Symposium: In Ketten tanzen
Übersetzer, Interpreten, Schauspieler suchen ihren Text
Symposion im Literarischen Colloquium Berlin 4./5. September 2006
„Es sich schwer machen und dann die Täuschung der Leichtigkeit darüber breiten − das ist das Kunststück, welches sie uns zeigen wollen.“ Was Nietzsche über die griechischen Künstler und Dichter sagt, trifft auch auf die Arbeit von Schauspielern, Musikern und Übersetzern zu: Sie alle wissen, was es heißt, wenn etwas nach langem Üben und Probieren endlich „stimmt“.
Doch worin besteht das Künstlerische ihrer reproduktiven Tätigkeit? Daß Sprechkunst und Klangkunst, die stimmliche Darstellung von Texten und musikalische Aufführung sich als Übersetzungen einer Notation in einen zeitlichen Verlauf fassen lassen, leuchtet unmittelbar ein. Die Resultate, greifbar in Tondokumenten, sind Gegenstand der Interpretationsgeschichte − wie die Übersetzungen kanonischer Texte auch. Literarisches Übersetzen als Aufführung oder Darstellung − wie weit führt dieser Gedanke?
In Vorträgen, Workshops und Diskussionen werden die einzelnen Interpretationspraktiken im Lichte der jeweils anderen betrachtet. Wir sprechen über den Text als Transkription, über Entzifferung und Notationsprobleme, über die Unausschöpfbarkeit des Originals und die Bearbeitung als Grenzfall des aktualisierenden Lesens, über den „vielfältigen Zwang“ und die kreative Lücke, über große Verantwortung und kleine Freiheiten.
Eine Veranstaltung des Deutschen Übersetzerfonds in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin. Gefördert von der Robert Bosch Stiftung.
Projektleitung: Gabriele Leupold und Katharina Raabe
Die Veranstaltung ist öffentlich. Anmeldung erbeten unter mail@uebersetzerfonds.de oder telefonisch unter 030 – 80 49 08 56. Eintritt: 6 Euro / erm. 4 Euro.
Programm
Montag, 4.9. 06
9.30 –11.00
Vortrag
Übersetzen als reproduktive Kunst
Jiří Levý, Efim Ėtkind und die Elemente einer avancierten Theorie des Übersetzens
Olga Radetzkaja, Übersetzerin, Berlin
Moderation: Eckhard Roelcke, Musikjournalist, Berlin
11.30 -13.00
Workshop
Der Musiker als Übersetzer?
Janáček, Sonate 1. X. 1905
Stefan Litwin, Klavier
Moderation: Eckhard Roelcke
Mittagspause
14.30 – 16.00
Vortrag
Über die vokale Interpretation von Texten
am Beispiel von Goethe-Rezitationen im 20. Jahrhundert
Reinhart Meyer-Kalkus, Literaturwissenschaftler, Berlin
Moderation: Hinrich Schmidt-Henkel, Übersetzer, Berlin
16.30-18.00
Workshop
Einen Text „aushören“
Danilo Kiš, Sanduhr
Ilma Rakusa, Autorin und Übersetzerin, Zürich
Ein Roman als Wagner-Oper
Andrej Belyj, Petersburg
Gabriele Leupold, Übersetzerin, Berlin
Moderation: Hinrich Schmidt-Henkel
Abendessen
20.00 – 22.00
Podiumsdiskussion
„In Ketten tanzen“ − Lesen, Verstehen, Verkörpern
Reinhard Kapp, Musikwissenschaftler, Wien
Günter Abel, Philosoph, Berlin
László Földényi, Schriftsteller, Übersetzer, Budapest
Dževad Karahasan, Schriftsteller, Dramaturg, Sarajevo
Moderation: Iso Camartin, Schriftsteller und Publizist, Zürich
Dienstag, 5.9.06
10 -11.30
Vortrag
John Cages 4’ 33’’ und die Krise der Repräsentation
In der Musik
Dörte Schmidt, Musikwissenschaftlerin, Stuttgart
Moderation: Andreas Tretner, Übersetzer
12-13.30
Workshop
Vom Wechsel der Töne
Was übersetzen Schauspieler?
Klaus Klawitter, Sprecherzieher, Berlin
Friederike Walke, Schauspielstudentin,Berlin
Moderation: Andreas Tretner
14.00-16.00
Schlußdiskussion
Das Echo des Originals – Leben und Fortleben der Kunstwerke
Zusammenfassung, Ausblick
Moderation: Katharina Raabe, Lektorin, Berlin

(08/2010) Das Förderprogramm „Grenzgänger“, das die Robert Bosch Stiftung gemeinsam mit dem Literarischen Colloquium Berlin durchführt, wird zum 31. Oktober 2010 erneut ausgeschrieben.
