„Grenzgänger“ –  Ein Lese-, Hör-, Film- und Foto-Abend im LCB am 24. Juni 2011 ab 17 Uhr

Mit Guy Helminger, Esther Kinsky, Olaf Kühl, Irina Liebmann, Ingo Petz, Wolfgang Schlüter, Jakob Preuss, Dagmar Brendecke, Walter Brun, Heike Hoffmann, Andrea Diefenbach und Ernest Wichner

Moderatoren: Frank Meyer, Jenny Friedrich-Freksa, Jörg Plath, Jörg Magenau

Guy Helminger liest aus Neubrasilien (Eichborn Verlag 2010)
Moderation: Frank Meyer

In Guy Helmingers Roman Neubrasilien fügen sich zwei Erzählstränge zu einer großen, Erzählung über das, was Menschen antreibt bei ihrer Suche nach dem guten Leben. Im Frühjahr 1828 macht sich eine Gruppe Luxemburger Landbewohner auf den Weg in die Welt. Sie lassen Hab und Gut zurück und schließen sich einem Strom von Auswanderern an, die der schlechten Lebensbedingungen überdrüssig geworden sind. Ihr Ziel: Brasilien. 170 Jahre später, kurz vor der Wende zum 21. Jahrhundert, kommt das Mädchen Tiha mit ihrer Mutter und anderen montenegrinischen Flüchtlingen nach Luxemburg – auch sie haben ihre Heimat aufgegeben und sind einem vagen Versprechen gefolgt.

Ingo Petz liest aus seinem Essay-Manuskript Wo bitte geht’s nach Belarus?
Moderation: Jörg Magenau

Mit Geduld, Pioniergeist und wachen Augen hat Ingo Petz für seinen Essay Wo bitte geht’s nach Belarus? recherchiert. Er ist nicht nur ins Land selbst, sondern auch in die Nachbarländer gereist, um dort Exilanten zu treffen und sie zu befragen. Petz arbeitet an einem Reisebuch über Belarus, das Wissenswertes zu Geschichte und Kultur des Landes bieten soll. Auch in Popkultur und Rockmusik kennt Ingo Petz sich aus, und so kann er einen weiteren, für die Opposition wichtigen Aspekt ins Spiel bringen.
Fotos des belarussischen Fotografen Andrei Liankevich werden das Buch bebildern.

Olaf Kühl liest aus Tote Tiere. Roman über die Befreiung von Michail Chodorkowskij (Rowohlt Berlin Verlag 2011)
Moderation: Jörg Plath

Zwei Freunde, ein Deutscher und ein Pole, fassen einen Plan: Sie wollen Michail Chodorkowski befreien, der seit 2005 in einem Lager in Südostsibirien inhaftiert ist. Grund ihrer edlen Mission: Der eine ist seelisch an einem toten Punkt, der andere hat schon lange für keine Sache mehr so richtig „gebrannt“. Also brechen sie auf, über Moskau und Irkutsk und quer durch die Tundra reisen sie bis nach Sibirien an die russische Peripherie. Eine Reise zwischen dreistem Spiel und riskantem Abenteuer: Sie kommen dem Geheimnis der toten Wildhunde auf die Spur, überleben nur knapp eine Fehde unter Schwarztaxifahrern, begegnen handfesten und sehnsuchtsmüden Menschen, und der Deutsche verliebt sich in die schöne Witwe Mascha, obwohl die Chodorkowski verachtet. Und am Ende schlägt alles in blutigen Ernst um.

Irina Liebmann liest aus ihrem Manuskript KASAN, KASAN, NUR NACH KASAN!
Moderation: Jenny Friedrich-Freksa

Irina Liebmann schreibt an einem essayistischen Prosa-Band über Russland, der das Land und seine Menschen darstellen soll. Auf ihrer Recherchereise, die sie nach Kasan, Krasnogorsk bei Moskau und in die russische Hauptstadt führte, hat sie beobachtet, was die Realität des Landes, die Stimmung, den Alltag und die Identität der Menschen gegenwärtig bestimmt. Diese Eindrücke fließen ein in ein geistiges Porträt Russlands.

Esther Kinsky liest aus Banatsko (Matthes & Seitz Verlag 2011)
Moderation: Jenny Friedrich-Freksa

Esther Kinskys Banatsko ist die Feier einer Landschaft, des nördlichen Banat. Noch nie wurde dieses Niemandsland zwischen Ungarn, Serbien und Rumänien mit einem so liebenden Blick betrachtet wie in diesem neuen Roman von Esther Kinsky. Während der Leser sie in die halbverfallenen Straßenzüge Battonyas und die sie überwuchernde, sirrende und flirrende Natur begleitet, erzählt sie von einem alten Kino, den Kontakten zu den Dorfbewohnern, einer Liebschaft und der langsamen Eroberung des eigenen Zuhauses in dieser neuen Welt. Vom Rhythmus ihrer Sprache getragen wird der Alltag im ländlichen Banat zum Erlebnis, Kinsky macht ihn hörbar und riechbar.

Wolfgang Schlüter liest aus Die englischen Schwestern (Eichborn Verlag 2011)
Moderation: Jörg Plath

Wolfgang Schlüter erzählt von der Erfindung eines Instruments - und allem, was sie nach sich zog. In seinem vielstimmigen Roman erfährt der Leser, wie ein nüchtern-pragmatischer Politiker wie Benjamin Franklin zum Erfinder der Glasharmonika werden konnte, ein Musikinstrument, das heute beinahe vergessen ist, dessen geisterhafter Klang aber selbst Mozart zu einer Komposition inspirierte. Wolfgang Schlüters Roman leitet den Leser von der Gegenwart in die Spätaufklärung und zurück, er lässt seine Figuren und ihre Gedanken reisen, ob per Postkutsche oder Eisenbahn, ob in Briefen oder Fiktionen, und er lässt den Geist einer Epoche lebendig werden.

Jakob Preuss stellt seinen Film The other Chelsea. A story from Donetsk vor
Moderation: Jörg Magenau

Jakob Preuss’ Dokumentarfilm erzählt den schwindelerregenden Aufstieg des Vereins Schachtjor Donetzk und stellvertretend den Alltag seiner Fans: Stephanovich und seine Freundin Valya schuften für wenig Geld in einem alten Kohleschacht, der Nachwuchspolitikers Kolja arbeitet an seiner Karriere, und der Milliardärs Rinat Achmetow investiert Millionen in den Club. Jakob Preuss porträtiert in seinem mit dem Max-Ophüls-Preis 2011 ausgezeichneten Dokumentarfilm auf differenzierte Weise eine Region im Spannungsfeld zwischen Politik und Sport.

Dagmar Brendecke, Walter Brun und Heike Hoffmann, die Frau des Komponisten und Pianisten Stefan Litwin, stellen ihren geplanten Dokumentarfilm über die Familiengeschichte Stefan Litwins vor

Dagmar Brendecke und Walter Brun drehen einen Dokumentarfilm, der die Familiengeschichte des Komponisten Stefan Litwin erzählen soll, in der sich die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt. Ein Großvater war ein wichtiger Unternehmer, der Anfang des Jahrhunderts von Russland nach Polen, später nach Deutschland und schließlich nach England zog und immer wieder von vorn beginnen musste, seine Mutter, gebürtige Wienerin und Kommunistin, verlor ihre Eltern im Holocaust, sein Vater war Sozialdemokrat und musste 1936 nach Mexiko emigrieren, wo Stefan Litwin geboren wurde. Eine Tante ging nach Israel und arbeitete als Kurierin für eine radikal-zionistische Gruppe während des britischen Mandats in Israel. Stefan Litwin selbst komponiert die Musik für den Film. Seine Frau und die Filmemacher werden an diesem Abend von der Spurensuche berichten.

Andrea Diefenbach präsentiert ihre Fotoserie Land ohne Eltern

Andrea Diefenbach wurde für ihre Fotoserie Land ohne Eltern nicht nur mit einem „Grenzgänger“-Stipendium, sondern auch mit dem Dokumentarfotografie Förderpreis der Wüstenrotstiftung 2007/08 ausgezeichnet. Ihre Arbeit portraitiert zumeist illegale Arbeitsmigranten aus Moldawien in Italien und deren verwaiste Familien in der Heimat. Viele Kinder sehen ihre Eltern oft jahrelang nicht, weil sie 2000 km entfernt als Reinigungskraft oder Erntehelfer arbeiten. Die Fotos von Andrea Diefenbach erzählen ihre Geschichten.

Ernest Wichner berichtet von den Recherchen zu Herta Müllers Atemschaukel

Atemschaukel von der Nobelpreisträgerin Herta Müller beschreibt auf berührende Weise den Alltag in einem Arbeitslager in Russland am Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch dieser Roman ist mit Hilfe eines “Grenzgänger”-Stipendiums entstanden. Die rumäniendeutschen Schriftsteller Ernest Wichner, Herta Müller und Oskar Pastior unternahmen 2004 eine Recherchereise in die Ukraine. Sie suchten das Lager auf, in das der junge Pastior als Angehöriger der deutschen Minderheit in Rumänien zum sogenannten Wiederaufbau in die damalige Sowjetunion verschleppt worden war. In vielen Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat Herta Müller den Stoff gesammelt, den sie zu einem großen Roman geformt hat. Ernest Wichner zeigt Fotos und berichtet von der gemeinsamen Reise.

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