Programmleporello

Gerne schicken wir Ihnen unser Programmleporello zu, mailen Sie uns dazu einfach Ihre Adresse an mail@lcb.de.


Dienstag
August
20h
22.08.2017

Die Welt im Rücken
Romane in der Rotunde

Lesung: Thomas Melle
Moderation: Thomas Geiger

Cover: "Die Welt im Rücken" (Rowohlt Berlin)

„Bipolare Störungen oder manisch-depressive Erkrankungen zeichnen sich durch ausgeprägte Schwankungen im Antrieb, im Denken und in der Stimmungslage einer Person aus. So durchleben Menschen mit bipolaren Störungen depressive Phasen euphorischer oder ungewöhnlich gereizter Stimmung. Letztere gehen mit einem deutlich gesteigerten Antrieb einher.“ So klingt das Krankheitsbild einer bipolaren Störung in einer sachlichen Definition. Was dies aber für das alltägliche (Er-)Leben eines Menschen bedeutet, ist in einem der eindrücklichsten Bücher zu lesen, die in den letzten Jahren erschienen sind. Thomas Melle, Autor, Dramatiker und Übersetzer, hat drei durchlebte manisch-depressive Phasen in seinem Buch »Die Welt im Rücken« (Rowohlt Berlin) beschrieben. Dabei ist »Die Welt im Rücken« weit mehr als ein bloßer Krankheitsbericht, es ist ebenso ein wilder Ritt durch Berlin und seine Kulturszene der letzten zwanzig Jahre.

Die Veranstaltung findet bei schönem Wetter im Freien statt. Wir danken der Stiftung Preußische Seehandlung für ihre Unterstützung.
Eintritt 8 € / 5 €
*

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Donnerstag
August
20h
24.08.2017

Studio LCB
Lesung: Ingo Schulze

Im Gespräch: Wiebke Porombka und Lothar Müller
Moderation: Tobias Lehmkuhl

Ingo Schulze © Gabi Gerster

Warum soll man Geld für seine Fassbrause zahlen, wenn es am Ende doch wieder bei der Gesellschaft landet? Wieso freut sich niemand mit einem, wenn man schon als Vierzehnjähriger von der Stasi angeworben wird? Warum, kurz gesagt, kapiert einfach keiner, was für ein Glück es ist, im Sozialismus zu leben? Peter Holtz versteht die Welt nicht. Und sie versteht ihn nicht. Aber in all seinem Idealismus und seiner Naivität kann man ihm einfach nicht böse sein. Ingo Schulzes neuer Held ist ein Schelm, der nicht weiß, wie ihm geschieht. Auch als die Mauer fällt, hofft er, als Neu-Christ in der Ost-CDU, das überflüssige Geld endlich abschaffen zu können, stattdessen aber fliegt es ihm nur so zu. Dabei wäre es doch nur ein kleiner Schritt in die beste aller Welten! Der eigentliche Schelm ist freilich der Autor: So hintersinnig wie hochkomisch legt Ingo Schulze mit »Peter Holtz. Sein glückliches Leben von ihm selbst erzählt« (S. Fischer) einen Roman vor, der uns zeigt, wie nah uns die doch scheinbar fernen Zeiten des Umbruchs noch sind.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: Samstag, 26. August 2017, 20:05 Uhr.
Sendefrequenzen und Livestream
Eintritt 8 € / 5 €*

DLF

Montag
August
20h
28.08.2017

Menschen am Sonntag
Filmvorführung und Gespräch

Mit Martin Faass und Hanns Zischler

»Menschen am Sonntag« © Deutsche Kinemathek

Im Sommer 1929 dreht eine Gruppe junger Film-Enthusiasten auf den Straßen Berlins und am »Großen Fenster« am Ufer des Wannsees einen Film, dessen Drehbuch sie spontan zwischen den Aufnahmen am Kaffeehaustisch entwickeln. Darstellerinnen und Darsteller sind Laien, die zum Teil auf der Straße angesprochen wurden – »Menschen am Sonntag«. Robert Siodmak, so gut wie ohne Filmerfahrung, übernimmt schließlich die Regie, assistiert u. a. von Edgar Ulmer sowie auch Billy Wilder. „Die Arbeit mit Laien und an realen Schauplätzen versteht man als Vorläufer des Neorealismus, auch bezaubert der unbeschwerte, von kommerziellen Interessen scheinbar unberührte Blick Siodmaks auf das Lebensgefühl des Berlins der zwanziger Jahre, auf eine Großstadtkultur, die kurz darauf von den Nationalsozialisten erstickt wurde. Nicht zuletzt schließen die Cinephilen den Film auch deswegen ins Herz, weil sie glauben, er sei gegen die Filmindustrie entstanden; er scheint somit die ‚politique des auteurs‘ vorwegzunehmen.“ (Deutsche Kinemathek). Über »Menschen am Sonntag« sprechen im Anschluss Hanns Zischler, der bereits im Februar zwei Filmabende zur Neuausgabe seines Kult-Buchs »Kafka geht ins Kino« präsentierte, und Martin Faass, Direktor der Liebermann-Villa am Wannsee. In dieser ist vom 9. Juli bis 3. Oktober die Ausstellung »Streit am Wannsee – Von noblen Villen und Strandbadfreuden« zu sehen, die ebenfalls Gesprächsthema sein wird.

Eintritt 8 € / 5 €*

Dienstag
August
20h
29.08.2017

Sie kam aus Mariupol
Romane in der Rotunde

Lesung: Natascha Wodin
Moderation: Jörg Magenau

Natascha Wodin © Susanne Schleyer

Cover: "Sie kam aus Mariupol" (Rowohlt Verlag)

Zwar trägt »Sie kam aus Mariupol« (Rowohlt Verlag) nicht die Bezeichnung »Roman«, aber das Buch verbindet individuelle Erinnerung, zeitgeschichtliche Dokumentation und schriftstellerische Reflexion zu einer besonderen, romanhaften Form von Gedächtniskunst. Natascha Wodin erzählt die Geschichte ihrer ukrainischen Mutter, die 1943 als „Ostarbeiterin“ mit ihrem Mann nach Deutschland verschleppt wurde und sich 1956 das Leben nahm. Ein Zufallsfund im Internet führt die Autorin zur Rekonstruktion einer tragischen und hochdramatischen Familiengeschichte, in die sich die Spuren individueller und kollektiver Gewalt tief eingegraben haben. Ausgezeichnet mit dem Alfred-Döblin-Preis und dem Preis der Leipziger Buchmesse, gehört es zu jenen Büchern, die gleichermaßen aufklären – etwa über das Schicksal der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen in den vierziger Jahren – und die Leser bewegen. Jörg Magenau moderiert die Lesung.

Die Veranstaltung findet bei schönem Wetter im Freien statt. Wir danken der Stiftung Preußische Seehandlung für ihre Unterstützung.
Eintritt 8 € / 5 €
*

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Mittwoch
August
20h
30.08.2017

Das deutsche Krokodil
Buchpremiere

Lesung: Ijoma Mangold
Moderation: Florian Illies

Ijoma Mangold © Sebastian Haenel

„Wenn der Junge das Telefon abnimmt,  meldet er sich mit seinem vollen  Namen. Manche Anrufer, die seine  Mutter sprechen wollen, sind belustigt  und ahmen ihn nach, als hätte der  Junge in kindlicher Selbstverliebtheit  etwas gesungen, das ein zärtliches  Echo verdient. Wenn er seinen ganzen  Namen ausspricht, kommt er auf neun  Silben. Sie haben nicht nur Klang,  sondern auch Rhythmus. Wie eine  Wellenbewegung. Aber das ist nicht  der Grund, warum er den Mund so  voll nimmt; es ist der Versuch, sein  Schicksal abzuschwächen. Sein zweiter  Vorname, das ist seine Hoffnung, soll  die Exotik seines ersten Vornamens  mildern: Ijoma Alexander Mangold.“  Mit »Das deutsche Krokodil« (Rowohlt  Verlag) hat der Literaturkritiker Ijoma  Mangold seine Geschichte geschrieben:  In den siebziger Jahren wächst er  in Heidelberg auf. Seine Mutter  stammt aus Schlesien, sein Vater ist  aus Nigeria nach Deutschland  gekommen, um sich zum Facharzt für  Kinderchirurgie ausbilden zu lassen.  Weil es so verabredet war, geht er  nach kurzer Zeit nach Afrika zurück  und gründet dort eine neue Familie.  Erst zweiundzwanzig Jahre später  meldet er sich wieder und bringt  Unruhe in die Verhältnisse. Wie  wuchs Ijoma Mangold als „Mischlingskind“  und „Mulatte“ in der Bundesrepublik  auf? Wie geht man mit einem  abwesenden Vater um? Und womit  fällt man in Deutschland mehr aus  dem Rahmen: mit einer dunklen Haut  oder mit einer Leidenschaft für  Thomas Mann und Richard Wagner?

Eintritt 8 € / 5 €*

Samstag
September
02.09.2017

LCB Sommerfest 2017

Sommerfest der Verlage Suhrkamp / Insel

LCB Sommerfest 2017

In diesem Jahr feiern wir das LCB-Sommerfest mit den Verlagen Suhrkamp / Insel. Freuen Sie sich auf Lesungen und Diskussionen, die durch das aktuelle Literatur-, Krimi- und Sachbuchprogramm der Verlage führen. Das kulinarische Menü des Tages ist inspiriert von berühmten Gerichten aus der Literatur, die in dem Insel-Band »Yummy Books! – In 50 Rezepten durch die Weltliteratur« zusammengetragen wurden. Für Musik sorgen die »Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot« mit einem Live-Auftritt sowie Thomas Meinecke und Sivan Ben Yishai an den Reglern.

Programm

14 - 17 Uhr
Kinderprogramm vor dem LCB
14.00 Uhr
Begrüßung: Jonathan Landgrebe & Ingo Fessmann
14.30 Uhr
Melinda Nadj Abonji & Sasha Marianna Salzmann
15.00 Uhr
Wilhelm Heitmeyer & Uffa Jensen
15.30 Uhr
Jürgen Becker & Durs Grünbein
16.00 Uhr
Walter Mayer & Erwin Seitz
16.30 Uhr
Thomas Macho & Marion Poschmann
17.00 Uhr
Wilbert Olinde & Christoph Ribbat
17.30 Uhr
Chor der TheaterautorInnen mit Sivan Ben Yishai, Bettina Erasmy, Werner Fritsch, Wolfram Höll, Jörn Klare, Thomas Köck, Konstantin Küspert, Mehdi Moradpour, Simona Sabato, Akin E. Şipal, Miroslava Svolikova
Einrichtung: Sasha Marianna Salzmann
18.30 Uhr
Thomas Kunst & Lutz Seiler
19.00 Uhr
Elena Ferrante gelesen von Marie Bäumer
19.30 Uhr
Robert Menasse & Doron Rabinovici
20.00 Uhr
Friedrich Ani & Simone Buchholz & Andreas Pflüger
20.30 Uhr
Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot
Ab 22.00 Uhr
DJanes Thomas Meinecke & Sivan Ben Yishai

Eintritt 8 € / 5 € / Kinder frei
Weitere Infos: www.suhrkamp.de
#SuhrkampSommerfest

Dienstag
September
05.09.2017

Ingeborg Bachmann I
Wir sagen uns Dunkles: Die Liebesgeschichte zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan

Buchpremiere mit Helmut Böttiger
Moderation: Ursula März

Ingeborg Bachmann © Renate von Mangoldt

Im Gespräch mit der Kritikerkollegin Ursula März stellt Helmut Böttiger das neue Buch »Wir sagen uns Dunkles« (DVA) vor. Sein Thema ist eine Liebesgeschichte, um die sich viele Legenden ranken: Ingeborg Bachmann und Paul Celan lernten sich als junge, noch unbekannte Lyriker im Frühling 1948 kennen, und ihre Beziehung, die immer wieder von Phasen des Rückzugs gezeichnet war, dauerte bis Anfang der Sechzigerjahre, als beide schon längst zu den bedeutendsten Dichtern der deutschen Nachkriegszeit zählten. Kaum jemand wusste von der Nähe zwischen beiden; in der Tat hielten sie es nie lange miteinander aus – zu unvereinbar der biografische Hintergrund, zu groß die gegenseitig zugefügten Verletzungen, zu sehr hatten sie ihr Leben der Dichtung verschrieben. Helmut Böttiger wurde mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet und gewann 2013 mit seinem Buch »Die Gruppe 47« (DVA) den Preis der Leipziger Buchmesse.

Eintritt 8 € / 5 €*

Donnerstag
September
07.09.2017

Studio LCB: Das Risiko der Existenz
Lesung: Marion Poschmann und Thomas Macho

Gesprächspartner: Günter Figal
Moderation: Maike Albath

Marion Poschmann © Heike Steinweg

Thomas Macho © Heike Steinweg

Die Lyrikerin und Romanautorin Marion Poschmann hat für Zwischenstadien etwas übrig. Ihre Helden befinden sich oft in „Biographielöchern“ und müssen sich ihrer Selbst gewahr werden. In »Schwarzweißroman« (2005) droht sich die Hauptfigur in der russischen Industriewüste von Magnitogorsk inmitten gigantischer Industrieanlagen zu verlieren und in »Die Sonnenposition« (2013) gerät die Selbstgewissheit eines Psychiaters durch seine Patienten immer mehr ins Schwanken. Ähnliches gilt auch für Gilbert Silvester, den Helden ihres neuen Romans »Die Kieferninseln« (Suhrkamp Verlag). Der von Drittmitteln alimentierte Forscher träumt eines Nachts, dass ihn seine Ehefrau betrügt, wirft sein Leben über den Haufen und nimmt ein Flugzeug nach Japan. Dort geraten ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Bashō in die Hände, den er beim Wort nimmt. Er begibt sich auf eine Pilgerroute und stößt auf den »Complete Manual of Suicide«. Wie sich der Suizid in der Moderne entwickelt, untersucht der Philosoph und Kulturwissenschaftler Thomas Macho in seinem neuen Buch »Das Leben nehmen« (Suhrkamp Verlag). Mit Marion Poschmann und Thomas Macho diskutiert der Philosoph Günter Figal.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: Samstag, 28. Oktober 2017, 20:05 Uhr.
Sendefrequenzen und Livestream
Eintritt 8 € / 5 €*

DLF

Freitag
September
08.09.2017

Alexander Skidan in Lesung und Gespräch

Moderation: Tillmann Severin

Außer Haus:
Lettrétage, Mehringdamm 61, 10961 Berlin

Alexander Skidan © Simonovsky

Der Lyriker, Essayist, Kritiker und Übersetzer Alexander Skidan gehört zu den wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen russischen Kulturszene. Für Kulturwissenschaftler Michail Jampolski ist Skidan „eine einzigartige Erscheinung in der zeitgenössischen russischen Literatur. Er vereint die Rationalität eines scharfsinnigen Analytikers und unparteiischen Kritikers mit einem feinen Gespür für das Poetische.“ Seine Prosa und Lyrik wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, so auch mit dem Andrei-Bely-Preis. Autor Norbert Niemann schreibt: „Skidans Lyrik versteht sich als Kommentar zur postsowjetischen Wirklichkeit […]. Was Alexander Skidan interessiert, ist die ‚linguistische spur des realen‘.“ In der Lettrétage spricht der LCB-Stipendiat mit dem Schriftsteller und Übersetzer Tillmann Severin und liest aus seinem Werk. Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Russisch statt und wird gedolmetscht.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Russisch statt und wird gedolmetscht.
Eintritt frei

Donnerstag
September
14.09.2017

Studio LCB: Die Kinderjahre der BRD
Lesung: Frank Witzel

Im Gespräch: Jutta Person und Hubert Winkels
Moderation: Katharina Teutsch

Frank Witzel © Maja Bechert

Frank Witzel war der vom Feuilleton lange ersehnte Buchpreisgewinner: ein Autor, der wie ein Popmusiker unterhalten konnte, aber auch sämtliche Spielarten des metafiktionalen Erzählens bediente. Witzel hat nun zwei Jahre nach seinem Buchpreiserfolg einen neuen Roman veröffentlicht: »Direkt danach und kurz davor« (Matthes & Seitz). Darin bewegt er sich zwei Jahrzehnte hinter die im Vorgängerroman beleuchtete Epoche der siebziger Jahre zurück. War es in »Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969« um die Insignien der alten Bundesrepublik gegangen, die sich gerade vom Muff der Nachkriegszeit befreit hatte, handelt der neue Roman von eben jenem Muff. Ein Chor von Stimmen spintisiert überaus unsynchron vor sich hin, erfindet sich die Vergangenheit, versucht Geschichte durch Geschichten zu erfassen und trachtet verzweifelt nach einer Artikulation des gerade erst Vergangenen, das für die einen nicht vergehen und für die anderen nicht schnell genug überwunden werden kann. Im Gespräch mit der Literaturkritikerin Jutta Person und mit Hubert Winkels (Deutschlandfunk) wird Witzels „alte Bundesrepublik“ nun auf ihr erinnerungspolitisches Fundament gestellt.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: Samstag, 30. September 2017, 20:05 Uhr.
Sendefrequenzen und Livestream
Eintritt 8 € / 5 €*

DLF

Dienstag
September
19.09.2017

Monsieur Nicolas oder Das enthüllte Menschenherz
Rétif de la Bretonne
, vorgestellt von Reinhard Kaiser

Moderation: Claudia Hamm

Rétif de La Bretonne © Ph. Coll. Archives Larbor

Einen „Knausgård des 18. Jahrhunderts“ kündigt der Galiani Verlag listig an – vor allem aber muss man Nicolas Edmonde Rétif de la Bretonne (1734-1806) in die Ahnenreihe der großen autobiografischen Autoren wie Pepys, Rousseau oder Casanova stellen. „Ich gehe daran, Ihnen hier das ganze Leben eines Ihrer Mitmenschen vorzulegen, ohne etwas zu verschleiern, weder von seinen Gedanken, noch von seinen Taten. Der Mensch, dessen Seele ich hier anatomieren werde, konnte allerdings kein anderer sein als ich selbst.“ Und der Autor dieser Zeilen macht ernst – völlig ungeschminkt erzählt er alles, was ihn einst bewegte, alles, was er tat, und alles, was er dachte: Gutes wie Böses, Edles, Niederträchtiges, Verwerfliches, Peinliches, Obszönes, Widerliches, Naives, Lobenswertes. Alles. Der Frankfurter Schriftsteller und Übersetzer Reinhard Kaiser hat dieses Jahrhundertwerk für die deutschen Leserinnen und Leser entdeckt und zugänglich gemacht. Er liest und spricht mit Claudia Hamm, Übersetzerin von Emmanuel Carrère, über die Untiefen dieser Herzens- und Seelenerkundung.

Eintritt 8 € / 5 €*

Donnerstag
September
21.09.2017

Zündkerzen
Buchpremiere mit Durs Grünbein

Moderation: Cord Riechelmann

Durs Grünbein © Tineke de Lange

Durs Grünbein ist zu Gast mit seinem Lyrikband »Zündkerzen« (Suhrkamp), der 83 Gedichte in den unterschiedlichsten Formen versammelt, variierend in kurzen und langen Zeilen. Es sind Traumstücke, Redepartikel, Prosagedichte, zerbrochene Sonette, Sequenzen wie aus Unfallprotokollen. Jedes dieser Stücke entzündet sein eigenes Leuchten, seine kleine oder größere Epiphanie. »Zündkerzen« sind für Durs Grünbein Dinge – keine Ideen, erst recht keine Konzepte. Zwei Langgedichte ziehen mächtige Stützpfeiler in die Struktur der Sammlung: »Das Photopoem“, die reine Anschauung einer südlichen Metropole sowie »Die Massive des Schlafs«, eine Elegie des musealen Lebens. Es gibt Liebesgedichte, erotisch direkt, ebenso wie Momente der Verlusterfahrung als Demontage der Sonettform. Ein Gedichtzyklus über die Pinie nähert sich reiner Lautmusik und wird zum Verbarium, in dem die Buchstaben tanzen. Den Abend moderiert der Berliner Publizist Cord Riechelmann, dessen Band »Krähen« in der von Judith Schalansky herausgegeben »Naturkunden«-Reihe (Matthes & Seitz) erschien.

Eintritt 8 € / 5 €*

Montag
September
25.09.2017

Die Chefin – Roman einer Köchin
Lesung und Gespräch: Marie NDiaye

Moderation: Patricia Klobusiczky
Deutsche Lesung: Frank Weigand

Marie NDiaye © Heike Steinweg

»Die Chefin – Roman einer Köchin« heißt das neue Werk Marie NDiayes, das Claudia Kalscheuer aus dem Französischen übersetzt hat (Suhrkamp): Eine Frau aus bescheidenen Verhältnissen eröffnet ein Restaurant in Bordeaux und wird mit einem Stern ausgezeichnet. Wie sie zu einer berühmten Chefköchin geworden ist, beschreibt NDiaye in einer biographischen Erkundungsreise, die sich aufgrund der Sprache, der rhythmischen Satzgebilde, dem Ausgreifen in alle Bedeutungsnuancen, der Verzögerung im Erzählablauf und durch die alles umfassende Bewegung der Sprache in ein Erlebnis verwandelt. Der Erzähler, langjähriger Mitarbeiter der Chefin und ihr in (vergeblicher) Liebe verbunden, berichtet von ihrem Leben, ihrem Charakter, ihren Lieben, ihrer Ausbildung, der Kunst der Kochkomposition, dem privaten wie öffentlichen Umgang, indem er potentielle Fragen und Erwartungen der Leserinnen und Leser aufgreift, sie beantwortet und zugleich ins Leere laufen lässt – sie verlangen danach, unbeantwortet zu bleiben. Marie NDiaye, international rezipiert, vielfach ausgezeichnet (u. a. Prix Goncourt für »Drei starke Frauen«), lebt seit 2007 in Berlin.

Eintritt 8 € / 5 €*

Dienstag
September
26.09.2017

Ingeborg Bachmann II
Wer war Ingeborg Bachmann?

Ina Hartwig
Moderation: Julia Encke

Ingeborg Bachmann © Renate von Mangoldt

»Wer war Ingeborg Bachmann?« – Ina Hartwig hat eine »Biographie in Bruchstücken« (S. Fischer) geschrieben und stellt sie im Gespräch mit der Literaturkritikerin Julia Encke (FAS) vor. Ingeborg Bachmann ist ein Mythos der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Die divenhaften Auftritte und die frühe Berühmtheit, die Beziehungen mit Paul Celan und Max Frisch und nicht zuletzt ihr rätselhafter, tragischer Tod sorgen für ein glamouröses Bild. Ina Hartwig schaut hinter die Fassade und entdeckt in zahlreichen Gesprächen mit Zeitzeugen wie Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser, Marianne Frisch oder Henry Kissinger eine andere Persönlichkeit: Ingeborg Bachmann als politisch denkende Intellektuelle und Medienprofi, als Dichterin, die trotz all ihrer Gefährdungen überrascht mit Witz und lebenspraktischer Klugheit. Die Publizistin und Kritikerin Ina Hartwig, ausgezeichnet mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik und dem Caroline-Schlegel-Preis, lebt in Frankfurt am Main und ist dort seit letztem Jahr Kulturdezernentin.

Eintritt 8 € / 5 €*


 

Sofern nicht anders angegeben:
KARTEN AUSSCHLIESSLICH AN DER ABENDKASSE

Ab sofort:
Vor und nach jeder Veranstaltung
kleine Speisen von
AL DENTE Catering

Ausstellung

Tina Brenneisen: Das Licht, das Schatten leert - 08. Juli - 13. Oktober 2017

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