Ausschreibung

Text, Form, Klang

Sprachenübergreifendes Seminar zum Übersetzen von Lyrik

Termin: 24. - 27. November 2011
Ort: Literarisches Colloquium, Berlin
Leitung: Ulf Stolterfoht und Marie Luise Knott

Ein weit verbreitetes Vorurteil lautet: Lyrik lässt sich nicht übersetzen – oder: Lyrik lässt sich eigentlich nicht übersetzen. Wie die meisten Vorurteile ist auch dieses Vorurteil falsch, was sich allein daran zeigt, dass Lyrik ja ununterbrochen übersetzt wird – und das schon seit mindestens zweieinhalbtausend Jahren. Wie an den meisten Vorurteilen ist aber auch an diesem Vorurteil etwas dran, und das zeigt sich im eigentlich: das "Eigentliche" von Gedichten ist nicht allein ihr Text, ihre Wörtlichkeit, ihre Semantik – das alles lässt sich genau so gut oder genauso schwer übersetzen wie sich jeder Text übersetzen lässt. Hinzu kommen beim Gedicht noch zwei weitere Kategorien: als erstes die Form oder Struktur des Gedichts (feste oder offene Metrik, Reimschemata, Parallelismen und Symmetrien, Homophonien usw.), die sich oft schwer, gar nicht oder nur auf Kosten der Semantik übertragen lässt und die ja in jedem guten Gedicht Nicht-Semantisches mitträgt und  mittransportiert.

Als zweites steht da der ganze Komplex des Lautlichen. Diese Lautlichkeit in eine andere Sprache zu bringen, das Gedicht auch als klangliches Ereignis zu "übersetzen" oder auch nur annähernd adäquate Formen zu finden, das scheint das zentrale Problem der Übersetzung von Lyrik zu sein.

Im Seminar  wollen wir mit diesen drei Ebenen umgehen – und umgehen heißt zuallererst, die jeweiligen Strukturen überhaupt zu sehen und zu erkennen. Übersetzen lässt sich ja überhaupt nur, was man vorher zumindest gesehen hat. Eine Binsenweisheit, aber in diesem Fall von besonderer Bedeutung.

Geplant ist, dass jeder Teilnehmer sein lyrisches Übersetzungsvorhaben mitbringt. Alle Teilnehmer werden  ihr Projekt vorstellen und die unterschiedlichen Ebenen – Semantisches, Formales und Klangliches sowie deren Interaktion – diskutieren können. Referenten werden langjährige Erfahrungen beisteuern.

Teilnehmen können:  Übersetzer sowie Lyriker und Schriftsteller mit einem lyrischen Übersetzungsvorhaben.
Zielsprache: Deutsch.
Anzahl der Teilnehmer: max. 12.
Teilnahmevoraussetzung: Die Veröffentlichung mind. eines literarischen Werks oder einer literarischen Übersetzung.
Einzureichen sind: 1. eine kurze Bio-Bibliographie, 2. Kurze Beschreibung des lyrischen Übersetzungsvorhabens mit einer Probeübersetzung (mindestens 30 Zeilen) und dem entsprechenden Original.
Einsendeschluss:  15. September 2011, die Auswahl der Teilnehmer erfolgt bis 4. Oktober.
Keine Teilnahmegebühr.Die Fahrtkosten werden nach Möglichkeit erstattet. Für die Unterbringung auswärtiger Teilnehmer wird gesorgt.

Bewerbungen per Post an:
Deutscher Übersetzerfonds
Lyrikseminar
Am Sandwerder 5
14109 Berlinfür Rückfragen:
Marie Luise Knott: marieknott@googlemail.com
Ulf Stolterfoht, ulfstolterfoht@web.de

 

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