Stalking, von Freaks und Nerds und vor allem von den Verschleifungen des modernen Ichs. Der Roman berichtet aus einem betreuten Wohnheim, wo der zarte Wahnsinn selbst beim Personal Methode hat, er zeigt, dass die Übergänge zwischen gesteigerter Wahrnehmungsfähigkeit und Krankheit ebenso fließend sein können wie die zwischen Realität und virtueller Welt. Die Veranstaltung unternimmt eine Reise durch den Kosmos eines der faszinierendsten und verstörendsten Romane der letzten Zeit, eine Reise durch den Kosmos von Clemens J. Setz. An zwei Orten im Saal des LCB, einander nah und doch wie von fern, werden Clemens J. Setz und Kathrin Passig im Schein ihrer Laptops aus dem Buch lesen. Die beiden kongenialen Kenner menschlicher Abgründe und digitaler Welt werden über das Gelesene reden, über Synästhesie und Glitches, über Non-Seq-Talks und über „her majesty the total fucking weirdness“ in „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“. Clemens J. Setz, 1982 in Graz geboren, hat mit seinen Romanen „Söhne und Planeten“, „Die Frequenzen“ und „Indigo“ Furore gemacht. Für den Erzählband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ bekam er 2011 den Preis der Leipziger Buchmesse. Kathrin Passig, Bachmannpreisträgerin des Jahres 2006, ist 1970 in Deggendorf geboren. Sie ist Autorin, Journalistin, Bloggerin und Technikexpertin.

Eintritt 8 € / 5 €*

Donnerstag
Februar
20.00 Uhr
25.02.2016

Studio LCB
Lesung: Thea Dorn

Gesprächspartner: Felicitas Hoppe und Wolf Singer
Moderation: Denis Scheck

Thea Dorn © Karin Rocholl

Die aktuelle Weltrekordhalterin ist Französin: Jeanne Calment wurde 122 Jahre und 164 Tage alt. Der älteste Mann der Welt ist zur Zeit der Japaner Jiroemon Kimura, der es auf 116 Jahre und 54 Tage brachte. „Who wants to live forever?” fragt Thea Dorn mit Freddy Mercury in ihrem neuen Roman „Die Unglückseligen” (Knaus Verlag), in dem die Molekularbiologin Johanna Mawet der Unsterblichkeit auf der Spur ist. Eine Begegnung in der US-amerikanischen Gegenwart des Ostküstenstädtchens Dark Harbor mit dem am 16. Dezember 1776 in Samnitz bei Haynau in Schlesien geborenen Physiker Johann Wilhelm Ritter löst in Johanna Mawet den Verdacht aus, dass andere vor ihr das Geheimnis des Siegs über den Tod gelüftet haben. Was Wunder, dass bald auch der Teufel in die Story von „Die Unglückseligen“ eingreift und sich mit dem Satz einführt: „Vergessen Sie, bitte, alles, was Sie über mich zu wissen glauben – alles!”. „Die Unglückseligen” ist ein Paukenschlag in der deutschen Gegenwartsliteratur dieses Frühjahrs. Im Studio LCB trifft Thea Dorn die Schriftstellerin Felicitas Hoppe und den Hirnforscher Wolf Singer, liest aus ihrem neuen Roman und diskutiert mit ihnen über Literatur und Leben, Tod und Unsterblichkeit.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: Samstag, 27. Februar 2016, 20:05 Uhr.
Sendefrequenzen und Livestream
Eintritt 8 € / 5 €*

DLF

Montag
Februar
20.00 Uhr
29.02.2016

Auf Wiedervorlage:
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Der Proust-Übersetzer Bernd-Jürgen Fischer im Gespräch mit Norbert Miller und Andreas Platthaus

Marcel Proust

„Die Lufthoheit über Proust ist gefährdet!” übertitelte die FAZ Wolfgang Schneiders Rezension von Prousts „Im Schatten junger Mädchenblüte” in der neuen Übersetzung von Bernd-Jürgen Fischer. Der deutsche Proust ist seit vielen Jahren gleichbedeutend mit der einzigen, in den fünfziger Jahren bei Suhrkamp erschienenen Gesamtübersetzung durch Eva Rechel-Mertens und der von Luzius Keller revidierten Fassung aus den neunziger Jahren („Frankfurter Ausgabe”). Mit dem Berliner Autor und Linguisten Bernd-Jürgen Fischer hat sich nun ein Seiteneinsteiger an das Projekt einer kompletten Neuübersetzung gemacht. Eine herkulische Aufgabe, nicht nur wegen des puren Umfangs: der unerhörte Nuancenreichtum dieser Prosa mit ihren unterschiedlichen Tonfällen, Figurenreden, Beschreibungen und den für Proust so typischen Satzkaskaden verlangen nach Lösungen, die die Möglichkeiten des Deutschen bis an die Grenzen ausreizen. „Ich war sehr vertraut mit der Übersetzung von Rechel-Mertens und eigentlich auch immer zufrieden damit, bis ich mich dann schließlich mal an den französischen Text gewagt habe, und da schlug mir irgendwie eine ganz andere Stimme ans Ohr, die mir auch mehr entgegenkam, nüchtern, klar konturiert und freundlich amüsiert. Diese andere Stimme wollte ich gern zu Gehör bringen.” Bis zu Band 5, „Die Gefangene”, ist Fischers Fassung der „Recherche” mittlerweile vorangeschritten, das Erscheinen von Band 6 „Die Entflohene” kündigt der Reclam Verlag für Mai 2016 an. Zeit für eine Zwischenbilanz mit dem Kritiker Andreas Platthaus, Literaturredakteur der FAZ, und dem Berliner Philologen Norbert Miller.

Eintritt 8 € / 5 €*

Mittwoch
März
20.00 Uhr
02.03.2016

„Y“. Buchpremiere
Jan Böttcher in Lesung und Gespräch

Moderation: Paul Brodowsky

Jan Böttcher © Tim Kölln

Jan Böttcher, 1973 in Lüneburg geboren und 2007 in Klagenfurt mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet, spürt den Themen unserer Zeit in seinen Romankunstwerken mit seismographischer Genauigkeit nach. In seinem fünften Roman „Y”, der im Februar im Aufbau Verlag erschienen ist, erzählt er eine brennend aktuelle Geschichte von europäischer Dimension. Jakob und Arjeta leben gemeinsam in Hamburg, als Arjetas Vater entscheidet, in den Kosovo zurückzukehren, um dort eine neue Existenz in der Hotelbranche aufzubauen. Jakob folgt Arjeta, die ihren Vater begleitet. Sie bekommen einen Sohn, doch die Vaterschaft wird nicht anerkannt und Arjeta kurz darauf mit einem kosovarischen Mann verheiratet. Jakob kehrt zurück nach Deutschland. Jahre später begibt sich Leka, Jakobs und Arjetas Sohn, auf die Suche nach seiner Identität zwischen Nord und Süd, Heimat und Fremdheit. Moritz Rinke schreibt über das Buch: „So spannend wie erhellend – dieser Roman ist ein Tanz der Lebenslust in Todesnähe. Und eine der traurigsten Liebesgeschichten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe!” Am heutigen Abend liest Jan Böttcher erstmals aus „Y” und spricht mit dem Autor und Literaturwissenschaftler Paul Brodowsky über den Stoff und die literarische Gestaltung seines Buches.

Gefördert aus dem „Grenzgänger”-Programm der Robert Bosch Stiftung GmbH.
Eintritt 8 € / 5 €
*

Donnerstag
März
20.00 Uhr
03.03.2016

O-Ton der Geschichte
In Lesung und Gespräch: Swetlana Alexijewitsch

Moderation: Elisabeth Ruge
Übersetzung: Ganna-Maria Braungardt

Swetlana Alexijewitsch © Margarita Kabakova


Swetlana Alexijewitsch wurde 1948 geboren, über ihre Herkunft schreibt sie: „Ich habe drei Zuhause: Meine weißrussische Heimat, das Land meines Vaters, wo ich mein ganzes Leben verbracht habe, die Ukraine, die Heimat meiner Mutter, wo ich geboren bin, und die große russische Kultur, ohne die ich mir mich nicht vorstellen kann.”

Ihre dokumentarische Prosa kreist um das Schicksal der Menschen in der Sowjetunion: die Katastrophen des Zweiten Weltkriegs, den Afghanistan-Krieg („Zinkjungen”, 1992), die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, die postsowjetischen Zustände („Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus”, 2013). Ihr Material gewinnt sie aus einer Vielzahl von Gesprächen und Interviews, die sie literarisch formt und zu einer Komposition verdichtet: „Flaubert nannte sich einen Mann der Feder, ich kann von mir sagen, ich bin ein Mensch des Ohres. Wenn ich die Straße entlang gehe und Worte, Sätze, Ausrufe aufschnappe, denke ich immer: Wie viele Romane doch spurlos in der Zeit untergehen. Im Dunkel. Einen Teil des menschlichen Lebens, den mündlichen, konnten wir nicht für die Literatur erobern. Wir haben ihn bisher nicht geschätzt, nicht bestaunt, nicht bewundert. Mich aber hat er in seinen Bann geschlagen und gefangengenommen. Ich liebe es, wie Menschen sprechen … Ich liebe die einzelne menschliche Stimme. Das ist meine größte Liebe und Leidenschaft.” Es ist die Wucht einer allgemein existentiellen Erfahrung, die sich in ihren Texten manifestiert und Leserinnen und Leser in aller Welt fasziniert. Elisabeth Ruge, Autorin, Literaturagentin und langjährige Verlegerin (Berlin Verlag, Hanser Berlin) der Werke Swetlana Alexijewitschs in Deutschland, spricht mit der Nobelpreisträgerin.

Eintritt 8 € / 5 €*

Dienstag
März
20.00 Uhr
08.03.2016

Bücher, die bleiben
Die Übersetzer-Kandidatinnen für den Preis der Leipziger Buchmesse 2016

In Lesung und Gespräch: Ursula Keller, Kirsten Brandt, Claudia Hamm und Brigitte Döbert
Moderation: Jürgen Jakob Becker

Ursula Keller © Madeleine Caffaro

Claudia Hamm © Michael Donath

Brigitte Döbert © Ariel Gout

Reich ist die Auswahl an bemerkenswerten Übersetzungen, die auf dem deutschen Buchmarkt in den letzten Monaten erschienen sind. Die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse hat fünf Kandidaten für den Übersetzerpreis nominert, vier davon stellen wir an diesem Abend vor.

„Eine Straße in Moskau” (Die Andere Bibliothek) ist der erste Roman des russischen Realisten Michail Ossorgin, der im Jahr 1928 in der Pariser Emigration erschien und nun von Ursula Keller neu übersetzt wurde. Er schildert die zerstörerische Gewalt von Krieg und Revolution aus der Sicht der Bewohner einer kleinen Moskauer Straße. Wie durch ein Brennglas werden die Ereignisse im Mikrokosmos eines Professorenhaushalts um den Ornithologen Iwan Alexandrowitsch und seine Enkelin »Tanjuscha« betrachtet und zu einem Mosaik aus 86 Bildern und Szenen meisterhaft montiert. Eine großartige Wiederentdeckung: Der Roman über Russland zwischen 1914 und 1920, zwischen Weltkrieg, Revolution, Terror und Bürgerkrieg, farbig und nuanciert ins Deutsche übersetzt.

Auch Kirsten Brandt hat den deutschen Lesern ein bedeutendes Werk der Moderne nach mehr als 50 Jahren zugänglich gemacht: Joan Sales' „Flüchtiger Glanz” (Hanser), den großen Roman über den Spanischen Bürgerkrieg. Ein katalanischer Briefroman, der Antworten sucht auf die Fragen nach dem Ursprung des Bösen, nach Gott und den Möglichkeiten der Liebe – und der in Kirsten Brandts lebendiger Übertragung abwechselnd sehnsüchtig, wild, bitter oder derb die Grauzone des Spanischen Bürgerkriegs ausleuchtet.

Um die großen Fragen geht es auch bei Emmanuel Carrère: Was bedeutet uns der Glaube, was uns persönlich und was unserer Gesellschaft? Carrère vertieft sich in seinem Roman „Das Reich Gottes” (Matthes & Seitz Berlin) in die Anfänge des Christentums und in seine eigene Lebens- und Glaubensgeschichte. Die radikal persönliche Auseinandersetzung des Pariser Intellektuellen mit dem Christentum und seinen Quellen macht die Übersetzerin Claudia Hamm als fesselnde, elegante Erzählung zugänglich.

Was für Irland Ulysses, ist für Serbien „Die Tutoren” (Schöffling & Co): ein avantgardistisches Meisterwerk voller Wortspiele und Stilbrüche, ein experimentelles Labor der Sprache – und dabei hochkomisch. Bora Ćosić spannt in seiner weit ausholenden Parodie einer Familienchronik den Bogen über 150 Jahre europäische Geschichte. An eine Übertragung dieses opus magnum hat sich lange niemand herangetraut. Brigitte Döbert ist das Wagnis nun eingegangen und erschließt den Lesern damit einen der großen mitteleuropäischen Autoren der Gegenwart neu. Mit überbordendem Wortwitz ist es ihr gelungen, ein Kompendium balkanischer Verrücktheiten nachzubilden.

An diesem Abend leider verhindert, aber nicht weniger hervorzuheben ist schließlich Frank Heibert und seine deutsche Fassung von Richard Fords jüngstem Buch „Frank” (Hanser Berlin), mit dem der US-amerikanische Autor den Schlussstein seiner meisterhaften Tetralogie über den inzwischen 68-jährigen Helden Frank Bascombe gesetzt hat. Frank Heibert zieht alle Register, um Fords lakonischen Sound, den Zynismus seines unverwechselbaren Protagonisten mal ironisch-lässig, mal ätzend, mal hochgestochen ins Deutsche zu bringen.

Eintritt 8 € / 5 €*

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Donnerstag
März
20.00 Uhr
10.03.2016

Der Ort, an dem die Reise endet
Yvonne Ahiambo Owuor in Lesung und Gespräch

Moderation: Sigrid Löffler
Deutsche Lesung: Nina West

Yvonne A. Owuor © Courtesy of Bobby Pall for Footprints Press Ltd.

Die kenianische Autorin Yvonne Ahiambo Owuor ist mit ihrem Roman „Dust“ („Der Ort, an dem die Reise endet“, in der Übersetzung von Simone Jakob, DuMont Verlag) zu Gast. In der New York Times Book Review schreibt die Schriftstellerkollegin Taiye Selasi über das Buch: „Owuor’s prose is a physical expression of the landscape it evokes: raw, fragmented, dense, opaque. Beautiful, but brutally so. […] This language sweats. It bleeds.” Gesprächspartnerin des Abends ist die Literaturkritikerin Sigrid Löffler, von der 2014 die Studie „Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler” erschien. Kenia, 2007. Odidi Oganda, ein hochtalentierter Student, wird in den Straßen Nairobis erschossen. Seine Schwester Ajany kehrt aus Brasilien zurück, um mit ihrem Vater seinen Leichnam nach Hause zu überführen. Doch die Heimkehr auf die verfallene Farm im Norden des Landes hält keinen Trost für sie bereit. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen, die der Mord heraufbeschworen hat und die die Familie im Griff halten: an die koloniale Gewaltherrschaft und die blutigen Auseinandersetzungen nach der Unabhängigkeit. Yvonne Adhiambo Owuor lebt in Nairobi. 2003 wurde sie mit dem Caine Prize for African Writing ausgezeichnet. Ihre Kurzgeschichte „The Knife Grinder’s Tale“ wurde als preisgekrönter Kurzfilm adaptiert. 2003-2005 war sie Leiterin des internationalen Filmfestivals in Sansibar. „Der Ort, an dem die Reise endet“ ist ihr erster Roman.

Eintritt 8 € / 5 €*

Freitag
März
10.00 bis 14.00 Uhr
11.03.2016

Insel-Pinsel. Mangas aus Taiwan
Ein Übersetzungs-Workshop für Schüler

Mit Johannes Fiederling und Ruan Guang-Min

Ruan Guang-Min © privat

Gemeinsam mit dem Comic-Künstler Ruan Guang-Min wird der erfahrene Übersetzer Johannes Fiederling Chinesisch lernenden Schülern aus Berlin einen Workshop zum Thema Manga-Übersetzen aus dem Chinesischen anbieten. Pädagogisch begleitet lernen die Schüler die Besonderheiten der Stilelemente in Mangas kennen, es werden ihnen Übersetzungsprobleme erklärt, gemeinsam Übungen zur Übersetzung durchgesprochen und ein kurzer Exkurs zum Mangazeichnen vom Künstler selbst gegeben. Für die Schüler bietet sich ein anregender Einblick ins Thema Übersetzung und Mangas aus Taiwan.

In Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium Taiwans und Taiwan Cultural and Creativity Development Foundation (TCCDF).
Eintritt frei

Freitag
März
20.00 Uhr
11.03.2016

Das Leben ist eine Insel. Literatur@Taiwan

Gespräch zwischen dem Comic-Künstler Ruan Guang-Min und seinem Übersetzer Johannes Fiederling, anschließend Lesung mit Badai, Lee Chin-Wen und Egoyan Zheng
Moderation: Meike Schlüter

Badai © privat

Lee Chen-Wen © privat

Egoyan Zheng © privat

Eine Insel im Pazifik. 23 Millionen Menschen. Bewegte Historie, komplexe Gegenwart, eine reiche literarische Tradition. In Kooperation mit taiwanischen Partnern werden drei Autoren und ein Comic-Künstler im März im LCB zu Gast sein. Meike Schlüter stellt bereits zum 2. Mal neue Literatur aus Taiwan vor: die Kurzgeschichten Badais, die sich mit der teils tragischen, teils hoffnungsvollen Situation der taiwanischen Ureinwohner als Teil einer modernen, hochtechnologisierten Gesellschaft befassen; den weltumspannenden Science-Fiction Roman von Egoyan Zheng, und die Großstadtpoesie von Lee Chin-Wen. Als Rahmenprogramm des Übersetzungs-Workshops am Vormittag werden der Comic-Künstler Ruan Guang-Min und sein Übersetzer Johannes Fiederling Einblicke geben ins Thema Übersetzung und Mangas aus Taiwan. Im Anschluss laden wir die Besucher zur Besichtigung der Comic-Austtellung von Ruan Guang-Min ein.

In Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium Taiwans und Taiwan Cultural and Creativity Development Foundation (TCCDF).
Eintritt frei

Dienstag
März
20.00 Uhr
15.03.2016

Die Liebesgeschichtenerzählerin
Lesung: Friedrich Christian Delius

Gesprächspartnerin: Katharina Hacker

Friedrich Christian Delius © Jürgen Bauer

Friedrich Christian Delius, Büchnerpreisträger 2011, ist vielleicht der genaueste Chronist der Bundesrepublik. Seine Trilogie zum deutschen Herbst wird zu recht viel gerühmt. Ein Strang seines Werks nährt sich aus seiner Biografie, etwa „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde” oder „Amerikahaus und der Tanz um die Frauen“, das in das Berlin der sechziger Jahre zurückführt. Sein neuer Roman „Die Liebesgeschichtenerzählerin“ (Rowohlt Berlin) erzählt, angelehnt an die bewegte Geschichte seiner Familie, wieder aus den sechziger Jahren, reicht aber weit zurück in das 19. Jahrhundert. Eine Frau, für ein paar Tage frei von Pflichten, Mann und Kindern, fährt im Januar 1969 von Den Haag über Amsterdam nach Frankfurt. Drei Liebesgeschichten aus den Zeiten der Kriege und Niederlagen gehen ihr durch den Kopf: ihre eigene, die ihrer Eltern, die einer Vorfahrin während der napoleonischen Kriege. Davon möchte sie erzählen, aber die Geschichten und Leben verflechten sich immer mehr: ein König, der die modernen Niederlande aufbaut; seine uneheliche Tochter, die in eine mecklenburgische Adelsfamilie gezwungen wird; ihr Urenkel, der als kaiserlicher U-Boot-Kapitän die roten Matrosen von Kiel überlistet, seiner schwarzen Seele entkommen möchte und zum Volksprediger wird; seine Tochter – die reisende Erzählerin selbst –, die ein gutes deutsches Mädel und trotzdem gegen die Nazis sein wollte und nun im Schreiben Befreiung sucht neben einem Mann, lächelnder Gutsbesitzerssohn und Spätheimkehrer, der sich allmählich von ihr entfernt. Mit Friedrich Christian Delius spricht die Schriftstellerin Katharina Hacker.

Eintritt 8 € / 5 €*

Dienstag
März
20.00 Uhr
22.03.2016

Studio LCB
Lesung: Juli Zeh

Gesprächspartner: Eva Menasse und Tobias Lehmkuhl
Moderation: Hubert Winkels

Juli Zeh © Thomas Müller

Juli Zeh ist eine der intellektuell und politisch profiliertesten Autorinnen der Gegenwart. 1974 in Bonn geboren, studierte sie Jura in Passau und Leipzig, besonders Europa- und Völkerrecht, abgeschlossen durch die Promotion. Es folgten längere Aufenthalte in New York und Krakau. Schon ihr Debütroman „Adler und Engel” von 2001 wurde zu einem internationalen Erfolg, gefolgt von einem Reisebericht „Die Stille ist ein Geräusch” über eine Fahrt durch Bosnien, die Romane „Spieltrieb”, „Schilf”, „Nullzeit” und diverse Essaybände. In ihrem neuen Roman, der erstmals im Münchner Luchterhand Verlag erscheint, wendet sich Juli Zeh der Provinz in Brandenburg zu, einer Gegend, wo sie auch lebt. Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf „Unterleuten” irgendwo im weiteren Berliner Umland. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. In Brandenburg bricht die Hölle los...Mit „Unterleuten” (Luchterhand Verlag) hat Juli Zeh einen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich zu einem spannenden Thriller auswächst. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert? Das sind einige der vielen Fragen, die im Roman aufgeworfen werden.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: Samstag, 27. März 2016, 20:05 Uhr.
Sendefrequenzen und Livestream
Eintritt 8 € / 5 €*

DLF

Donnerstag
März
20.00 Uhr
31.03.2016

„Frederick“. Buchpremiere
Lesung: Perikles Monioudis

Moderation: Thomas Geiger

Perikles Monioudis © Marvin Zilm

„Ganz hinten bei den Klappstühlen hatte man ihn sitzen heißen, und da saß der kleine Junge auch, er starrte nach vorn auf die Bühne. Frederick tat so, als würde ihn das alles kalt lassen, die freudige Erwartung des Publikums vor jeder Nummer, die Ovationen für die halbnackten Damen, die halbnackten Damen selbst, die Verhöhnung des älteren Tanzpaars, die schlüpfrigen Einlassungen des Direktors, der, ganz Impresario, es sich nicht nehmen ließ, die Nummern selbst anzusagen, um immer gleich von sich zu sprechen.“ So beginnt das lange erwartete neue Buch von Perikles Moniuodis „Frederick“ (dtv). Es ist ein Künstlerroman der eigenen Art. Er erzählt die Geschichte Fred Astaires, des besten Stepptänzers aller Zeiten. Fred Astaire verkörperte den Höhepunkt einer Kunst, die mit ihm auch wieder unterging. Er strebte nach Perfektion, Eleganz und Schönheit, und doch, so imaginiert es Perikles Monioudis, musste er sich sein ganzes Leben gegen einen geradezu teuflischen Begleiter wehren, der ihn überreden will aufzuhören. „Frederick” ist ein Buch über die Kunst, die Schönheit, die Perfektion und über den Antrieb, immer weiter zu machen. Durch den Abend führt Thomas Geiger.

Mit freundlicher Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.
Eintritt 8 € / 5 €*

KARTEN AUSSCHLIESSLICH AN DER ABENDKASSE

Ab sofort:
Vor und nach jeder Veranstaltung
kleine Speisen von
AL DENTE Catering

Ausstellungen

Birgit Weyhe: Madgermanes. Ausstellung im LCB 30.11.2015 - 12.02.2016

Birgit Weyhe: Madgermanes. Ausstellung im LCB 30.11.2015 - 12.02.2016

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