Montag
Januar
20 Uhr
30.01.2012

Kaukasische Debüts

Alisa Ganijewa, Olga Grjasnowa und Tamta Melaschwili in Lesung und Gespräch
Moderation: Olaf Kühl

Logo Außer Haus!
Ort: HBC, Karl-Liebknecht-Straße 9, 10117 Berlin-Mitte, www.hbc-berlin.de

Alisa Ganijewa © privat

Olga Grjasnowa © Peter-Andreas Hassiepen

Tamta Melaschwili © Unionsverlag

Ein Abend mit drei Autorinnen, die in die Sowjetunion der achtziger Jahre hineingeboren wurden und als Kinder den Zerfall des Imperiums im Kaukasus erlebten - und nun mit aufsehenerregenden Debüts von sich reden machen. Die Russin Alisa Ganijewa wuchs in Dagestan auf und zeigt in ihrem Debütroman „Salam, Dalgat!” (in: C. Körner (Hg): Das schönste Proletariat der Welt, edition suhrkamp) die aufbrechenden Konflikte zwischen islamischer, russischer und westlicher Orientierung. Tamta Melaschwili kommt aus der georgischen Provinz, studierte in Tbilisi, lebte in Ungarn und Deutschland, wo sie mit dem Schreiben begann. Ihr Debütroman „Abzählen” (Unionsverlag, aus dem Georgischen von Natia Mikeladse) erzählt von einer gottverlassenen Konfliktzone. Olga Grjasnowa schließlich verbrachte ihre Kindheit in Aserbaidschan. Sie ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig, lebt und studiert in Berlin. Ihr Debütroman „Der Russe ist einer, der Birken liebt” (Hanser) erzählt von einer Heldin, in der unterschiedliche Kulturen und Traditionen spannungsreich aufeinandertreffen. (Eine allein diesem Roman gewidmete Buchpremiere findet am 9. Februar um 20 Uhr in der Buchhandlung Moby Dick, Stargarder Straße 67, statt).

Eintritt 6 € / 4 € *

Mittwoch
Februar
20 Uhr
08.02.2012

Blumenberg, Descartes – über Philosophen schreiben

Durs Grünbein und Sibylle Lewitscharoff in Lesung und Gespräch
Moderation: Lothar Müller

 

Die Philosophie scheint wieder auf dem Vormarsch zu sein. Im Fernsehen gibt es kein literarisches Quartett mehr, aber ein philosophisches. Zwei Zeitschriftengründungen mit Philosophie für den Alltag wurden von den Feuilletons des Landes freundlich aufgenommen. Richard David Precht grüßt annähernd wöchentlich aus einer der Talkshows. In der Belletristik dagegen findet sich kaum eine Auseinandersetzung mit philosophischen Themen. Eine Ausnahme ist Sibylle Lewitscharoffs Roman „Blumenberg“, dem der Münsteraner Gelehrte nicht nur seinen Titel lieh. Schon vor einigen Jahren, 2003, erschien Durs Grünbeins narratives Langgedicht „Vom Schnee. Oder Descartes in Deutschland“. Sibylle Lewitscharoff und Durs Grünbein lesen aus ihren Büchern und sprechen mit dem Literaturkritiker Lothar Müller darüber, wie man die „Liebe zur Weisheit“ literarisch fruchtbar machen kann, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind und vielleicht auch welche Freuden.

Eintritt 6 € / 4 € *

Donnerstag
Februar
20 Uhr
16.02.2012

Schreiben und Übersetzen

Podiumsgespräch mit Olaf Kühl (August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessor im WS 2011/12), Marie Luise Knott (Deutscher Übersetzerfonds) und Jurko Prochasko

 

Die Grenzen zwischen dem Schreiben und Übersetzen sind fließend. Manchmal scheinen die Gemeinsamkeiten zu überwiegen. Was tut zum Beispiel Elfriede Jelinek, wenn sie Oscar Wilde übersetzt – man könnte meinen, sie schriebe einfach munter weiter. Was andererseits, wenn Hannah Arendt im Exil Englisch schreibt – übersetzt sie sich nicht selbst? Doch selbst wenn man sich weniger Freiheiten zugesteht als diese Autorinnen-Übersetzerinnen – immer ist die Übertragung auch eine Deutung. Nirgends wird das deutlicher als in der amerikanischen Fassung der Werke von Sigmund Freud, die seine Rezeption dort maßgeblich beeinflusste. Interpretierend sind aber auch die Übersetzerinnen Robert Musils ins Italienische am Werk, wie die Feinanalyse der unterschiedlichen Fassungen beweist. Das gilt erst recht für die neunzehn unterschiedlichen Übersetzungen der Gedichte des Chinesen Wang Wei. An diesen und einigen anderen Fallbeispielen hat Olaf Kühl die Titelfrage seines Seminars „Schreibst du noch oder übersetzt du schon?“ behandelt, das er als Inhaber der vom Deutschen Übersetzerfonds und der FU Berlin eingerichteten „August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung”am Peter-Szondi-Institut angeboten hat. Mit den Seminarteilnehmern sollen die Streitfragen noch einmal öffentlich ausgetragen, die Höhepunkte rekapituliert werden. Als berufene Gäste werden die Autorin Marie Luise Knott und der Psychoanalytiker und Übersetzer Jurko Prochasko das Gespräch zusätzlich befeuern.

Eintritt frei

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Dienstag
Februar
20 Uhr
21.02.2012

Hausgäste

Benny Barbash, András Gerevich und Marko Pogačar in Lesung und Gespräch

 

Etwa 40 bis 50 Schriftsteller und Übersetzer kommen pro Jahr in den Genuss eines Aufenthaltsstipendiums im LCB, um hier an neuen literarischen Projekten zu arbeiten, aber auch um die Stadt Berlin und ihr kulturelles Leben kennenzulernen. Zu den ersten Gästen dieses Jahres gehören der israelische Romancier („Mein erster Sony”, 1995) und Drehbuchautor Benny Barbash, der ungarische Lyriker, Theaterautor und Übersetzer András Gerevich und der kroatische Lyriker und Zeitschriftenmacher Marko Pogačar. Wir stellen sie an diesem Abend vor.

Eintritt frei

Donnerstag
Februar
20 Uhr
23.02.2012

Studio LCB
Lesung: Péter Nádas

Gesprächspartner: Tilman Krause und Joachim Sartorius
Moderation: Maike Albath

Péter Nádas © Tobias Bohm

„Parallelgeschichten” nennt der ungarische Schriftsteller Péter Nádas sein neues Werk. Es als einen Jahrhundert-Roman zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. 1.728 Seiten umfasst das Buch, es entwirft ein Panorama der europäischen Zeitgeschichte, beginnt mit einem Mord im Berliner Tiergarten und führt in das Beziehungsnetz einer Familie hinein. Die historischen Wegmarken sind der Ungarnaufstand 1956, die nachrevolutionäre Phase, der Nationalfeiertag am 15. März 1961, die Vorkriegszeit in Berlin und die Deportationen der ungarischen Juden in den vierziger Jahren. Nicht nur äußere Ereignisse skandieren den Roman – der Körper selbst wird zum Schauplatz der Ereignisse. Péter Nádas, 1942 in Budapest geboren, stammt aus einer jüdischen Familie, war Fotoreporter und Journalist, bis er mit den Vorgaben für die Berichterstattung in Konflikt geriet und sich 1968 als Schriftsteller aufs Land zurückzog. Die Zensur verhinderte fünf Jahre lang die Veröffentlichung seines Debüts „Ende eines Familienromans”, das schließlich 1977 erschien. In Deutschland wurde Nádas mit seinem ebenfalls monumentalen Roman „Buch der Erinnerung” (1991) bekannt. Im Studio LCB diskutiert Péter Nádas mit dem Literaturkritiker Tilman Krause und dem Schriftsteller Joachim Sartorius über die Möglichkeiten des Erzählens.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: Samstag, 25. Februar 2012, 20:05 Uhr.
Sendefrequenzen unter: www.dradio.de/dlf/frequenzen/
Eintritt 6 € / 4 € *

Dienstag
Februar
20 Uhr
28.02.2012

Paare, Begegnungen, Geschichten

Ulrike Draesner und Monique Schwitter lesen aus ihren Erzählungsbänden
Moderation: Katharina Teutsch

Ulrike Draesner © Tobias Bohm

Monique Schwitter © Florian Thiele

Zwei herausragende Erzählungsbände des vergangenen Jahres stehen im Mittelpunkt des heutigen Abends, und natürlich deren Verfasserinnen: Ulrike Draesner ist eine der renommiertesten Autorinnen von Lyrik und Prosa in Deutschland, ihre Texte zeichnen sich durch intellektuelle Brillanz ebenso aus wie durch erzählerische Meisterschaft. Ihr zuletzt bei Luchterhand erschienener Erzählungsband „Richtig liegen” versammelt 17 unberechenbare „Geschichten in Paaren”, über deren „Bildtrunkenheit” und „Denkgenuss” der Rezensent Rolf-Bernhard Essig in der Frankfurter Rundschau ins Schwärmen geriet. Begegnungen und Beziehungen, Abwesenheit und Verlust stehen im Mittelpunkt der 15 Erzählungen des Bandes „Goldfischgedächtnis” (Droschl) von Monique Schwitter. Die Geschichten, die die in Hamburg lebende Schriftstellerin und Schauspielerin erzählt, kommen so lapidar und schnörkellos daher, dass die Abgründe, die sich in ihnen auftun, den Lesern umso heftiger den sicher geglaubten Boden unter den Füßen wegziehen. Über Form, Inhalt und literarische Verortung der Erzählungen spricht die Literaturkritikerin Katharina Teutsch mit den Autorinnen.

Eintritt 6 € / 4 € *

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