Mittwoch
September
20.00 Uhr
03.09.2014

Wildauge

Katja Kettu in Lesung und Gespräch
Moderation: Angela Plöger

Katja Kettu © Ofer Amir

Katja Kettu sorgte im Jahre 2011 in Finnland mit ihrem Roman „Kätilö” („Wildauge”) für Furore. Wochenlang stand das Buch auf Platz 1 der Bestsellerliste, derzeit erscheint es weltweit in 13 Übersetzungen. Es nimmt seine Leser mit nach Lappland, das im Sommer 1944 unter deutscher Besatzung steht. Basierend auf Aufzeichnungen ihrer Großmutter erzählt Katja Kettu von der Begegnung zwischen der Hebamme des Dorfes Petsamo und dem deutschen Offizier Johannes Angelhurst. In den Wirren des Kriegsendes entbrennt eine wilde, bedingungslose Leidenschaft. Doch was das Buch so außergewöhnlich macht, ist die überbordende Sprache, mit der die 1978 geborene Autorin das Kriegs- und Liebes-Geschehen in den erzählerischen Blick nimmt. Die Hamburger Übersetzerin Angela Plöger hat das Buch ins Deutsche übersetzt und mit einem Nachwort versehen. Sie moderiert auch den heutigen Abend im LCB.

Eintritt 8 € / 5 € *

Dienstag
September
20.00 Uhr
09.09.2014

3000 Euro

Die Buchpremiere des neuen Romans von Thomas Melle
Moderation: Thorsten Dönges

Thomas Melle © Karsten Thielker

Für seinen 2007 veröffentlichten Erzählungsband „Raumforderung” erhielt der 1975 in Bonn geborene, seit 1997 in Berlin lebende Schriftsteller und Übersetzer Thomas Melle den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis, sein erster Roman „Sickster” war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde 2011 mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. Nun erscheint Melles drittes Buch, der Roman „3000 Euro” bei Rowohlt Berlin. Es geht um eine zarte, fast unmögliche Liebe am unteren Rand der Gesellschaft, um die menschliche Existenz in all ihrer drastischen Schönheit und Zerbrechlichkeit&xnbsp;– ein zärtlicher, heftiger Roman über zwei Menschen und die Frage, was dreitausend Euro wert sein können.

Im Anschluss lädt der Rowohlt Verlag zu einem Empfang.

Eintritt 8 € / 5 € *

Mittwoch
September
20.00 Uhr
10.09.2014

Drüben und drüben – Zwei deutsche Kindheiten

Buchpremiere: Jochen Schmidt und David Wagner

Jochen Schmidt © Susanne Schleyer

David Wagner © Tobias Bohm

Zwei Kindheiten in einem Buch: Jochen Schmidt drüben in Ostberlin, David Wagner drüben unweit der Bundeshauptstadt Bonn. Beide sind sie ungefähr gleich alt, beide nehmen sich dieselben Kapitel vor: „Kinderzimmer“, „Wohnzimmer“, „Küche“, „Badezimmer“, „Garten“, „Wege“, „Schule“, „Spielplätze“, „Bei anderen“, „Im Auto“, „Ferien“, „Niemandsland“. Gemeinsamer Schlusspunkt ist der „9. November 1989“. „Meine englische Stiefmutter, die Ausländerin, bekam im Sommer 1989 Wutanfälle, als sie die Ostdeutschen in den Gärten der westdeutschen Botschaften in Prag und Budapest mit ihren neu ausgestellten Pässen in die Kamera winken sah. Seit fünfundzwanzig Jahren musste sie immer wieder ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen, und diese Menschen bekamen einen westdeutschen Pass einfach so geschenkt?“ – beginnt David Wagner dieses letzte Kapitel. Auf der anderen Seite Jochen Schmidt: „Am Morgen des 9. November wurde mein Name aufgerufen. Ich musste, wie wir es gelernt hatten, dem Vordermann auf die Schulter tippen, damit er Platz machte und ich ‚aus dem Glied treten‘ und mich geometrisch korrekt in rechten Winkeln dem Offizier nähern konnte. Ich wurde von der Kompanie mit einem dreifachen ‚Hurra‘ zu meinem Geburtstag beglückwünscht und erwiderte den Gruß vorschriftsgemäß mit: ‚Ich diene der Deutschen Demokratischen Republik.‘”

Im Anschluss lädt der Rowohlt Verlag zu einem Empfang.

Eintritt 8 € / 5 € *

Mittwoch
September
20.00 Uhr
17.09.2014

Charles Lamb: Eine Abhandlung über Schweinebraten

Lesung: Joachim Kalka
Moderation: Norbert Miller

Charles Lamb: Eine Abhandlung über Schweinebraten

Charles Lamb (1775 – 1834) war Dichter, Buchhalter bei der South Sea Company und bei der East India Company, und Essayist. Seine „Essays of Elia“ (1823) und „Last Essays of Elia (1826) gehören zum Kanon der englischen Literatur wie jene seiner Zeitgenossen William Hazlitt und Thomas De Quincey. Virginia Woolf, die ihr Leben lang diesem Autor gegenüber eine ambivalente Faszination empfand, schrieb einmal von Essays, die „uns fortwährend beschäftigen und unsere Erinnerung bewohnen wie die von Montaigne und Lamb.“ Durch eine von Joachim Kalka besorgte Auswahl und Übersetzung seiner Essays ist Lamb nunmehr für die deutschen Leser zu entdecken. In seinem Vorwort beschreibt Kalka die Essays als entschieden subjektiv, voller unberechenbarer Abschweifungen und von entschlossener Privatheit. Nichts ist vor der Betrachtung von Lamb sicher, hier nur einige Titel: „Arme Verwandte“, „Das Tischgebet“, „Klage eines Junggesellen über die Aufführung verheirateter Leute“ und schließlich der Titel, nach dem die ganze Sammlung benannt ist „Eine Abhandlung über Schweinebraten“ (Berenberg 2014). Abgerundet wird der Band mit einem Aufsatz von Norbert Miller über den Briefwechsel von Charles Lamb und Taylor Coleridge. Joachim Kalka liest aus dem Band und spricht mit Norbert Miller über den Autor.

Eintritt 8 € / 5 € *

Donnerstag
September
20.00 Uhr
18.09.2014

Studio LCB

Lesung und Gespräch: Marcel Beyer, Nadja Küchenmeister und Jan Wagner
Moderation: Maike Albath

Marcel Beyer © Tobias Bohm

Nadja Küchenmeister © Franziska Boddrus

Jan Wagner © Tobias Bohm

„du liegst/ im gras betäubt vom sauerstoff und nur zur hälfte wach, zur hälfte / abgewandert ins geträumte tal“ intoniert Nadja Küchenmeister in ihrem neuen Gedichtband „Unter dem Wacholder” (Schöffling & Co). Auf die Frage, wie man heute von Jahreszeiten, Herkunft, Verlust und Liebe erzählen kann, findet die 1981 in Berlin geborene Lyrikerin viele Antworten. Detailgenau und lakonisch tastet sie ihre Umgebung ab. Die Natur in ihren verschiedensten Ausprägungen beschäftigt Jan Wagner in seinen „Regentonnenvariationen” (Hanser Berlin). Es gibt schäumenden Giersch, Weidekätzchen und Würgefeige, Morchel, Melde, Olm und Otter. Verbirgt sich in den präzisen Benennungen auch das Wesen der Dinge? Wagner, Jahrgang 1971, gebürtiger Hamburger, macht Botanik und Tierwelt zu Bestandteilen der Erfahrungswelt seines lyrischen Ichs. Bei Marcel Beyer schließlich, Jahrgang 1965, in Dresden beheimatet, Dichter und Romancier, wird die Materialität der Dinge zu einem Schutzraum, in dem auch die Sprache lebendig bleiben kann. In seiner Sammlung „Graphit” (Suhrkamp) sind es immer wieder Fotos, die zum Auslöser eines Gedichts werden. Beyers Mehrstimmigkeit widersetzt sich der Vereindeutigung des Sprechens. Welche Gedichte für unsere Zeit von Nöten sind, werden die drei Lyriker in Gespräch und Lesung erläutern.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin auf UKW 97,7: 27. September 2014, 20.05 Uhr.
Sendefrequenzen und Livestream

Eintritt 8 € / 5 € *

DLF

Freitag
September
ab 14.00 Uhr
26.09.2014

Sprach-Kreuzungen.
Gemischtsprachliches von Martin Luther bis Aykut Anhan

Übersetzertag 2014 mit Peter Eisenberg, Christine Ganslmayer, Volker Hinnenkamp, Odile Kennel, Bert Papenfuß, Jayrôme C. Robinet, Alfred Wildfeuer und Zé do Rock
Konzeption und Leitung: Gabriele Leupold und Eveline Passet

Nicht erst seit es Rap-Texte gibt, arbeiten Übersetzer mit literarischen Werken, in denen Sprachen auf unterschiedliche Weise gemischt werden: Das Problem stellte sich bereits dem Rabelais-Nach- und Weiterdichter Johann Baptist Fischart. Dennoch galten mischsprachliche Phänomene lange Zeit als unübersetzbar, da das Deutsche sie angeblich nicht oder fast nicht kennt. Wie aber sieht es tatsächlich mit dem Multisprech in Geschichte und Gegenwart des Deutschen aus? Die makkaronische Dichtung eines Sebastian Brant oder Hans Sachs und noch das Studentenlied des 19. Jahrhunderts gewinnen ihre Komik aus den vorwiegend lateinischen, aber auch griechischen oder französischen Einsprengseln und Verballhornungen. Die höfisch-gebildete Unterhaltungsliteratur liebte den Gallizismus, und im Baltikum oder in multikulturellen Städten wie Czernowitz war für viele Menschen das Switchen zwischen zwei und mehr Sprachen selbstverständlich. Dort, wo durch Auswanderung deutsche Sprachinseln entstanden, vermischten sich im Alltag nicht nur Umgebungs- und mitgebrachte Sprache, sondern auch das Deutsche mit dem Deutschen, genauer: Dialekt mit Dialekt, so dass sich neue Mundartvarietäten herausbildeten. „Sprachkontaktphänomene“ und „Hybridisierung“ nennt die Linguistik solche Erscheinungen, Sprachentwicklung ist ohne sie nicht denkbar, Literatur schon gar nicht. Der Übersetzertag 2014 wirft den Blick auf mehr als 500 Jahre Crossover im geschriebenen und gesprochenen Deutsch, mit Vorträgen, akustischen und visuellen Sprachbeispielen und künstlerischen Auftritten. Damit knüpfen wir an den Übersetzertag 2012 und einige der Buchbeiträge im Band „Im Bergwerk der Sprache” an. Nixo pro puristis!

Eine Veranstaltung des Deutschen Übersetzerfonds; Programm und weitere Informationen auf gesondertem Flyer und auf www.uebersetzerfonds.de.
Eintritt 8 € / 5 € *

Montag
September
20.00 Uhr
29.09.2014

‚Nieder mit den Wänden die voll rührender Waffen hängen‘ (Éluard)

Ausstellungseröffnung und Lesung: Dieter M. Gräf
Insa Wilke im Gespräch mit Dieter M. Gräf und Nina Zlonicky

Dieter M. Gräf © Renate von Mangoldt

„Dieser Lyriker geht aufs Ganze, er möchte wissen, was sich hinter der Oberfläche abspielt“, schrieb Anton Thuswaldner, als Dieter M. Gräf 1994 bei Suhrkamp debütierte. Und bei Gräfs bislang letztem Gedichtband diagnostizierte Michael Braun, er würde „in noch radikalerem Maße den Kulturgehorsam (verweigern) als die vorangegangenen Bücher des Autors“. Seit einigen Jahren erweitert Gräf mit Fotos seine Ausdruckstechniken und arbeitet bei visuellen Projekten mit der Architektin Nina Zlonicky. Während in Peking gerade die Ausstellung „Die große Chance” eröffnet wurde, wird am Wannsee nun bis Ende November die Ausstellung „‚Nieder mit den Wänden die voll rührender Waffen hängen’“ (Éluard) zu sehen sein. Mit ihr war das LCB im Juni bereits im Marbacher Literaturmuseum der Moderne zu Gast: SW-Fotos und Gedichte aus Novi Sad, Kaliningrad, Sarajevo, Stuttgart-Stammheim und dem Osten Berlins. Insa Wilke, aktuelle Trägerin des Alfred-Kerr-Preises für Literaturkritik, spricht mit Dieter M. Gräf und Nina Zlonicky über Sprache, Bild und Raum, über Profession und ’Amateur Attitude’.

Die Ausstellung ist bis zum 21. November 2014 vor und nach den Abendveranstaltungen, bzw. nach telefonischer Voranmeldung (030-8169960) zu sehen.

Eintritt 8 € / 5 € *

Dienstag
September
20.00 Uhr
30.09.2014

Reden wir vom Ich - Sachbücher im Gespräch

Sven Reichardt und Heinz Bude in Lesung und Gespräch
Moderation: René Aguigah und Jens Bisky

„Was geht mich denn Vietnam an – ich habe Orgasmusschwierigkeiten.“ Mit diesem Spruch provozierte die hedonistische Linke Apparatschiks und Theoretiker. Die Revolution sollte beim Ich beginnen, über das authentisch zu reden gar nicht so einfach war, sooft man es auch forderte und versuchte. Gerade deshalb hat das linksalternative Milieu neue Formen der Gemeinschaft hervorgebracht und mit ihnen die alte Bundesrepublik verändert. Was ist davon in einer Gesellschaft geblieben, die sich gerne Alternativlosigkeit einredet? Angst? Angst, so der Soziologe Heinz Bude, sei ein wichtiger Erfahrungsbegriff für das Empfinden und die Hoffnungen der Leute. „In Begriffen der Angst wird deutlich, wohin die Gesellschaft sich entwickelt.“ Der Historiker Sven Reichardt hat unter dem Titel „Authentizität und Gemeinschaft“ eine große Kulturgeschichte des linksalternativen Lebens in den Siebzigern und frühen Achtzigern verfasst. Heinz Bude nennt seine neue Gegenwartsdiagnose „Gesellschaft der Angst“. Wie schreibt man über Milieus und Erwartungen, über das Ich der vereinzelten Einzelnen und Gemeinschaften? Was leistet die Zeitgeschichte zur Erhellung der Gegenwart und was die Soziologie zum Verständnis des Gewesenen?

In Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur.
Sendetermin: 3. Oktober 2014, 13.05 Uhr

Eintritt 8 € / 5 € *

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Ausstellungen

‚Nieder mit den Wänden die voll rührender Waffen hängen‘ (Éluard). Fotos und Texte von Dieter M. Gräf

Ville Tietäväinen: Unischtbare Hände, Austellung im LCB: 13. Mai - 31. August 2014

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