Montag
April
20.00 Uhr
27.04.2015

Auf Wiedervorlage
Dantes „Göttliche Komödie”. Gespräch und Lesung mit Sibylle Lewitscharoff und Jürgen Trabant

Moderation: Maike Albath

Sibylle Lewitscharoff © Tobias Bohm

Balzacs „Verlorene Illusionen”, über die im Dezember Hans Ulrich Gumbrecht und Melanie Walz ins Gespräch kamen, waren der Auftakt der Reihe „Auf Wiedervorlage”. Diese setzt sich nun fort mit Dantes „Göttlicher Komödie“ – sie bildet den Ausgangspunkt von Sibylle Lewitscharoffs kommendem Roman, in den wir an diesem Abend schon erste Einblicke erhalten: Die „Divina Commedia” hat weltweit eine ungeheure Zahl an Übersetzungen hervorgerufen, insbesondere im Deutschen. In Rom, bei den Maltesern, an hochgestimmtem Ort auf dem aventinischen Hügel, versammeln sich Danteforscher aus verschiedenen Ländern zu einem Kongress. Und dort, zu Pfingsten 2013, ereignet sich ein neues Wunder, nicht zuletzt ein Sprachwunder… Gesprächspartner des Abends ist der Romanist und Sprachwissenschaftler Jürgen Trabant, Emeritus der FU Berlin und Professor für „European Plurilinguism“ an der Jacobs-University. Seit jeher ein Dante-Leser, betrachtet er den florentinischen Dichter aus sprachphilosophischer Perspektive. Denn Dante verbindet lateinische Gelehrsamkeit und volkssprachliche Dichtung, er schrieb sowohl auf Lateinisch als auch auf Italienisch. Dass er sich mit seiner „Göttlichen Komödie” in der Volkssprache an eine neue städtische Leserschaft richtete, war ein Wagnis, das er durch eine Theorie der Volkssprache rechtfertigen musste. Das Gespräch moderiert die Italianistin und Literaturkritikerin Maike Albath.

Eintritt 8 € / 5 € *
In Zusammenarbeit mit dem Italienischen Kulturinstitut.

Mittwoch
April
20.00 Uhr
29.04.2015

Die Sprache führt, wohin sie will
Ein Abend mit Olga Martynowa und Oleg Jurjew

Moderation: Paul Jandl

Olga Martynowa © Tobias Bohm

Oleg Jurjew © Tobias Bohm

„Selig die Zeiten der Romantik, in der die Dichter stolze Heimatlose waren und ihre Pässe aus dem Reich der Sprache. Wenn es einst einen universalistischen Begriff des Schreibens gab, so schafft der Begriff der ‚Migrantenliteratur‘ heute einen Bekenntniszwang, der allem dem nicht gerecht werden kann, was diese beiden Schriftsteller ausmacht.“ (Paul Jandl) – Olga Martynova und Oleg Jurjew sind vor fast fünfundzwanzig Jahren gemeinsam aus dem russischen Leningrad nach Frankfurt am Main übergesiedelt, und ihr Kosmos ist so weitläufig, dass sich darin mindestens zwei Kulturen finden, dass es ein glückliches poetisches Nebeneinander der Wörter und der Geografien gibt, ein Übersetzen nicht nur im wörtlichen, sondern auch im emphatischen Sinn: Wer schreibt, ist immer auch selbst unterwegs. Von ihrer Lebensreise durch Sprachen, Länder und literarische Genres, von der Leningrader Bohème und dem Frankfurter Ostend erzählen Olga Martynova und Oleg Jurjew in einer Auswahl aus ihren Texten und im Gespräch. Von Oleg Jurjew erschien 2014 auf Deutsch der Roman „Halbinsel Judatin”, übersetzt von Elke Erb und Sergej Gladkich, von Olga Martynova 2013 der Roman „Mörikes Schlüsselbein“. Im Februar wurde Martynova der Berliner Literaturpreis verliehen. Damit verbunden ist die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik, zu der sie am folgenden Tag an der FU ihre Antrittsvorlesung hält.

Eintritt 8 € / 5 € *
Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Preußische Seehandlung.

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Donnerstag
Mai
20.00 Uhr
07.05.2015

Zeitsprünge – Idee des Sitzens. Fotografien von Renate von Mangoldt

Rede zur Ausstellungseröffnung: Hans Christoph Buch

Judith Hermann © Renate von Mangoldt

Die Ausstellung nähert sich dem fotografischen Werk von Renate von Mangoldt, langjährige Haus-Fotografin des LCB, aus zwei Richtungen. „Idee des Sitzens” ist der eine Teil der Ausstellung überschrieben: 45 Autorinnen und Autoren haben jeweils auf einem Stuhl Platz genommen, u.a. Max Frisch, Edoardo Sanguineti, Elias Canetti, Sarah Kirsch, Elfriede Jelinek, Péter Nádas, Lars Gustafsson, Cees Nooteboom, Peter Handke. Da die Fotografien im Verlauf von fünf Jahrzehnten entstanden sind, kommt neben der Körpersprache der Autoren (Haltung, Gestik, Statur – man kommt beim Sitzen um eine Inszenierung nicht herum) auch die Zeit ins Spiel, ablesbar an der Kleidung, den Frisuren, den Brillen, die den jeweiligen Moden der Zeit unterworfen sind. Zum ‚Sitzen‘ soll im anderen Teil der Ausstellung der ‚Sprung‘ kommen: Zeitsprünge – 20 Autorinnen und Autoren (u.a. Ernst Jandl, Hilde Domin, Günter Grass, Uwe Johnson, Wolfgang Hilbig, Tomas Tranströmer, Ulrike Draesner) werden mit einem Zeitsprung von vielen Jahren gezeigt (18 bis 30 Jahre können dazwischen liegen). Ein frühes und ein spätes Foto einer Autorenpersönlichkeit (gemeinsam in einem Rahmen) sollen Auskunft geben über die vergehende und vergangene Zeit und von den Veränderungen, die sie mit sich bringt - aber auch über die Konstanten, denen die Zeit nichts anhaben kann. Zur Vernissage spricht der Schriftsteller Hans Christoph Buch.

Zeitsprünge – Idee des Sitzens. Fotografien von Renate von Mangoldt

Eintritt frei, mit anschließendem Empfang
Die Ausstellung ist vom 7. Mai bis 31. August vor und nach den Abendveranstaltungen, bzw. nach telefonischer Voranmeldung (030-8169960) zu sehen. Unterstützt von der Wüstenrot Stiftung.

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Freitag
Mai
10.00 bis 18.00 Uhr
08.05.2015

Kommt ein Vogel geflogen – oder: von Zeiten und Aspekten im Deutschen
Eine ganztägige sprachübergreifende Fortbildung für literarische ÜbersetzerInnen und andere Interessierte

Leitung: Gabriele Leupold und Eveline Passet
Vorträge von Mathilde Hennig und Björn Rothstein

Die Verwendung des deutschen Verbs ist relativ unübersichtlich und an vielen Stellen scheinbar auch weniger reguliert als in anderen Sprachsystemen. Das verunsichert beim Schreiben und besonders beim Übersetzen in der Konfrontation mit der fremden Sprache. Zwei Germanisten sollen hier ein wenig Klarheit schaffen. Mathilde Hennig wird in ihrem Vortrag Tempus und Temporalität in Alltagssprache und literarischen Texten insbesondere die textfunktionale Opposition von Perfekt und Präteritum untersuchen und zeigen, dass die Tempora keine einfache Abbildfunktion in Bezug auf außersprachliche Zeitverhältnisse haben. Björn Rothstein betrachtet das „Zeitwort“ von den Rändern des Verbalsystems her und fragt nach der Aspektfunktion solcher Phänomene wie des doppelten Futurs oder der sogenannten kommen- und haben-Konfigurative. Im Anschluss an die Vorträge gibt es wie stets zwei parallele Werkstätten.

Eintritt frei
Der Eintritt ist frei, 12 Euro Unkostenbeteiligung für einen Mittagsimbiss und Getränke sind vorgesehen. Anmeldung per Mail erbeten an becker@lcb.de.

Freitag
Mai
20.00 Uhr
08.05.2015

Die Kehrseite des Himmels
Lesung Ljudmila Ulitzkaja mit ihrer Übersetzerin Ganna-Maria Braungardt

Moderation: Elke Schmitter

Ljudmila Ulitzkaja © Peter-Andreas Hassiepen

Ljudmila Ulitzkaja, „die vermutlich einflussreichste Schriftstellerin des heutigen Russlands“ (Elke Schmitter), ist mit ihrem neuen Band autobiographischer Prosa zu Gast, „Die Kehrseite des Himmels” (Hanser). In diesem Buch, das in Russland schon fast eine halbe Million Mal verkauft wurde, erzählt sie von ihrer Kindheit und Jugend in Moskau, von den Menschen und Büchern, die sie liebt, von ihrer früheren Tätigkeit als Genetikerin und davon, wie sie zum Schreiben kam. Dabei schlägt sie einen Bogen von der Geschichte ihrer Vorfahren bis zum Tagebuch ihrer Krebserkrankung. Auf sehr persönliche Weise setzt sie sich mit den politischen Zuständen in ihrem Land auseinander. Zentral für ihr aktuelles schriftstellerisches Werk sind Politik und Kultur in Russland und ihr kritisches Verhältnis zu den jüngsten Entwicklungen unter Putin. So eröffnet Ulitzkaja dem Leser einen Horizont russischer Alltagserfahrung, der auch Fragen der Moral, Ethik und Religion umschließt. Den Abend moderiert Elke Schmitter, Literaturredakteurin des Spiegel. Ulitzkajas Übersetzerin Ganna-Maria Braungardt übersetzt das Gespräch und liest die deutschen Texte.

Eintritt 8 € / 5 € *

Samstag
Mai
10.00 bis 18.00 Uhr
09.05.2015

Alfred-Döblin-Preis 2015
Lese- und Diskussionstag mit den Finalisten Katharina Adler, Odile Kennel, Katerina Poladjan, Sascha Reh, Natascha Wodin und Judith Zander

Jury: Jan Peter Bremer, Sigrid Löffler und Insa Wilke

Alfred Döblin

An einen der vielseitigsten deutschen Schriftsteller der Moderne erinnert der 1979 von Günter Grass gestiftete und seither alle zwei Jahre für ein noch unvollendetes Prosa-Manuskript vergebene Alfred-Döblin-Preis. Die letzten Preisträger waren Jan Peter Bremer (2011) und Saša Stanišić (2013), mehr als 200 Autorinnen und Autoren haben sich in diesem Jahr um den Preis beworben. Sechs Manuskripte hat die Jury ausgewählt; am heutigen Samstag stellen die Juroren Sigrid Löffler, Insa Wilke und Jan Peter Bremer die Finalisten Katharina Adler, Odile Kennel, Katerina Poladjan, Sascha Reh, Natascha Wodin und Judith Zander im Rahmen eines öffentlichen Lese- und Diskussionstags der Öffentlichkeit vor. Am Abend wird dann der Name des Preisträgers bzw. der Preisträgerin bekanntgegeben.

Eintritt 8 € / 5 € *
Gemeinsame Veranstaltung mit der Akademie der Künste. Die feierliche Preisverleihung findet am Sonntag, dem 10. Mai um 11.30 Uhr im Plenarsaal der Akademie der Künste am Pariser Platz statt.

Montag
Mai
19.00 Uhr
11.05.2015

Denkmalsforschung. Filme von Wolfgang Ramsbott im Arsenal

Filmspotting: „Aufzeichnungen” (1965), „Technische Universität Berlin” (1965), „Denkmalsforschung” (1972). Einführung: Michael Töteberg

Außer Haus!
Kino Arsenal, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin

Wolfgang Ramsbott © Renate von Mangoldt

Zu den Gründungsideen des LCB gehörte die Verbindung der unterschiedlichen Künste, vor allem das Zusammenspiel von Literatur und Filmkunst. Wolfgang Ramsbott (1934-1991) inspirierte und leitete die hiesige Filmabteilung, die sich mit Arbeiten von George Moorse, Robert van Ackeren, Helma Sanders-Bahms, aber auch von Wolfgang Ramsbott selbst in die Filmgeschichte der BRD einschrieb. Die Deutsche Kinemathek, die die LCB-Produktionen archiviert und betreut, zeigt an diesem Abend im Arsenal drei Filme mit der unverkennbaren experimentellen Handschrift Wolfgang Ramsbotts: „Aufzeichnungen” (1965), „Technische Universität Berlin” (1965), und „Denkmalsforschung” (1972), jenes episodisch-assoziative Gedankenspiel, das der Berliner Schriftsteller Günter Bruno Fuchs gemeinsam mit Viktoria Prestel und Wolfgang Ramsbott realisierte. Der eigenwillige Film ist mittlerweile selbst zum Denkmal geworden: für die West-Berliner, oder besser: die Kreuzberger Künstlerszene der 1960er und 70er Jahre. Dank einer privaten Spende konnte der Film nun digitalisiert werden.

Eintritt 7,50 €
In Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek.

Dienstag
Mai
20.00 Uhr
12.05.2015

Studio LCB
Lesung: Leif Randt

Gesprächspartner: Jochen Hörisch und Michael Schmitt
Moderation: Hubert Winkels

Leif Randt © Zuzanna Kaluzna

Mit zwei außergewöhnlichen Romanen, die Lebensstilfragen als letzte Sinnfragen inszenieren, ist der in Berlin lebende Autor Leif Randt bekannt geworden: „Lichtspielhaus” und „Schimmernder Dunst über Coby County”. Schnell erkannte man darin eine neue Stimme für die Generation der heute um die dreißigjährigen wohlstandsverwöhnten westlichen Hedonisten und mehr als das: Sinnbilder für einen quietistischen Zustand der Gesellschaft überhaupt. Nun hat Leif Randt einen Science-Fiction-Roman vorgelegt, so scheint es: In den unendlichen Weiten des Weltraums existiert ein Sonnensystem, in dem endzeitlicher Frieden herrscht. Seine sechs Planeten und zwei Monde werden von einer weisen Computervernunft regiert, die auf Grundlage von perfekter Statistik und totalem Wohlstand die fairsten Entscheidungen trifft. Zwischen Metropolenplanet Blossom und Müllplanet Toadstool ist längst die neue Zeit angebrochen, eine postdemokratische Ära des Friedens und der Selbstkontrolle. Menschen haben sich zu Kollektiven zusammengeschlossen, zu ästhetischen Gemeinschaften, die um die besten Lebensstile konkurrieren. Marten Eliot und Emma Glendale, die beiden jungen Spitzenfellows des Dolfin-Kollektivs, verlassen ihren heimischen Campus und reisen von Planet zu Planet, um neue Mitglieder anzuwerben. Doch das Sonnensystem wird erschüttert, als das aggressive Kollektiv der gebrochenen Herzen von sich reden macht, von dem man annimmt, es bestehe aus emotionalen Verlierern. Auf ihren Reisen rücken Marten und Emma die gebrochenen Herzen gefährlich nahe. Können die beiden den Umsturz verhindern? So weit entfernt, zeitlich und räumlich, „Planet Mignon” auch wirken mag, so lässt er sich doch umstandslos auf die globale Big Data-Bedrohungssituation beziehen und als deren sozialpsychologische Vertiefung lesen. Leif Randt wird aus dem Roman lesen; mit ihm diskutieren werden der 3-sat-Literaturredakteur Michael Schmitt und der Mannheimer Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: Samstag, 30. Mai 2015, 20:05 Uhr.
Sendefrequenzen und Livestream
Eintritt 8 € / 5 € *

DLF

Dienstag
Mai
20.00 Uhr
19.05.2015

Luftsprünge. Eine literarische Reise durch Europa
Lesung und Gespräch mit Aris Fioretos, Thomas Geiger und Aleš Steger

Moderation: Lothar Müller

Cover: Luftsprünge

Europa ist zwar nur ein kleines Anhängsel der gewaltigen euroasiatischen Landmasse, aber gleichzeitig ist es noch immer einer der kulturell vielfältigsten Räume auf der Erde. Durch den Fall des Eisernen Vorhangs hat sich der Kontinent sehr verändert, und es sind ganz neue Krisenherde wie im ehemaligen Jugoslawien oder an der russisch-ukrainischen Grenze entstanden. Und dennoch hat sich der Kontinent in den letzten 25 Jahren nicht zur zum Schlechteren verwandelt: Man kann heute ohne Reisepass von der russischen Grenze bis nach Portugal reisen und braucht dabei nicht einmal Geld zu wechseln – das war vor dreißig Jahren noch undenkbar. Aber um sich als Bürger eines Kontinents, eines Staatenverbundes oder einer Wertegemeinschaft zu fühlen, braucht es eine gemeinsame Grundlage. Die Kultur kann so eine Basis bilden: die Kunst, Filme und vor allem die Literatur bilden eine Folie, über die ein Gespräch über die Grenzen hinweg in Gang kommen kann. Mit „Luftsprünge. Eine literarische Reise durch Europa“ hat Thomas Geiger ein Europäisches Lesebuch mit 35 Beiträgern aus fast ebenso vielen Ländern zusammengestellt, das Einblicke in die verschiedenen europäischen Regionen ermöglicht. Wie in einem Lesebuch enthält der Band Kurzgeschichten, Gedichte, Romanauszüge und literarische Essays von bekannten Autoren wie Orhan Pamuk oder Michel Houellebecq bis hin zu Autoren wie Dragana Mladenović oder Nikola Madzirov, die hier noch zu entdecken sind. Zur Buchpremiere an diesem Abend lesen Aris Fioretos (Schweden) und Aleš Steger (Slowenien) und diskutieren mit dem Herausgeber Thomas Geiger und dem Moderator Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung) über den alten Kontinent und seine Literatur.

In Zusammenarbeit mit der Allianz Kulturstiftung und dem Deutschen Taschenbuch Verlag.
Eintritt 8 € / 5 € *

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Mittwoch
Mai
20.00 Uhr
20.05.2015

neu-jerusalem
Ulf Stolterfoht in Lesung und Gespräch

Moderation: Monika Rinck

Ulf Stolterfoht © Tobias Bohm

Im Gespräch mit der Dichterkollegin Monika Rinck stellt uns Ulf Stolterfoht seinen mit Spannung erwarteten Lyrikband „neu-jerusalem” vor: Das lange Gedicht beschreibt den Werdegang einer kleinen, radikal-pietistischen Rotte, die um 1700 ihre Wanderung im Thüringischen beginnt, um irgendwann in Berlin-Schöneberg zu landen und sesshaft zu werden. Besonderes Augenmerk gilt dabei den charismatischen Führern Wagenblast, Mutter Johanna und Blutjesus. Weiterhin begegnen wir Herrn Sebulon, den Hopfenzwergen Trastevere, Mösenfinger-Ludwig, Cindy, Heini vom BKA und, in einem Cameo-Auftritt, Mr Bob Dylan. Beschlossen wird der neue, im Verlag kookbooks erschienene Band von neun zeitgenössischen Illustrationen, die der Verfasser eigenhändig erstellt hat. Zeitgleich zum eigenen Werk erregt Ulf Stolterfoht durch eine Verlagsgründung Aufsehen: „Schwierige Lyrik zu einem sehr hohen Preis – dann ist es Brueterich Press“. Brueterich Press startet mit Büchern von Franz Josef Czernin, Oswald Egger und Hans Thill.

Eintritt 8 € / 5 € *

Donnerstag
Mai
20.00 Uhr
21.05.2015

Sachbücher im Gespräch: Über Wirtschaft schreiben
Joseph Vogl in Lesung und Gespräch

Moderation: René Aguigah und Jens Bisky

Joseph Vogl © Stephanie Kiwitt

Dieser Autor ist gefährlich. Er attackiere „das demokratische Selbstverständnis der Moderne“, schrieb „Die Zeit“ über Joseph Vogls jüngstes Buch „Der Souveränitätseffekt“. In ihm erkundet der Literaturwissenschaftler die wechselseitigen Abhängigkeiten von Staaten und Märkten. Um das finanzökonomische Regime der Gegenwart zu verstehen, verabschiedet er die liberale Legende von einer Opposition zwischen Staat und Wirtschaft. Wer aber hat nun die Macht? Im Zentrum der liberalen Legende steht der homo oeconomicus. Ohne die Hebammendienste von Romanciers und Moralphilosophen wäre er nicht zur Welt gekommen. Die Poetik des ökonomischen Menschen hat Vogl 2002 in seiner Studie „Kalkül und Leidenschaft“ nachgezeichnet. Wie stark ökonomisches Wissen von bürgerlicher Moral, theologischen Ordnungsideen und utopischem Überschuss geprägt ist, zeigte er in seinem Essay „Das Gespenst des Kapitals“ (2010). Die Legenden und Krisenerzählungen haben praktische Folgen. Wie also über Wirtschaft schreiben und streiten? Es moderieren René Aguigah (Deutschlandradio Kultur) und Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung).

In Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur.
Sendefrequenzen und Livestream
Sendetermin: 31. Mai 2015, 00.05 Uhr

Eintritt 8 € / 5 € *

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Dienstag
Mai
20.00 Uhr
26.05.2015

Hausgäste

Madeleine Prahs, Lukas Jüliger und Maruan Paschen in Lesung und Gespräch

Madeleine Prahs © Nils Petersen / dtv

Lukas Jüliger © privat

Maruan Paschen © privat

Im Wonnemonat des Jahres 2015 stellen wir drei junge deutschsprachige Autoren vor, die derzeit im LCB wohnen. Madeleine Prahs, 1980 in Karl-Marx-Stadt geboren und Teilnehmerin unserer Autorenwerkstatt 2007, debütierte 2014 bei dtv mit dem Roman „Nachbarn”, in dem sie klug und überraschend von sechs Menschen erzählt, deren Biographien untrennbar mit der deutschen Geschichte verbunden sind. Maruan Paschen, 1984 geboren und in Hamburg aufgewachsen, absolvierte eine Ausbildung zum Koch und studierte anschließend am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. 2014 erschien bei Matthes & Seitz sein poetisches Roman-Debüt „Kai. Eine Internatsgeschichte”. Lukas Jüliger, geboren 1988, studiert Illustration an der Hochschule für angewandte Wissenschaft in Hamburg und machte 2014 mit seiner Graphic-Novel „Vakuum” (Reprodukt) auf sich aufmerksam, einer ungewöhnlichen Coming-of-Age-Geschichte in starken Bildern.

Eintritt frei

Freitag
Juni
19.30 Uhr
05.06.2015

Wolkenläufer, Domino Effekt: „Grenzgänger“ in Abchasien und China
Lesung und Filmvorführung mit Angela Köckritz, Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski

Moderation: Gregor Dotzauer und Gemma Pörzgen

Domino Effekt

Seit über zehn Jahren fördert die Robert Bosch Stiftung im Rahmen des Programms „Grenzgänger – Europa und seine Nachbarn“ Autoren, Filmemacher, Journalisten und Fotografen bei ihren Recherchereisen in die Länder Mittel- und Osteuropas sowie Nordafrikas oder in die Türkei. Aus der Fülle an vielseitigen Projekten präsentieren wir heute Abend einen jüngst in den Kinos gestarteten Dokumentarfilm und das erste Buch, das aus dem 2014 ins Leben gerufenen Schwesterprojekt „Grenzgänger Deutschland – China“ hervorgegangen ist. Angela Köckritz, langjährige Ostasien-Korrespondentin der ZEIT, hat in China Menschen getroffen, die sich ganz ihren Träumen verschrieben haben. Nach ihren persönlichen Geschichten und Motiven befragte sie dabei u.a. einen Architekten, einen Eremiten, eine Wahrsagerin, eine Konkubine und einen Bürgerrechtler. Daraus entstand das Reportagebuch „Wolkenläufer“ (Droemer Knaur 2015), das uns einen Zugang zu den Individuen verschafft, die wir sonst angesichts der Masse übersehen.

„Selten wurden in einem Dokumentarfilm ein persönliches Beziehungsdrama und ein politisch-militärischer Konflikt in so intelligenter und packender Weise und cineastisch stimmig vermittelt wie hier“ resümiert die NZZ über „Domino Effekt“, der den Fokus auf die kleine Kaukasusrepublik Abchasien wirft, die sich 1992 in einem blutigen Bürgerkrieg von Georgien lossagte. Er erzählt die Liebesgeschichte des Sportministers Rafael und der russischen Opernsängerin Natascha, die in dem bis heute nicht anerkannten Staat versuchen, ein gemeinsames Leben aufzubauen und deren persönliches Glück unter der Last der politischen Isolation zu scheitern droht.

Eine gemeinsame Veranstaltung des LCB und der Robert Bosch Stiftung im Rahmen des Förderprogramms Grenzgänger.
Eintritt 8 € / 5 € *

DLF

Dienstag
Juni
20.00 Uhr
09.06.2015

Jeder Tag gehört dem Dieb. Buchpremiere
Teju Cole in Lesung und Gespräch

Moderation: Ina Hartwig

Teju Cole © Tim Knox

Teju Cole ist im Juni Stipendiat im Literarischen Colloquium. Im Frühjahr erschien bei Hanser Berlin sein zweites Buch in deutscher Übersetzung (Christine Richter-Nilsson): „Jeder Tag gehört dem Dieb”. Ein junger Mann kehrt nach einigen Jahren in Amerika heim nach Lagos in Nigeria, an den Ort seiner Kindheit, den er vor vielen Jahren verlassen hat. Er kommt bei Verwandten unter, trifft alte Freunde, lässt sich durch die Straßen treiben. Lagos ist anstrengend und korrupt, Verheißung und Zumutung in einem, voller Geschichten von spiritueller Größe und Verkommenheit. Jede Nacht ist ein vergeblicher Versuch, Ruhe zu finden. Und jeder Tag ein Spiegel, in dem er sich selbst immer klarer sieht. Soll er bleiben oder fliehen? „Teju Coles Erzählerfiguren sind, und das ist das Spannende, ambivalente Charaktere voller Rätsel, Abgründe. Dabei zeugt Coles Schreibweise von einer intensiven, niemals gleichgültigen Genauigkeit, in der gelegentlich der Kunsthistoriker in ihm aufblitzt.“ (Ina Hartwig). Nicht nur als Autor, nicht nur als Kunsthistoriker, auch als Fotograf hat Teju Cole einen Namen. Geboren wurde er in Michigan als Sohn nigerianischer Eltern, wuchs jedoch in Lagos auf, um mit siebzehn Jahren in die USA zurückzukehren. Schon sein erster Roman „Open City” (2011) fand weltweit ein außergewöhnliches Echo.

Eintritt 8 € / 5 € *

Donnerstag
Juni
20.00 Uhr
11.06.2015

Stadt, Wald, Garten
Lesung: Valerie Fritsch und Doris Knecht

Moderation: Claudia Kramatschek

Valerie Fritsch © Jasmin Schuller

Doris Knecht © Pamela Rußmann

In diesem Frühjahr haben die österreichischen Autorinnen Doris Knecht und Valerie Fritsch Romane veröffentlicht, deren Protagonisten in eine verwilderte Natur zurückkehren, die zugleich Sinnbild ist für eine zerbrechlich gewordene Zivilisation. Fritschs Roman „Winters Garten” (Suhrkamp) erzählt von dem Vogelzüchter Anton und seiner Frau Friederike, die nach Jahren in der Stadt an ihren Sehnsuchtsort zurückkehren, zu einem Zeitpunkt, „als die Häuser und Straßenzüge verfallen und die wilden Tiere in die Vorgärten und Hinterhöfe eindringen“ und die Zukunft der Zivilisation unmöglich scheint. In Knechts Roman „Wald” (Rowohlt Berlin) ist es Marian, eine moderne Städterin, die aus Geldgründen unfreiwillig aufs Land fliehen muss und fernab ihres bislang gelebten Lebens einen Neuanfang versucht. Über die Sehnsucht nach scheinbar intakter ländlicher Idylle und das Dasein auf dem Land als Spiegel einer brüchigen bürgerlichen Welt spricht die Literaturkritikerin Claudia Kramatschek mit den Autorinnen.

Eintritt 8 € / 5 € *

Montag
Juni
20.00 Uhr
15.06.2015

Rom, von innen und außen

Lesung und Gespräch: Hanns-Josef Ortheil und Lothar Müller

Hanns-Josef Ortheil © Peter von Felbert

Der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil hat immer wieder aus sehr unterschiedlichen zeitlichen und thematischen Perspektiven über Rom geschrieben. 1998 erschien sein Roman „Faustinas Küsse” (über Goethes Rom-Aufenthalt im späten 18. Jahrhundert), 2009 veröffentlichte er römische Stadterkundungen („Rom. Eine Ekstase”). 2014 schrieb er das Nachwort zu Émile Zolas Journal „Meine Reise nach Rom” (aus dem späten 19. Jahrhundert). Und in diesem Frühjahr erschien schließlich „Rom, Villa Massimo” (Verlag Langen Müller), ein Roman über die Deutsche Akademie, ihre Stipendiaten und ihre Geschichte im 20. Jahrhundert. Der Literaturkritiker Lothar Müller spricht mit dem Autor über all diese Projekte. Gemeinsam erkunden sie die verschiedenen Wege, die Ortheil von innen und außen durch die Ewige Stadt gegangen ist.

Eintritt 8 € / 5 € *

Freitag
Juni
19.00 Uhr
19.06.2015

Die elektrische Lesenacht
Die Verlage CulturBooks, Frohmann, Mikrotext und Shelff mit Autorinnen und Autoren zu Gast im LCB

Mit Aboud Saeed (Mikrotext), Pippa Goldschmidt (CulturBooks), Gregor Weichbrodt (Frohmann) u.a.

Glühbirne

Die Electric Book Fair, die im Sommer 2014 in Berlin stattfand, hat gezeigt, wie wichtig es ist, sich über die neuen und vielfältigen Möglichkeiten des Verlegens im digitalen Zeitalter auszutauschen. Auch in diesem Jahr tritt das Team der ersten E-Book-Messe Deutschlands mit Veranstaltungen in Erscheinung, die das digitale Lesen, Verlegen und Schreiben in den Mittelpunkt stellen. Dabei folgen die Verlegerinnen und Verleger einer uralten Regel der Branche und veröffentlichen einfach die Texte, die ihnen gefallen – und suchen dafür neue Öffentlichkeiten. So gibt es bei CulturBooks etwa Übersetzungen der preisgekrönten englischen Autorin Pippa Goldschmidt, übertragen von der Verlegerin Zoë Beck selbst. Mikrotext gibt aktuellsten Themen Raum, etwa dem jungen syrischen Autor Aboud Saeed, der vom Kleinstadt-Schmied zum prominenten Facebook-Dichter wurde. Auch gedruckt wird das E-Book ab und zu, etwa vom Verlagskollektiv Shelff in zwei Exemplaren – als wertsteigernde Anlage. Der Frohmann Verlag setzt auf im Netz emergierende Textphänomene. Vier Verlage, die sich auf das Veröffentlichen literarischer Texte im „pur-digitalen“ Format konzentrieren und dabei neue Wege beschreiten, stellen sich mit ihren Autorinnen und Autoren, darunter Aboud Saeed (Mikrotext), Pippa Goldschmidt (CulturBooks) und Gregor Weichbrodt (Frohmann) am heutigen Abend im LCB vor. Im Anschluss Tanz und Blicke auf den sommerabendlichen See zur Musik von UMA (DJ).

Eintritt 8 € / 5 € *

Donnerstag
Juni
20.00 Uhr
25.06.2015

Studio LCB
Lesung: Klaus Modick und Heimo Schwilk

Gesprächspartner: Carolin Emcke
Moderation: Denis Scheck

Klaus Modick © privat

Heimo Schwilk © privat

Sein Roman „Konzert ohne Dichter“ hat dem deutschen Erzähler Klaus Modick in diesem Frühjahr den lang verdienten Durchbruch beschert: „Konzert ohne Dichter“ hält sich seit vielen Wochen auf der Bestsellerliste und löste großes Rühmen in der deutschen Literaturkritik aus. Modick, geboren 1951 in Oldenburg, führt in seinem Künstlerroman am Beispiel des Malers Heinrich Vogeler und des Dichters Rainer Maria Rilke ins Zentrum der Frage, inwieweit kreatives Schaffen moralisches Versagen kompensiert – und fächert mit leichter Hand dabei ein Universum menschlicher Möglichkeiten auf. In seiner neuen Rilke-Biographie „Rilke und die Frauen“ zeichnet der Autor und Publizist Heimo Schwilk ein denkbar anderes Bild von Rainer Marie Rilke, geht der „Biographie eines Liebenden“ nach und zeigt die Metarmophose von Liebe in Kunst. Im „Studio LCB” treffen Klaus Modick und Heimo Schwilk aufeinander, lesen aus ihren Büchern und diskutieren mit der Publizistin Carolin Emcke über Rilke und die Frauen, das Leben und die Kunst.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: Samstag, 27. Juni 2015, 20:05 Uhr.
Sendefrequenzen und Livestream
Eintritt 8 € / 5 € *

DLF

Dienstag
Juni
20.00 Uhr
30.06.2015

Die Vermessung der Künste
Open air: Teju Cole und Daniel Kehlmann in Lesung und Gespräch

Moderation: Ijoma Mangold

Teju Cole © Tim Knox

Daniel Kehlmann © Tobias Bohm

Als Teju Coles Roman „Open City” erschien, überschlug sich die amerikanische Kritik vor Begeisterung. Unter anderem wurde der junge Autor, in Nigeria aufgewachsen, nun in New York lebend, mit W. G. Sebald verglichen. Beide verbindet ein reflexiv-essayistischer Stil. Wo die Düsternis bei Sebald allerdings ins Melancholische, ins Schwermütige neigt, hat sie bei Cole einen Zug von subtiler Härte. Ein großer Bewunderer von Sebald ist seit je Daniel Kehlmann. Auch Kehlmann ist, mit einer Wohnung in New York, zumindest ein halber Ausgewanderter. Und beide, Kehlmann wie Cole, sind eminent gelehrte Autoren, die den Kanon der Künste für ihr eigenes Schreiben fruchtbar machen. Dieser Abend bringt also zwei große Namen der aktuellen Gegenwartsliteratur zusammen, um ein Gespräch über die Literatur, die Künste, die Welt und das Auswandern zu eröffnen.

Eintritt 8 € / 5 € *

KARTEN AUSSCHLIESSLICH AN DER ABENDKASSE

Ab sofort:
Vor und nach jeder Veranstaltung
kleine Speisen von
AL DENTE Catering

Ausstellungen

Zeitsprünge – Idee des Sitzens. Fotografien von Renate von Mangoldt

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lesungen.net

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Übersetztercolloquium

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