„Brücke Berlin“- Preis 2010 für Lászlo Krasznahorkai und Heike Flemming

Der ungarische Autor László Krasznahorkai und seine Übersetzerin Heike Flemming sind die Träger des „Brücke Berlin“-Preises 2010. Sie werden ausgezeichnet für den Erzählungsband „Seiōbo auf Erden“, der 2010 in deutscher Übersetzung im S. Fischer Verlag erschienen ist.

László Krasznahorkai hat mit dem Erzählband „Seiōbo auf Erden“ ein welten- und zeitenumspannendes Buch über die Vollkommenheit geschrieben, ein Buch über das Transzendente im Irdischen und die Sehnsucht des Menschen danach. Außergewöhnlich in Stoff und Form, handeln die Erzählungen von Kunstgegenständen und ihrer Restauration, von vergessenen Meisterwerken der venezianischen Malerei etwa, von einer buddhistischen Holzskulptur, von der Architektur eines Shinto-Schreins oder vom Entstehen einer No-Maske. Krasznahorkai gelingen sprachlich virtuose Annäherungen an die durch Kunst hervorgerufenen Momente, wenn ringsum alles stillzustehen beginnt und der Raum sich mit dem Atem des Erhabenen füllt. Mit großer Sachkenntnis und feinem stilistischen Gespür hat Heike Flemming diesen Texten eine Gestalt im Deutschen gegeben, deren Rhythmus und Melodie jenen Puls der Sprache erzeugen, der diesen Autor so besonders macht.

Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und geht je zur Hälfte an den Autor und seine Übersetzerin. Die Preisverleihung findet am 9. Juni 2010 im Alten Museum in Berlin statt und ist mit einem Symposium im Literarischen Colloquium Berlin (LCB) verbunden. In diesem Jahr findet darüber hinaus in den Goethe-Instituten der beteiligten Länder erstmals ein korrespondierendes Kulturprogramm statt.

Der „Brücke Berlin“-Preis wird von der BHF-BANK-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut, dem Literarischen Colloquium Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in zweijähriger Folge vergeben. Schirmherr ist Péter Esterházy, in der Jury wirkten Esther Kinsky, Klaus-Dieter Lehmann, Jörg Magenau und Katharina Narbutovič mit. Der Preis lenkt den Blick auf die gegenwärtige Literatur der Länder Mittel- und Osteuropas, deren Stimmen den Prozess der europäischen Einigung mitgestalten werden.

Ansprechpartner für weitere Informationen:

Wilhelm Burmester
BHF-BANK-Stiftung
Tel. 069 - 718 34 42
 E-mail: stiftung@bhf-bank.com

Jürgen Jakob Becker
Literarisches Colloquium Berlin
Tel 030 – 81 69 96 25
E-mail: becker@lcb.de

Informationen zu den Preisträgern:

László Krasznahorkai

László Krasznahorkai wurde 1954 in Gyula, Ungarn, geboren. Studium der Philosophie in Budapest. Er debütierte 1985 mit dem Roman „Sátántangó“, der wie die „Melancholie des Widerstands“ von Bela Tarr verfilmt wurde. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen: 1987 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, 1996 Gast des Wissenschaftskollegs Berlin, 2008 Samuel Fischer Gastprofessor an der FU Berlin. Er lebt als freier Schriftsteller in Berlin.

Buchveröffentlichungen in deutscher Übersetzung:

1988
Gnadenverhältnisse. Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki und Juliane Brandt. Literarisches Colloquium Berlin
1990
Satanstango. Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki. Rowohlt / Neuausgabe Ammann 2007
1992
Melancholie des Widerstands. Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki. Ammann
1993
Der Gefangene von Urga. Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki. Ammann
1999
Krieg und Krieg. Aus dem Ungarischen von Hans Skirecki. Ammann
2005
Im Norden ein Berg, im Süden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluß. Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. Ammann
2010
Seiōbo auf Erden. Aus dem Ungarischen von Heike Flemming. S. Fischer

Heike Flemming

Heike Flemming, geboren 1982, studierte Philosophie, Germanistik und Ungarisch in Leipzig und Wien und Ungarische Literatur und Literarisches Übersetzen in Budapest. Sie übersetzte u.a. Texte von Szilárd Borbély und László Marton für Zeitschriften wie Lettre International, Akzente und Sprache im technischen Zeitalter. „Seiobo auf Erden“ ist ihre erste größere Publikation als Übersetzerin. 2006 war sie Stipendiatin der Übersetzerwerkstatt des LCB. Sie lebt in Berlin und arbeitet derzeit an einer Dissertation über den ungarischen Gegenwartsroman.

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Ausstellungen

Urbans Orbit – Einblicke in den Nachlass eines Übersetzers | Ausstellung. 20. Oktober 2017 – 9. Februar 2018

Tina Brenneisen: Das Licht, das Schatten leert - 08. Juli - 13. Oktober 2017

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