Brücke Berlin Preis 2004
Nachgesänge
Lyrik und Lyrikübersetzung aus den Literaturen Mittel- und Osteuropas
Symposion am 18. Juni 2004, 11-17 Uhr
im Collegium Hungaricum, Karl-Liebknecht-Straße 9, 10178 Berlin
Die BHF-BANK-Stiftung würdigt mit dem Brücke Berlin Preis ein bedeutendes Werk aus den mittel- und osteuropäischen Literaturen der Gegenwart und seine herausragende Übersetzung ins Deutsche. Der Preis geht in diesem Jahr an László Darvasi und Heinrich Eisterer für den Roman „Die Legende von den Tränengauklern“.
Die Einreichungen des Jahres 2004 waren neben wichtigen Prosawerken auch durch eine Vielzahl bemerkenswerter Gedichtbände geprägt: das Spektrum reichte von jungen Autoren wie Ales Steger und Daniel Banulescu bis zu den vom Surrealismus geprägten Werken der rumänischen Dichterin Nora Iuga und dem slowenischen Altmeister Dane Zajc. In einem Symposion gehen wir den aktuellen Entwicklungen der Poesie nach der historischen Zäsur von 1989 nach: den neuen Freiheiten, dem verlorenen Terrain, dem Wandel der Sprache in neuen gesellschaftlichen Systemen. Und wir fragen nach den Vermittlungserfahrungen von Lyrikübersetzern verschiedener Generationen und Schulen.
11.00 Uhr Begrüßung
Lesung: Caius Dobrescu und Ernest Wichner
11.30 Uhr Podiumsdiskussion
Ostmoderne – Positionen der Lyrik in Mittel- und Osteuropa
Mila Haugová, Nora Iuga, Tzveta Sofronieva, und Franz Hammerbacher
Moderation: Jan Koneffke
Über die Tendenzen, die Sonderwege und die Vielstimmigkeit der Moderne in der Lyrik Mittel- und Osteuropas diskutieren eine slowakische, eine rumänische und eine bulgarische Autorin sowie ein Lyrikverleger aus Wien.
12.45 Uhr Mittagspause
13.45 Uhr Lesung: Dane Zajc und Ilma Rakusa
14.15 Uhr Podiumsdiskussion
Die Stimme des Poeten
Caius Dobrescu, Orsolya Kalasz, N.N.
Moderation: György Dalos
Die Lyrik genießt in den Literaturen Mittel- und Osteuropas einen besonders hohen Stellenwert. Das geht zurück auf eine große romantische Tradition, aber auch auf das Widerstandspotential der Poesie in politischen Zwangssystemen. Das Bild vom Dichter als Seher und Integrationsfigur ist für die heutigen Autoren Inspirationsquelle und Hypothek zugleich. Stehen wir angesichts der großen kulturellen Vereinheitlichungstendenzen vor einem Paradigmenwechsel?
15.30 Uhr Lesung: Nora Iuga und Ernest Wichner
16.00 Uhr Podiumsdiskussion
Nachgesänge
Aus der Werkstatt von Lyrikübersetzern berichten Hendrik Jackson, Gabriele Leupold und Henryk Bereska
Moderation: Klaus-Jürgen Liedtke
Gedichtübersetzung bedeutet Steigerung derjenigen Schwierigkeiten, mit denen jede Übertragung literarischer Texte zu kämpfen hat. Ein Gespräch über Vermittlungserfahrungen und die langen Wege zwischen den Sprachen.
17.00 Uhr Ende
Eintritt frei, u.A.w.g. unter becker@lcb.de
Kontakt: Jürgen Jakob Becker, LCB, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin, Tel. 81 69 96 25, Fax 80 49 08 57, e-mail becker@lcb.de, www.lcb.de.
Informationen zur BHF-BANK-Stiftung unter www.bhf-bank-stiftung.de, zum Collegium Hungaricum unter www.hungaricum.de. Bitte beachten Sie auch das Programm des Festivals „Ungarn an Bord!“, www.ungarn-an-bord.de .
Henryk Bereska, geb. 1926 in Kattowice, Schriftsteller und Übersetzer polnischer Literatur (u.a. Andrzejewicz, Lem, Rozewicz).
György Dalos, geboren 1943, lebt in Berlin. Schriftsteller und Essayist. Zuletzt erschienen: der Roman „Seilschaften“ (Dumont Verlag 2003) und „Ungarn in der Nussschale“ (C.H. Beck 2004).
Caius Dobrescu, geb. 1966 in Kronstadt (Brasov). Schriftsteller, stellv. Chefredakteur der Literaturzeitschrift Interval. Autor mehrerer Gedichtbände. Auszüge in deutscher Übersetzung in Schreibheft, Nr. 62, 2004.
Franz Hammerbacher, geb. 1967, gründete im Jahr 2000 in Wien den Verlag Edition Korrespondenzen, der sich insbesondere um die Literaturen in Mittel- und Osteuropas verdient gemacht hat.
Mila Haugová, 1942 in Budapest geboren, slowakische Lyrikerin und Übersetzerin. In deutscher Übersetzung erschien zuletzt der Auswahlband „Sandatlas“ (aus dem Slowakischen von Angela Repka, Edition Korrrespondenzen 2001).
Nora Iuga, geb. 1931 in Bukarest. Lyrikerin, Übersetzerin deutscher Literatur. In Ernest Wichners Übersetzung erschien 2003 der Gedichtband „Der Autobus mit den Buckligen“, Edition Solitude.
Hendrik Jackson, geb. 1971, freier Autor und Übersetzer russischer Literatur (u.a. Zwetajewa, Stepanowa, Iwanow), lebt in Berlin. Mitgründer der Aktionsgruppe „Das Lemma“. Publizierte die Geichtbände „einflüsterungen von seitlich“ (2201) und „brausende bulgen“ (2003).
Orsolya Kalasz, geb. 1964 in Dunaújváros. Herausgeberin, gemeinsam mit Gerhard Falkner, der Lyrikanthologie „Budapester Szenen. Junge ungarische Lyrik“ (Dumont Verlag 1999). 1997 erschein der zweisprachige Gedichtband „Babymonster und die Gärtner“.
Jan Koneffke, geb. 1960, lebt in Wien. Publizierte Lyrik (zuletzt: „Was rauchte ich Schwaden zum Mond“, DuMont 2001) und Prosa (u.a. den Roman „Paul Schatz im Uhrenkasten“, DuMont 2000).
Gabriele Leupold, geb. 1954, Übersetzerin russischer Literatur (u.a. Bachtin, Sorokin, Belyj, Prigow). Lebt in Berlin.
Klaus-Jürgen Liedtke, geb. 1950 in Südtondern. Seit 1977 Übersetzer aus dem Schwedischen, u.a. des Lyrikers Gunnar Ekelöf (Werkausgabe im Kleinheinrich Verlag) und freier Schriftsteller („Scherben Leben Brocken Tod“. Gedichte 1969-1999. Gemini Berlin 2001).
Ilma Rakusa , geb. 1946 in Rimavská Sobota (Slowakei) als Tochter einer Ungarin und eines Slowenen. Autorin, Übersetzerin (aus dem Russischen, Serbokroatischen, Ungarischen, Französischen), Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin. Lebt in Zürich und Berlin. Zuletzt erschienen: „Love after Love. Acht Abgesänge“ und „Von Ketzern und Klassikern. Streifzüge durch die russische Literatur“ (Suhrkamp Verlag).
Tzveta Sofronieva, geb. 1963 in Sofia, lebt seit 1992 als freie Autorin und Korrespondentin in Berlin. 1999 erschein der Gedichtband „Gefangen im Licht“ (aus dem Bulgarischen von Gabi Tiemann, Biblion Verlag).
Ernest Wichner, 1 952 in Guttenbrunn (Banat/Rumänien) geboren, lebt seit 1975 in Berlin. Schriftsteller, Übersetzer, Herausgeber und Leiter des Literaturhauses in Berlin. Verschiedene Veröffentlichungen, u.a. "Steinsuppe", Gedichte (1988), "Alte Bilder", Geschichten (2001).
Dane Zajc, geb. 1929 in Zgornja Javorscica (Slowenien), gilt als Sloweniens wichtigster zeitgenössischer Lyriker. Eine Werkauswahl erschien in Fabjan Hafners Übersetzung unter dem Titel „Hinter den Übergängen“, Klett-Cotta 2003.
