Resumée der 4. Berliner Übersetzerwerkstatt 1999
1.
Die Berliner Übersetzerwerkstatt, die 1999 zum vierten Mal stattfand,
bietet (Zitat Ausschreibung) "zehn von einer Jury ausgewählten Teilnehmern
ein mehrmonatiges Stipendium und die Gelegenheit, an [fünf] Wochenendseminaren
durch intensive Textarbeit und Zusammenarbeit mit Fachleuten aus
der Praxis ihre Sprachfertigkeit aufzufrischen, Kenntnisse in der
Berufskunde zu gewinnen, Einblicke in Literatur- und Übersetzungsgeschichte
zu erlangen, durch Analyse, Vergleich und Kritik ihren Übersetzungsstil
zu hinterfragen und zu überarbeiten. Die Vermittlung von Produktions-
und Rezeptionsvorgängen des Literaturbetriebs rundet die Fortbildung
ab. ... Zur Förderung zugelassen sind nicht abgeschlossene Übersetzungen
anspruchsvoller Literatur aus dem 20. Jahrhundert."
Die Fördersumme von DM 7200 soll die Teilnehmer
in die Lage "versetzen, ohne wirtschaftlichen Zwang an der Übersetzerwerkstatt
teilzunehmen und im Idealfall die eingereichten Manuskripte zu vollenden."
2.
"Berlin, 22.4.99:
Lieber Peter Klöss,
ich freue mich sehr, Ihnen - auch im Namen der Jury: Marie Luise
Knott, Gabriele Leupold, Richard Pietraß - mitteilen zu können,
daß Ihnen ein Stipendium der Berliner Übersetzerwerkstatt zuerkannt
wurde.
Die weiteren Stipendiaten, mit denen Sie
in der Übersetzerwerkstatt zusammenarbeiten werden, sind: Monika
Cagliesi (Lyrik, Polnisch), Constanze Hagelberg (Theater, Englisch),
Verena von Koskull (Roman, Italienisch), Barbara Krohn (Roman, Italienisch),
Margitt Lehbert (Lyrik, Englisch), Sabine Mangold (Roman, Japanisch),
Martina Mrochen (Lyrik/Prosa, Russisch), Marlene Müller-Haas (Essay??,
Niederländisch) und Bernhard Robben (Kurzgeschichten, Irisches Englisch).
Diese Mitteilung erfolgt selbstverständlich
unter dem Vorbehalt der geklärten Rechtslage des eingereichten Übersetzungsprojekts.
Ich freue mich auf unsere gemeinsame Arbeit!
Thomas Brovot, Projektleiter
i.A. Kirsten Junglas, Projektassistenz"
Dies war die offizielle Benachrichtigung, durch die 10 Bewerber
aus allen Teilen der Republik, davon 80% aus Berlin und Umgebung,
zu Stipendiaten der Berliner Übersetzerwerkstatt wurden. Auf inoffiziellem
Wege bekamen wir vorab telephonisch durch Thomas Brovot, den Projektleiter,
Bescheid, nach dem Motto: "Ich habe eine freudige Nachricht für
dich."
Wie soll man das Gefühl beschreiben, das
dieser Anruf hervorrief?
Um das herauszufinden, habe ich eine Telefonaktion
unter den Stipendiaten gestartet.
Die Reaktionen reichten von Ungläubigkeit
("Was, mit dem Projekt, das ich eingereicht habe??") über Jubelsprünge
an die Decke, die nicht unwesentlich aus dem Abfallen finanzieller
Mühlsteine resultierten ("Uff") bis hin zu Anrufungen höherer Gewalten
("Mein Gott"), sie reichten von ehrfürchtigem Gejapse Marke "Was,
ich kleines Licht kriege so ein großes Stipendium?" bis hin zum
knappen Brummen alter Bewerbungsveteranen: "Na, endlich".
Die Stipendiengewährung war Rettung und
Bestätigung in Einem. Sie weckte große Erwartungen an die kritische
Auseinandersetzung mit den eingereichten Projekten, rief aber auch
Angst hervor, die eigene Übersetzerleistung auf den Prüfstand zu
stellen mit der Perspektive, womöglich in der Luft zerrissen zu
werden. Jedenfalls, der Boden war bereitet, es konnte losgehen.
3.
"Berlin, 14.5.99
Lieber Peter Klöss,
hiermit möchte ich Sie herzlich zu unserem 1. Werkstattwochenende
am 29. und 30. Mai einladen. Das Programm dazu liegt anbei, und
ich hoffe, es macht Sie genauso neugierig wie mich.
Natürlich wünschen wir uns, daß Sie auch
am Freitag, den 28. Mai 99, zum ersten Kennenlernen sowie zur öffentlichen
Abendveranstaltung kommen können, bei der die Übersetzerwerkstatt
zusammen mit der diesjährigen, [parallel im LCB stattfindenden]
Autorenwerkstatt eröffnet wird.
Wenn Sie Fragen zum Ablauf oder zur Organisation
haben, so bin ich gerne Ihre Ansprechpartnerin...
Wir freuen uns auf Sie und das Werkstattwochenende!
Bis dahin grüße ich Sie herzlich,
Ihre Kirsten Junglas."
Freitag nachmittag, Kaiserwetter.
Diesen Nachmittag habe ich noch in lebhafter,
weil guter Erinnerung. Es war einfach großartig, an einem herrlichen
Sommertag ins LCB zu kommen und zu wissen, das wird nun eine Art
zweite Heimat, nach dem Motto: hier bin ich Stipendiat, hier darf
ich bleiben.
Auf der Terrasse, zum See hin, hatte man
weiße Tische zu einer langen Tafel zusammengerückt. Kaffee und Kuchen
sind versprochen. Nach und nach tröpfeln die Stipendiaten ein, abtastende
Blicke: Wer ist Übersetzer, wer Autor? Manche Gesichter sind bekannt,
die meisten nicht. Der erste Eindruck ist angenehme Überraschung.
Augenscheinlich keine Menschenfresser darunter.
Samstag, es geht los: Die Werkstattleiter
Ursula Krechel und Thomas Brovot sammeln ihre Schäfchen um sich,
man verzieht sich in die Tagungsräume. Unserer ist größer als der
der Autoren. Wir haben auch mehr Appetit auf die Kekse, die Kirsten
Junglas tagtäglich zu neuen Bergen aufhäuft - Kirsten Junglas, die
gute Seele der Werkstatt.
Die Stipendiaten stellen sich vor, Erwartungen
an die Werkstatt werden formuliert: Information über den Beruf des
Übersetzers, andere Leute und ihre Arbeitstechniken kennenlernen,
hoffentlich viel Textarbeit, hoffentlich wenig Textarbeit, die eigene
Übersetzung einer (konstruktiven) Kritik aussetzen, moderne Recherchemöglichkeiten
erproben und vieles mehr.
Manche dieser Erwartungen sollen nicht
erfüllt werden, aber das weiß noch keiner.
Es wird deutlich: Hier sitzen Anfänger
und alte Hasen an einem Tisch, was für Irritation sorgt, aber auch
zu der Erkenntnis führt: "Hier bin ich am richtigen Ort."
Erste Vorträge. Abends: Die Bar ist geöffnet
4.
"Berlin, 1.7.99
Lieber Peter Klöss,
übernächstes Wochenende ist es soweit: Technorhythmen erschüttern
die Stadt. Aber bis zum Wannsee werden die Schall- und Menschenwellen
der Love-Parade wohl nicht reichen. Die Übersetzerwerkstatt wird
jedenfalls tagen, und dazu laden wir herzlich ein. Bis dahin grüßt
herzlich
Kirsten Junglas"
Um Verwirrung vorzubeugen, sollte man an dieser Stelle vielleicht
kurz etwas zum Ablauf der Werkstatt sagen. Neben dem Projektleiter
gab es die Stipendiaten, die immer teilnahmen, ferner Mentoren und
Gastrefrenten. Jeder von ihnen hielt einen Vortrag. Das macht insgesamt
rund 30 Vorträge im Verlauf der Werkstatt oder anders gesagt: pro
Tag im Durchschnitt drei.
Es zeigte sich, daß die Textarbeit ihren
Platz weitgehend in der Zusammenarbeit mit den Mentoren finden würde.
Jeder Stipendiat bekam einen Mentor zur Seite gestellt, also einen
im Übersetzen erfahrenen Kollegen. Mit diesem, so die Planung, sollte
das eingereichte Übersetzungsprojekt bearbeitet werden. Die Mentoren
waren auch herzlich willkommen, an den Wochenendseminaren teilzunehmen,
zumal sie ja auch einen Vortrag halten sollten, und viele machten
davon Gebrauch, ja: nisteten sich geradezu ein und dienten dann
als wandelnde Enzyklopädie, Fremdwörterlexikon und Deutsche Grammatik
in Einem.
Im einzelnen stellten sich als Mentoren
zur Verfügung: Renate Schmidtgall, Karin Krieger, Richard Pietraß,
Annelie Ortmanns, Gabriele Leupold, Ruth Meyering, Christa Schuenke,
Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel, wobei die beiden Letztgenannten
auch noch gemeinsam das Projekt von Barbara Krohn betreuten, welcher
kurzfristig der Mentor abhanden gekommen war.
Auch wenn man schon einiges übersetzt hat,
ist es nicht einfach, seinen Text einem anderem zu überlassen, auf
daß er ihn zerpflücke. Mein Mentor hieß Hinrich Schmid-Henkel Er
war mir bekannt als erfolgreicher und ziemlich selbstbewußt auftretender
Übersetzer aus dem Norwegischen, Französischen und eben Italienischen.
Um ihn milde zu stimmen, lud ich ihn erst einmal zum Spargelessen
ein. Geschickt fing er den Ball auf und verscheuchte letzte Reste
von Besorgnis meinerseits, indem er mich dreimal bei sich zu Hause
antanzen ließ, was zunächst mal bedeutete: Treppen steigen, und
zwar viele. Ausgepowert oben in seiner Dachwohnung angekommen, gab's
zum Trost Pflaumenkuchen frisch aus dem Ofen und gewissermaßen als
Sahnehäubchen behutsam beigebrachte Verbesserungvorschläge hier
und dort, Alternativen sozusagen, um den Text noch besser zu machen.
Und 1,2,3 war mein Projekt fertig übersetzt.
5.
"Berlin, 6.8.99
Lieber Peter,
es ist wieder soweit: Das 3. Werkstatt-Wochenende naht, und dazu
laden wir herzlich ein.
Das Programm liegt anbei...
Ansonsten wird es einen kleinen Imbiß,
sprich Brot und Käse, geben, um den gröbsten Hungeranfällen entgegenzuwirken.
Damit herzliche Grüße vom Wannsee
Kirsten Junglas"
Kommen wir nun zu den Gastreferenten, bei denen es sich um mehr
oder weniger berühmte Fachleute handelte. Kaum etwas an der Übersetzerwerkstatt
wurde unterschiedlicher beurteilt als die Gastreferenten und ihre
Vorträge. Manche sagten allen etwas, andere blieben unverstanden.
Anhand der Unmöglichkeit, Wortspiele bei
James Joyce ins Deutsche hinüberzuretten, klärte Fritz Senn uns
auf, wie man "Falsches richtig falsch" übersetzt. Frank Günther
ließ sich zu seinem Vortrag: "Warum wir Shakespeare nicht übersetzen
können und es trotzdem immer wieder tun" befragen und machte ganz
nebenbei altehrwürdige Übersetzergötter antastbar - im vorliegenden
Fall Schlegel/Tieck. Mit seinem etwas trocken betitelten Vortrag:
"Probleme der Übersetzungskritik. Pragmatische Aspekte" nahm Lutz
Hagestedt uns die Sorge, Literatur- (und damit auch Übersetzungs-)kritiker
könnten mehr sein als normale Menschen und bräuchten für einen Verriß
das Original nicht zu konsultieren. Eike Schönfeld eröffnete "Freundliches
Feuer im WC-Center", doch am Ende seines Vortrags über Amerikanismen
ging das Deutsche überfremdungsmäßig gerettet hervor. Helmut Frielinghaus
beschied sich mit einem schlichten "Wenn Lektoren lesen" und gab
uns eine Ahnung davon, wie schön es sein könnte, von erfahrenen,
mit Zeit und Sachkenntnis ausgestatteten Lektoren betreut zu werden.
Unsere Kollegin Rosemarie Tietze zeigte anhand von Vladimir Nabokov,
wie man "im Dreisprung" übersetzt, Jürgen Jakob Becker gab wertvolle
Tips zur Stipendienbewerbung, und zum Abschluß entführte Christian
Döring uns in die Höhen des theoretischen Lektorats, wohin ihm aber
nicht jeder folgen mochte.
6.
"Berlin, 19.9.99
Lieber Peter,
erst die gute Nachricht: Mit aller Herzlichkeit lade ich Dich zum
4. Werkstattwochenende am 2. und 3. Oktober ein.
Allerdings ist diesmal frühes Aufstehen
angesagt: An beiden Tagen beginnt die Werkstatt um 10 Uhr 30, und
es wäre schön, wenn pünktlich begonnen werden könnte, damit Raum
für kleinere Pausen bleibt.
Das war aber noch nicht die unangenehme
Nachricht - die folgt nun: Der Getränkekonsum von ca. 30 Leuten
an der abendlichen Bar brennt dem LCB Löcher in die Taschen, die
durch Bar-Verkauf bei Veranstaltungen nicht mehr gestopft werden
können. Das heißt schlicht, daß ab dem nächsten Wochenende eine
Sammelbüchse bereit stehen wird. Schön ist es nicht, aber LCB seitens
leider notwendig. Sorry!
Herzliche Grüße Kirsten Junglas"
Es hat nichts mit dem oben monierten Übersetzerdurst zu tun, wenn
jetzt eine zentrale Figur der Veranstaltung dran ist - der Projektleiter
Übersetzerwerkstatt.
Er stellt das Programm zusammen, er lädt
die Gastreferenten ein, er schlägt Mentoren vor, er kümmert sich
um das Seelenheil der Stipendiaten, kurz - er hält den Laden zusammen
und am Laufen. Zum Beispiel die Textarbeit. Hat er nicht immer wieder
versucht, uns direkte Arbeit an den Texten zu ermöglichen? Hat er.
Indem er Bastelecken einrichtete und Staffelläufe veranstaltete.
Aber in die Bastelecke wollte keiner, wenigstens am Anfang nicht,
und der Staffellauf, na ja, ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber
was kann der Hirte dafür, wenn die Schäfchen nicht mitziehen? Ich
persönlich finde, er hat einen sehr guten Job gemacht und insbesondere
dafür gesorgt, daß die Atmo top war. Aber das zählt ja nicht. Immer
paßt irgendjemandem irgendwas nicht, und Schuld daran ist natürlich
- der Leiter.
Sicher, man hätte alles auch anders machen
können: Man hätte jedes Wochenende mindestens anderthalb Stunden
am Text arbeiten lassen können, hätte die Wochenenden streng nach
Themen oder Gattungen gliedern können, so daß sie sinnvoll aufeinander
aufbauen, ineinander greifen und sich untereinander vollkommen ergänzen,
man hätte die Übersetzerwerkstatt themenspezifischer gestalten und
die Stipendiaten homogener auswählen können, hätte mehr im Internet
surfen lassen können, hätte mehr Sorgfalt auf die Referentenauswahl
verwenden können, hätte für die alten Hasen Bekanntes aus dem Programm
streichen können, hätte mittels einer durchdachteren Abfolge zwischen
Vorträgen und Textarbeit nachmittäglichen Ermüdungserscheinungen
vorbeugen können, und wo wir schon dabei sind, hätte man ja nun
wirklich für mehr Abwechslung sorgen können, für eine bessere Raumqualität,
erfrischendere Getränke und selbstverständlich für eine ausgewogenere
Kost ...
Statt dessen: Grillwurst bei Loretta.
7.
"Berlin, ohne Datum
Lieber Peter,
fast bin ich versucht, sentimental zu werden: Das Ende der Werkstatt
ist plötzlich in greifbare Nähe gerückt, und dabei könnte es doch
noch... oder?
Aber man soll ja aufhören, wenn es am schönsten
ist, und dafür sorgt an diesem fünften und letzten Werkstatt-Wochenende
nicht allein das Programm!
Es wird am Samstagabend ein Abschlußfest
geben, und alle sind herzlich eingeladen, für ein formidables Büffet
zu sorgen: Mit Köstlichkeiten und Spezereien aus aller Herren Länder
- Übersetzerküchen sollen ja einiges zu bieten haben, sagt man!
Bis zum Wochenende grüßt Dich herzlich
Kirsten"
Die anwesenden Vertreter des Berliner Senats wird weniger interessieren,
was die übersetzenden Stipendiaten so in, als vielmehr, was sie
auf der Pfanne haben, oder anders ausgedrückt: was aus dem vielen
Geld geworden ist, das vor der Haushaltssanierung gerettet und in
die Übersetzerförderung gesteckt wurde. Eins steht fest: Der Löwenanteil
der Stipendien ging in die Haushaltssanierung, allerdings in die
private.
Schwieriger ist darzulegen, inwieweit die
Förderung den Stipendiaten auf ihrem beruflichen Weg als Übersetzer
geholfen hat.
Von denen, die noch am Anfang ihres Übersetzerdaseins
standen, ist zu berichten: Sie arbeiten heute als Lehreranwärter,
freie Lektoren oder Verlagsvolontäre. Doch immerhin wissen sie jetzt,
daß es den Beruf des Übersetzers gibt und wie er aussieht, daß es
sich dabei um mehr handeln kann als um Liebhaberei, und daß dieser
Job nicht reich macht, dafür viel Spaß. Sie wissen, worauf sie sich
einlassen. Und sie haben die Erfahrung gemacht, mit ihren Übersetzungen
vor weit erfahreneren Kollegen bestanden zu haben und von diesen
als Ihresgleichen angenommen zu werden.
Die meisten jedoch waren ja schon in der
einen oder anderen Weise alte Übersetzer. Sie sind es noch. An den
Lebensumständen hat sich nicht viel geändert, manche arbeiten nach
wie vor von neun bis sechs als Übersetzer, andere verlassen sich
wie früher lieber auf andere Standbeine und schreiben nebenher eigene
Bücher oder bekommen Kinder.
Dennoch hat die Übersetzerwerkstatt auch
bei ihnen etwas bewirkt: sie sehen ihre Tätigkeit als Übersetzer
vielleicht nicht ganz mit neuen Augen, aber doch mit erweitertem
Blickfeld. Die Vielfalt an Themen und Personen, der Einblick in
die Arbeitsweise anderer, die vielen praktischen Hinweise, der Ansporn
durch Vorbilder, die Tips im Umgang mit Verlagen, die Kollegialität
- all das hat zu einem eigenartigen, weil widersprüchlichen Phänomen
geführt: Bei den einen nämlich ist trotz langjähriger Übersetzererfahrung
die Einsicht in die Notwendigkeit gereift, daß mehr Professionalität
im Beruf not tut. Bei anderen dagegen steht eher ein Zurück im Vordergrund,
sie sehen im Beruf nun wieder die Berufung.
Das in der Stipendienausschreibung formulierte
Ziel, die geförderten Übersetzungsprojekte möglichst im Verlauf
der Werkstatt zum Abschluß zu führen, wurde in den meisten Fällen
erreicht. Wichtiger vielleicht für die Zukunft sind die vielfältige
Information, das kollegiale Gruppenerlebnis und eine allgemeine
Bewußtseinserweiterung für den Beruf des Übersetzers.
Die Berliner Übersetzerwerkstatt
1999 war eine zukunftsorientierte Standortbestimmung.
Wieviel sie bewegt hat, das hat Barbara
Krohn vielleicht am schönsten formuliert: Bisher, so sagt sie, habe
sie immer nur im eigenen Brei gerührt, doch durch die Übersetzerwerkstatt
habe sie das Gefühl bekommen, sie stehe mitten drin - in einer Großküche.
Vielen Dank
