50 Jahre inmitten der Literatur

S-Bahn nach Arkadien

„Das Colloquium, vom Ausland aus gesehen, ist ein unersetzliches Beispiel, eine leuchtende Insel.“

Paul Nizon

Eine stattliche Auffahrt, imposantes Gebäude hinter riesigen Bäumen, repräsentatives Treppenhaus, knirschendes Parkett, Stuck, Türmchen und Arkaden, und dann der wunderschöne, „englische“ Ausblick hinab zum See – es gehört wohl zu den Pointen dieser Stadt, dass der Geist der Nachkriegsmoderne Anfang der sechziger Jahre im schmucken Ambiente einer abgewohnten Gründerzeitvilla heimisch wurde. Walter Höllerer hatte im kargen West-Berlin der frühen Mauerjahre die ansteckende Vision einer künstlerischen Produktionsstätte für Autoren, Theater- und Filmemacher entwickelt, ein Haus für Sprache und Literatur im technischen Zeitalter. Die Entdeckung eines leer stehenden Terrassenhotels in schönster Wannseelage unweit der S-Bahn erwies sich dabei als Glücksfall, denn als Gästehaus war es genauso geeignet wie für ein Autorentreffen oder das eine oder andere veranstalterische Experiment. Das „Literarische Colloquium Berlin“ (LCB), 1963 mit Fördergeldern der Ford Foundation gegründet und getragen vom Berliner Senat, wurde rasch zum Kristallisationspunkt internationaler Begegnungen und zur Bühne für die Diskussion mit dem Publikum. Tagungen der Gruppe 47, die San Francisco Poets, ein- und ausziehende Theatergruppen, Schriftsteller aus Ost und West füllten das Haus mit Leben, haben die Spuren gelegt zum Literaturbetrieb, wie wir ihn heute kennen.

Fünfzig Jahre inmitten der Literatur: Das Literarische Colloquium Berlin hat seine Rolle immer wieder neu finden und interpretieren müssen. Als Veranstaltungsforum und Gästehaus, Werkstatt und Talentschmiede für Autoren und Übersetzer spielt es heute eine bedeutende Rolle. Mit seiner traditionsreichen Zeitschrift „Sprache im technischen Zeitalter“, seinen Internetprojekten und Förderprogrammen hat es die roten Fäden der Anfänge in die Gegenwart weitergesponnen. Das LCB ist ein Ort der lebendigen Auseinandersetzung mit Literatur, eine Institution mit internationaler Ausstrahlung.

Eine Bühne für die Literatur

„Man hat es mit der Creme des deutschen Literaturpublikums zu tun.“

Ingeborg Harms, Die Zeit

Wenn das Literarische Colloquium heute zusammen mit der Gruppe 47 als Keimzelle des modernen deutschen Literaturbetriebs beschrieben wird, dann vor allem wegen seiner öffentlichen Veranstaltungen. Höllerers „Literatur im technischen Zeitalter“, jene Lesungs- und Diskussionsreihe mit Autoren wie Heimito von Doderer, Nathalie Sarraute, John Dos Passos und Ingeborg Bachmann traf den Nerv der Zeit und steht am Beginn einer Entwicklung, die die literarische Diskussion zum öffentlichen Ereignis machte. Auch heute kommen Autoren und ihre Leser im LCB zueinander, reflektieren Kritiker und Moderatoren gelesene Texte, ist man dem Literarischen auf der Spur. Thematische Reihen, Neuerscheinungen, das „Studio LCB“ mit seiner weltweiten Reichweite, Lesungen im intimen Rahmen, aber auch festlich und bunt wie beim alljährlichen Sommerfest oder bei unserer Gartenmesse „Kleine Verlage am Großen Wannsee“ – öffentliche Veranstaltungen machen das Literarische Colloquium zur Bühne für das Gespräch über Literatur. Auf www.dichterlesen.net sind viele Veranstaltungen mittlerweile auch nachhörbar.

Mit der Welt im Austausch

„Hier entstand in ungezählten Begegnungen etwas, was Goethe „Weltliteratur“ nannte: ein Netzwerk von Wahrnehmung und Anerkennung des anderen als Gleichberechtigten.“

Adolf Muschg

Das LCB wurde von Beginn an als internationale Unternehmung konzipiert. Walter Höllerer, der „begnadete Menschensammler, Anzünder von Talenten, Anstifter zur Gegenwart“ (A. Muschg) machte das Haus unweit der Schlagbäume des Kalten Krieges zum Ort der Begegnung von Ost und West, zu einem Treffpunkt von Schriftstellern und Filmemachern unterschiedlichster Herkunft und Temperamente. Diese Traditionen wirken fort, auch wenn die politischen Konstellationen heute andere sind. Die Kontakte des LCB zu den Literaturszenen in Mittel- und Osteuropa sind seit den neunziger Jahren besonders eng. alte Bande reichen in die USA., heutige Erkundungen führen nach China und Indien. Partner aus aller Welt schätzen das LCB als Vermittler deutschsprachiger Gegenwartsliteratur in Projektreihen wie „Verlagsmetropolen“ oder „Die Vielfalt des Deutschen“. Jedes Jahr treffen sich die Übersetzer deutscher Literatur aus aller Welt im LCB, knüpfen Kontakt zu Autoren, Kritikern und Verlegern dieser Stadt. Berlin als attraktiver Freihafen der Künste – auch das LCB profitiert davon, es ist selbst ein Magnet auf dem Gravitationsfeld der Literatur.

Reflexionsraum

„Wenn neben der Akademie eine Institution das literarische Leben dreier Generationen beeinflusst hat, dann war es ohne jeden Abstrich das Literarische Colloquium Berlin. Wer an dieser Feststellung zweifelt, der mag sich bei den in aller Welt lebenden Schriftstellern, Übersetzern und Zuhörern eine andere Meinung holen. Er wird keinen finden, der Am Sandwerder nicht etwas für seine literarische Bildung Bedeutsames gefunden hat.“

Michael Krüger

Das Werkstattgespräch unter Schriftstellern hat eine lange, bei der Gruppe 47 beginnende Tradition Am Sandwerder 5.  „Romananfänge“, „Sog und Suggestion“, „Die Gegenwart mitschreiben?“ - die heutigen Autorentreffen beim „Tunnel über der Spree“ haben in der Regel einen thematischen Ausgangspunkt, gehen dann über in die Diskussion neuer, unpublizierter Texte. Keine Scheu vor dem handwerklichen Detail zeigen auch die Lesungen und Werkstattgespräche zum Alfred-Döblin-Preis, jener Initiative von Günter Grass, die Autoren bei der Vollendung eines Manuskripts unterstützt. Colloquien über Lyrikkritik, Tagungen zu „Poesie und Großstadt“, zur „Poetik des Experiments“ oder den „Kulturen des Lesens“ verbinden Literatur, Kritik und Philologie, machen das LCB zum Reflexionsraum für die zeitgenössische Literatur

Talentschmiede

„Die Sagrada Familia unter den Werkstätten“

Larissa Boehning über die Prosawerkstatt des LCB

Das LCB „möchte für junge Schriftsteller etwa die Aufgaben erfüllen, die seit jeher einer Musikhochschule für angehende Musiker und einer Kunstakademie für werdende bildende Künstler zufallen. Wir glauben beileibe nicht, daß man mit dem Einpauken von Regeln Talent ersetzen oder Genie züchten kann, aber wir hoffen, daß man durch intensive Arbeit mit Schriftstellern begabten und interessierten jungen Menschen Anregungen, und möglicherweise sogar Anleitungen für ihre schriftstellerische Entwicklung vermitteln kann.“  Schon diese 1963 an Nicolas Born adressierte Einladung formuliert die Ambition des LCB, Autoren gerade am Anfang ihrer schriftstellerischen Entwicklung durch kritische Begleitung zu fördern. Die Prosawerkstatt 1963/64 mit ihrem Gemeinschaftsroman „Das Gästehaus“ (und Bewohnern wie Hubert Fichte, Hermann Peter Piwitt, Hans Christoph Buch, Peter Bichsel und Elfriede Gerstl) machte den Anfang, es folgten Werkstätten zum Dramenschreiben, später auch für Hörspielautoren und Übersetzer. Die „neue“ Prosawerkstatt nahm 1997 ihren Anfang und wurde beflügelt von einer Vielzahl von Erfolgen: Georg Klein und Judith Hermann, Inka Parei und Sherko Fatah, Rainer Merkel und David Wagner, Zsuzsa Bánk und Thomas von Steinaecker und viele andere zählten zu den Teilnehmern. Parallel dazu beleben Übersetzer fremdsprachiger Literatur ins Deutsche die Herbstwochenenden im Colloquium. Die Übersetzerwerkstatt des LCB gilt als Vorzeigeprojekt einer praxisnahen, am Deutschen als Literatursprache orientierten Übersetzerfortbildung.

Im Bergwerk der Sprache: Übersetzer

„Wichtig ist es nicht, dem Volk aufs Maul zu schauen (…)-: wichtig ist, sich selber aufs Maul zu schauen.“

Klaus Reichert bei der LCB-Übersetzertagung 1966

„Sollte man nicht die Übersetzung einmal versuchsweise als eine eigene literarische Gattung auffassen?“ Ein kluger Gedanke, 1966 von Friedhelm Kemp auf der ersten Übersetzertagung im LCB ausgesprochen. Die Reihe „Ein Gedicht und sein Autor“ bot den Anlaß für eingehende Erörterungen in diese Richtung, und sie fielen in eine Zeit, als sich die Übersetzerszene in Deutschland zu formieren begann. Wegen seiner internationalen Ausrichtung ist das Übersetzungsthema seit je virulent im LCB. Übersetzer spielen eine stetig wachsende Rolle in den Programmen: Werkstätten, Seminare, Deutsch-Polnische und Deutsch-Arabische Workshops, Symposien wie „Im Bergwerk der Sprache“ haben Diskussionen über die Geschichte der deutschen Literatursprache angestoßen, Spielräume und Elemente der Übersetzungskunst ausgelotet und dabei den Sinn der literarischen Öffentlichkeit geschärft für die Spezifik übersetzter Texte. Mit der Gründung des Deutschen Übersetzerfonds ist das LCB seit 1997 Sitz einer bundesweit agierenden Institution, die sich allein der Förderung der Übersetzungskunst widmet. Dazugekommen sind seit 2000 zahlreiche Initiativen zur Förderung der Übersetzer deutschsprachiger Literatur aus aller Welt. Die „Sommerakademie“ im August und das Internationale Übersetzertreffen im März, dazu die Aufenthaltsstipendien der S. Fischer Stiftung und der Robert Bosch Stiftung haben das LCB über die Jahre zum Zentrum für die internationale Vermittlung deutscher Literatur gemacht.

Gästehaus

„Manchmal verließ ich spätabends mein Zimmer und ging in das verlassene Erdgeschoss hinunter. Beim Knarren des Holzbodens traten die bleichen Umrisse der Gestalten auf den Fotos aus den Wänden hervor. Ich machte kein Licht. So unauffällig wie möglich bahnte ich mir einen Weg durch den leeren Saal. Ich fand immer einen Stuhl am Fenster und lauschte den Geschichten, die mir die dichtgedrängten Geister der Schriftsteller, jeder seinen unendlichen Monolog vor sich hinbrummend, diese Nacht anzudrehen versuchten.“

Aleš Šteger

Das LCB-Gästehaus mit seinen 11 Zimmern beherbergt die Protagonisten unserer Veranstaltungen und die Stipendiaten – und weiß viele Geschichten zu erzählen. Die Einladungspolitik für die längeren Arbeitsaufenthalte wird im Großen und Ganzen durch Stipendienprogramme strukturiert. Stipendien des Berliner Senats etwa ermöglichen seit den achtziger Jahren die Einladung junger deutschsprachiger Autorinnen und Autoren für mehrere Monate – in der Regel der Beginn enger Beziehungen zur Institution und ihrer Mitarbeiter. Über das Auswärtige Amt und einzelne Partner wie die Taiwan Literature Foundation kommen internationale Gäste dazu, ergänzt um die Übersetzer-Stipendiaten der S. Fischer Stiftung und der Robert Bosch Stiftung. Das Haus bietet Ruhe und Anregung zugleich, die Gelegenheit zum Austausch, dazu bequemen Anschluss an die Großstadt. Gute Voraussetzungen für das Entstehen von Literatur offenbar – in literarischen Texten, aber auch in Selbstzeugnissen und Briefen von Koeppen bis Bolaño kann man, manchmal überraschend und mit großem zeitlichem Abstand, diesen Spuren nachgehen.

Feste Beziehungen

„Die Fragen stellt der Ort.“

Burkhard Spinnen über seine Recherchen als „Grenzgänger“ in Bosnien und Kroatien.

Das LCB pflegt enge Kooperationen mit verschiedenen Partnern, die in langjährige Gemeinschaftsprojekte gemündet sind. Zu den gemeinsam mit der Leipziger Buchmesse entwickelten Projekten gehören Veranstaltungen wie das „Autorenspecial“, die „Prosaprognosen“ und vor allem der seit 2005 in drei Kategorien vergebene „Preis der Leipziger Buchmesse“. Das  „Grenzgänger“-Stipendienprogramm der Robert Bosch Stiftung unterstützt Autoren bei Recherchen für grenzüberschreitende Publikationsprojekte in den Ländern Mittel- und Osteuropas und Nordafrikas. Romane wie Herta Müllers Die Atemschaukel oder Olga Grjasnowas Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt, die Dokumentarfilme von Vadim Jendreyko (Die Frau mit den 5 Elefanten) und Jakob Preuss (The Other Chelsea), Fotoarbeiten von Frank Gaudlitz und Andrea Diefenbach erhielten dadurch entscheidende Impulse. Im LCB laufen hierfür die organisatorischen Fäden zusammen: Jury, Betreuung der Stipendiaten, Förderung von „Grenzgänger“-Veranstaltungen. Die Kooperationen mit dem Auswärtigen Amt ermöglichen die Vermittlung deutscher Literatur weltweit – durch Projekte wie die „Verlagsmetropolen“ und die „Sommerakademie“, neuerdings auch durch Initiativen in China. Die Organisation des Deutsch-Italienischen Übersetzerpreises legt der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien in die Obhut des LCB. Mit der Allianz Kulturstiftung werden internationale Autorenbegegnungen wie „European Borderlands“, die Festivalreihe für junge Literatur aus den EU-Grenzländern, oder das Mittelmeerprojekt „Das weisse Meer“ realisiert.  Eng und stetig ist die Zusammenarbeit mit der Stiftung Pro Helvetia und dem Literaturfestival Leukerbad bei der Präsentation und Übersetzung Schweizer Autoren. Stipendienprogramme der S. Fischer Stiftung, des Auswärtigen Amts und des Goethe-Instituts bringen internationale Gäste ins Haus. Ein Langstreckenlauf ist „Studio LCB“, die seit 1990 monatlich im LCB aufgenommene und im Deutschlandfunk ausgestrahlte Literatursendung.

Sprache im technischen Zeitalter

„Die Zeitschrift bewahrt die Kultur der literarischen Diskussion und öffnet ihre Tür zugleich weit für junge Autorinnen und Autoren einer neuen Generation.“

Aus der Begründung für den Hermann-Hesse-Preis 2006

Die Eingeweihten nennen sie kurz: Spr.i.t.Z. (mit oder ohne Abkürzungspunkte). Aber die Beschäftigung mit „Sprache im technischen Zeitalter“, so sperrig der Titel in seiner Langform auch klingt, ist heute so notwendig wie 1961, als Walter Höllerer ihn erfand: In unserer von Technik bestimmten Gegenwart prägen die Informations- und Kommunikationsmedien alle Bereiche des Lebens immer stärker, werden immer wichtiger, unvermeidbar. Aneignung von Wirklichkeit ist Aneignung von Sprache. Die Zeitschrift „Sprache im technischen Zeitalter“ kann ihrem Anspruch daher - auch in der Literatur - nur genügen, wenn sie empfindlich auf die Sprach- und Wirklichkeitsprobleme reagiert. Dabei bleiben die aktuelle Literatur, ob deutschsprachig oder international, und ihre Diskussion in der Literaturwissenschaft weiterhin der wesentliche Bestandteil jeder einzelnen Ausgabe. Die „Spritz“ wird von Norbert Miller und Joachim Sartorius herausgegeben und erscheint vierteljährlich.

Schnittstellen - das LCB im digitalen Zeitalter

„Der „Literaturport“ bietet Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Berlin und Brandenburg einen kleinen, aber komfortabel ausgestatteten Liegeplatz im Web und öffnet deren Werke zugleich auf unkonventionelle Weise für interessierte Leser. Hier gelingt es, eine fokussierte, webgerecht konzipierte Schnittstelle zwischen Autoren und Lesern zu schaffen, von der beide Seiten gleichermaßen profitieren.“

Aus der Jurybegründung zum Grimme Online Award 2008

lcb.de - eine einprägsame Webadresse hat das LCB schon lange, die Möglichkeiten des Internets aber gaben den Anstoß zu weitergehenden Initiativen. Der Literaturport, gemeinsam mit dem Brandenburgischen Literaturbüro aus der Taufe gehoben, ging 2006 an den Start.

Der Literaturhafen im Internet bietet unter literaturport.de ein Gegenwarts-Autorenlexikon (autorisierte Einträge von 1200 Schriftstellern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz), ein Archiv der Literaturlandschaft Berlin-Brandenburg, einen Navigator durch die Preise und Stipendienangebote im Literaturbereich, über 500 Hörproben aus aktueller Literatur sowie einen Kalender für literarische Veranstaltungen in Berlin und Umgebung. In der Rubrik „Literatouren“ laden Schriftsteller aus Berlin, Brandenburg und dem Ruhrgebiet zu Spaziergängen durch ihre Region in Text, Bild und Ton ein. 2008 wurde das Portal mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Seit 2011 ist lesungen.net online - das Onlineportal zum Tonarchiv des LCB und anderer Veranstalter wie den Literaturhäusern in Basel und Wien. Unzählige Tonaufnahmen mit Wortschätzen von Günter Grass, Richard Ford, Oskar Pastior, Christa Wolf, Salman Rushdie, Ilse Aichinger, Thomas Kling, Max Frisch oder Martin Walser werden seither digitalisiert und auf der Website abrufbar gemacht – ein Literaturarchiv zum Nachhören, ermöglicht durch die Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes, des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie die S. Fischer Stiftung.

Die Übersetzer deutscher Literatur aus aller Welt sind auf www.uebersetzercolloquium.de miteinander vernetzt – mit Informationen über Stipendien und Weiterbildungen, einem integriertem Übersetzerverzeichnis und einem gut genutzten E-Mailforum.

Das Haus und seine Bewohner – die Vorgeschichte

„Küche und Keller waren vorzüglich, die Zigarren standen offen zum Gebrauch, und mein Gastgeber war ein reizender Mensch, der außerdem jeden Morgen in die Stadt fuhr und erst gegen Abend zurückkam.“

Carl Zuckmayer

Zu Beginn der 1880er Jahre erwirbt Baurat Robert Guthmann, Zementfabrikant und Besitzer eines Kalksteinwerks, das Seegrundstück in der Villenkolonie Wannsee und lässt von den Architekten Kayser & von Groszheim 1885 eine Villa errichten – den backsteinernen Wunschtraum der Gründerzeit. Nach dem Tode Guthmanns 1924 vermietete dessen Enkel und Erbe, Hans Georg von Morgen – er selbst bewohnte wohl u.a. das „Turmzimmer“ –  Teile des Hauses an den Bankier Dr. Ernst Goldschmidt, einen Vetter der Mutter Carl Zuckmayers. Der Dramatiker schrieb in diesem „Schloß am Wannsee“, wie er es nannte, im Sommer 1925 seinen „Fröhlichen Weinberg“. Später zog der Industrielle Ernst Possel ein – für wenige Jahre nur, denn er stand den Nazis fern und verließ Deutschland 1938. 1934 kaufte Prof. Paul Otto Rosin (1890-1967) das Anwesen, der 1935 nach England emigrierte und enteignet wurde (und das Haus nach einem Rückerstattungsverfahren 1953 zurückerhielt).  In den folgenden Jahren wechselten die Eigentümer in rascher Folge, 1942 wird der „Kriegsfiskus“ als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen. Das Haus wird bis zum Kriegsende von der Reichsmarine genutzt. In dieser Zeit ist das ehemalige Garten-Atrium überdacht worden; dabei ist der heutige Veranstaltungsraum entstanden. 1945 nehmen zunächst amerikanische Militärs Quartier Am Sandwerder 5, schon bald danach öffnet das „Casino-Hotel am Wannsee“ seine Pforten. Als prominenter Gast wohnt Anna Seghers, zurück aus dem mexikanischen Exil, 1947 für einige Monate im „Casino“. Der Hotelbetrieb – Postkarten aus den fünfziger Jahren zeigen, daß auch das angrenzende Haus Am Sandwerder 3 mitbewirtschaftet wurde – scheint im Lauf der Jahre immer schlechter gelaufen zu sein; die Eigentümerin verkauft das Anwesen 1960 an das Land Berlin. Das etwas verwohnte Gebäude wird in den Jahren danach wieder hergerichtet. 1962 tagt die Gruppe 47 im „Alten Casino“, 1963 schließlich wird das Haus zum Gründungsort und Sitz des Literarischen Colloquiums.

Ein Ort zum Tagen und Empfangen

Das LCB finanziert sich zum großen Teil aus öffentlichen Geldern. Die institutionelle Förderung des Berliner Senats bildet das Fundament, dazu kommen Projektgelder verschiedener Partner und die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Vermietungen. Informationen zur Zimmer- und Hausvermietung, über das LCB als Tagungsort und Filmlocation sind bei Corinna Ziegler (Tel. 030 – 81 69 96 20, ziegler@lcb.de) zu erfahren.

Impressum

Dr. Ulrich Janetzki, Geschäftsleiter
janetzki@lcb.de

Kerstin Lammers, Sekretariat des Geschäftsleiters, Projekte
Tel.: +49(0)30 - 816 996-38, Mail: lammers@lcb.de,

Jürgen Jakob Becker, Stellvertretender Geschäftsleiter. Programm / Übersetzerförderung. Geschäftsführer des Deutschen Übersetzerfonds.
Tel.: +49 (0) 30 - 816 996-25,  Mail: becker@lcb.de

Thomas Geiger, Programm / „Sprache im technischen Zeitalter"
Tel: +49 (0) 30 - 816 996-13, Mail: geiger@lcb.de

Thorsten Dönges, Programm
Tel: +49 (0) 30 - 816 996-11, Mail: doenges@lcb.de

Inga Niemann, Grenzgänger, Preis der Leipziger Buchmesse
Tel: +49 (0) 30 - 816 996-64, Mail: niemann@lcb.de

Nadja Grabsch, Lesungen.net, Grenzgänger-Veranstaltungen, Übersetzerstipendien der Robert Bosch Stiftung
Tel: +49 (0) 30 - 816 996-33, Mail: grabsch@lcb.de

Claudia Schütze, Literaturport.de
Tel: +49 (0) 30 - 816 996-34, Mail: schuetze@literaturport.de

Solveig Bostelmann, Lesungen.net und Literaturport.de
Tel: +49 (0) 30 - 816 996-15, Mail: bostelmann@lcb.de

Mandy Seidler, Deutsch-Chinesisches Schriftstellertreffen, Das weiße Meer
Tel. +49 (0) 30 - 816 996-15, seidler@lcb.de

Corinna Ziegler, Hausmanagement, Fremdveranstaltungen
Tel.: +49 (0) 30 - 816 996-20, Mail: ziegler@lcb.de

Christine Wagner, Finanzen
Tel. +49 (0) 30 - 816 996-18, Mail: wagner@lcb.de

Alexandra Küchner, Buchhaltung
Tel.: +49 (0) 30 - 816 996-10, Mail: kuechner@lcb.de

Olaf Rode, Hausmeister
Tel.: +49 (0) 30 - 816 996-0, Mail: rode@lcb.de

Barbara Kopsch, Haus und Gästeversorgung
Tel.: +49 (0) 30 - 816 996-0, Mail: kopsch@lcb.de

Verein

Das Literarische Colloquium Berlin ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein.

Dr. Ingo Fessmann
Vereinsvorsitzender und Geschäftsführender Direktor

Dr. Wolfgang Haus
Vorsitzender des Kuratoriums

Zum Jubiläum im Mai 2013 geben wir unter dem Titel „S-Bahn nach Arkadien. Das Literarische Colloquium Berlin in Wort und Bild“ im Verlag Matthes & Seitz Berlin einen von Judith Schalansky gestalteten Band (19,90 Euro) heraus, der neben einem großen Fototeil ein Wörterbuch des LCB und des Literaturbetriebs enthält,  zu dem viele Autoren und Übersetzer beigetragen haben. Die vorliegende Broschüre enthält wie der Jubiläumsband zahlreiche Fotos von Tobias Bohm sowie von Renate von Mangoldt, die das LCB ab 1964 fotografisch begleitet hat. Eine Werkschau ihrer Arbeiten aus 50 Jahren ist soeben im Steidl Verlag erschienen (Renate von Mangoldt: „Autoren, Fotografien 1963-2012“; 544 Seiten, 38 Euro).

Bildnachweis: Renate von Mangoldt: S. 04 (Ellis/Scheck, Aichinger, Lentz, Müller/Höllerer); S. 06 (Koreaner, Achebe); S. 08 (Gruppe 47); S. 10 (Prosaschreiben, Autorenwerkstatt); S. 12 (Bonnefoy/Kemp); Tobias Bohm: alle Ansichten von Haus und Garten; S. 04 (Tabucchi/Albath, Kennedy/Robben); S. 08 (Tunnel über der Spree); S. 12 (Erpenbeck, Schmidt-

Henkel/Goldschmidt, Tang/Huang); S. 14 (Schischkin, Denemarkova, Kehlmann, O’Nan), S. 16 (Nadj Abonji, Grjasnowa, Wagner); S. 20 (Rammstedt, Franck, Hermann, Böttcher); Jürgen Jakob Becker: S. 06 (Schalansky/Stein); Zu Gast in L´viv (S. 06) und Casino-Hotel (S. 22): Fotograf/in unbekannt.

Der kursive Text auf S. 13 ist zitiert aus Aleš Šteger: Preußenpark. Berliner Skizzen.
Aus dem Slowenischen von Ann Catrin Apstein-Müller. Suhrkamp Verlag 2009

Text: Jürgen Jakob Becker; Gestaltung: Steffen Kalauch; Druck: Druckerei Javitz, Berlin

Alle Rechte vorbehalten. © Literarisches Colloquium Berlin; Stand: Mai 2013; www.lcb.de

Ausstellungen

Urbans Orbit – Einblicke in den Nachlass eines Übersetzers | Ausstellung. 20. Oktober 2017 – 9. Februar 2018

Tina Brenneisen: Das Licht, das Schatten leert - 08. Juli - 13. Oktober 2017

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dichterlesen.net

Zeitschrift

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DAS WEISSE MEER. Literaturen rund ums Mittelmeer

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