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Quelle: http://www.lcb.de/news/0604_bruecke.htm

„Brücke Berlin“- Preis 2006 für David Albahari und die Übersetzer Mirjana und Klaus Wittmann

Der aus Serbien stammende, in Kanada lebende Schriftsteller David Albahari und seine Übersetzer Mirjana und Klaus Wittmann sind die diesjährigen Träger des Literatur- und Übersetzungspreises der BHF-BANK-Stiftung „Brücke Berlin“. Die Jury (Klaus-Dieter Lehmann, Lothar Müller und Ilma Rakusa) entschied sich für die Auszeichnung des Romans „Mutterland“, der 1996 im Original und 2002 in deutscher Übersetzung im Eichborn Verlag erschienen ist.

In „Mutterland“ erzählt David Albahari vom Verschwinden seiner Herkunftswelt. Ein Ausgewanderter im kanadischen Exil stößt auf alte Tonbandaufzeichnungen seiner verstorbenen Mutter, und damit auf die Stimme des in den Kriegen des 20. Jahrhunderts geborenen und untergegangenen Jugoslawien. „In einer unerhört dichten Prosa, in der sich Präzision und Traumverlorenheit, Reflexion und physiognomisches Detail die Waage halten“, heißt es in der Begründung der Jury, „gibt Albahari der Erfahrung des Zerfalls eine kristalline Form. Sein Buch beglaubigt die einzige Utopie, die es enthält: daß die Sprache ein Ort des Widerstands gegen die Schrecken der Geschichte ist – wenn sie sich ihnen stellt. Mirjana und Klaus Wittmann ist es gelungen, die Sprachregister des Originals mit großer Sensibilität und Poesie ins Deutsche zu bringen“.

Der Preis ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert und geht je zur Hälfte an den Autor und seine Übersetzer. Die Preisverleihung findet am 17. Mai 2006 im Alten Museum in Berlin statt und ist mit einer Tagung über „Orte des literarischen Exils“ im Literarischen Colloquium Berlin (LCB) verbunden.

Der „Brücke Berlin“ Preis wird von der BHF-BANK-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem LCB und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in zweijähriger Folge vergeben. Schirmherr ist Péter Esterházy. Der Preis würdigt ein bedeutendes zeitgenössisches Werk aus den Literaturen Mittel- und Osteuropas und seine herausragende Übersetzung ins Deutsche. Er lenkt den Blick auf die gegenwärtige Literatur der Länder, deren Stimmen den Prozess der europäischen Einigung mitgestalten werden. Darüberhinaus würdigt der Preis die künstlerische und kulturvermittelnde Leistung literarischer Übersetzer.