LCB-Programmarchiv

LCB-Veranstaltungen 06/2011

LCB-Programm 06/2011 als PDF

Montag
Juni
10.00 bis 18.00 Uhr
06.06.2011

„Feinste Koloraturen des Sinns“ – Von Präpositionen und Interjektionen
Eine ganztägige und sprachübergreifende Fortbildung für literarische Übersetzer und andere Interessierte.

Mit Beiträgen von Hajo Bopst und Joachim Kalka
Moderation: Gabriele Leupold und Eveline Passet

 

Botho Strauß nennt die Interjektionen „unwillkürliche Hupfer des Gemüts in den Mund“. Bei einem verfeinerten Spiel von Stimme und Stimmung lasse sich z.B. mit einem Hm „alles das herausholen, wozu andere viele Worte gebrauchen“, jeder Affekt vertonen. Ihnen, diesen Empfindungswörtern, wie sie auf Deutsch heißen, scheinen die Präpositionen – die Verhältniswörter – diametral entgegengesetzt. Ihre Funktion besteht in der Herstellung logisch-grammatischer Beziehungen, weshalb ihre semantischen Modulierungsmöglichkeiten oft unterschätzt werden. Doch welcher Subtext scheint nicht auf, wenn es beispielsweise heißt: „Wir trösten zu Akzeptanz“! Hajo Bopst, Sprachwissenschaftler aus Germersheim mit Schwerpunkt Interkulturelle Germanistik, spürt in seinem Vortrag den Ausdrucksmöglichkeiten der Präpositionen und ihrem Bedeutungswandel im Lauf der Jahrhunderte nach. Die seltsame Geschichte der fortdauernden und der untergegangenen Interjektionen erzählt der Beitrag von Joachim Kalka, seines Zeichens Kritiker und Literaturübersetzer.

Der Eintritt ist frei, 10 Euro Unkostenbeteiligung für einen Mittagsimbiss und Getränke sind vorgesehen. Anmeldung per Mail erbeten an becker@lcb.de oder Fax 030-81699619. Gefördert aus Mitteln der Kulturverwaltung des Berliner Senats.

Mittwoch
Juni
20.00 Uhr
15.06.2011

Studio LCB
Lesung: Clemens J. Setz

Gesprächspartner: Jens Bisky und Jutta Person
Moderation: Hubert Winkels

Clemens Setz © Simon Beck

Der Österreicher Clemens J. Setz ist achtundzwanzig Jahre alt und darf als interessantester jüngerer Erzähler der deutschsprachigen Literatur gelten. Etliche Kenner wussten um die Qualitäten des komplex und sprachlich furios operierenden Prosadichters seit Setz´ umfangreichem Roman „Die Frequenzen“. Doch spätestens mit seinem Erzählungsband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ (Suhrkamp), der in diesem Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen hat, ist der Name Clemens J. Setz ein Versprechen auf sprachlich gebannten Schrecken. Denn verlässlich, komfortabel, plausibel sind seine achtzehn sehr unterschiedlichen und unterschiedlich langen Geschichten nicht. Sie beben vor Horror und Hass, von Zärtlichkeit und Bosheit, vom Einbruch des Phantastischen und manchmal des blauen Wunders. Auch in der kurzen Form präsentiert sich Setz als scharfer Beobachter der menschlichen Natur und emphatischer  Porträtist ihrer Eigenarten.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: Samstag, 25. Juni 2011 20:05 Uhr.
Sendefrequenzen unter: www.dradio.de/dlf/frequenzen/
Eintritt 6 € / 4 € *

Donnerstag
Juni
20.00 Uhr
16.06.2011

Europäische Erzähler
Michail Schischkin in Lesung und Gespräch

Moderation: Andreas Tretner

Michail Schischkin © Tobias Bohm

Michail Schischkins Roman „Das Venushaar”, der in diesem Frühjahr in der DVA erschienen ist, nimmt seine Leser mit in die Schweizer Einwanderungsbehörde und rührt dabei an einige der aktuellen Konflikte und Probleme unseres Kontinents. Auf die Frage „Weshalb bitten Sie um Gewährung von Asyl in der Schweiz”, die der Erzähler, der sich schlicht der Dolmetsch nennt, immer und immer wieder ins Russische übersetzen muss, gibt es viele Antworten. Und viele dieser Antworten sind Geschichten von Grausamkeit, Angst und Schrecken. Was ist hier wahr? Was ist erfunden, um die Chancen auf Asyl zu steigern? Zwischen all diese Geschichten mischen sich andere Stränge und Paralleltexte, Zitate, Briefe, Dialoge und Episoden. Schischkins Roman ist ein souverän komponiertes Erzählkunstwerk, drastisch, vielstimmig und mitreißend. Der Autor wurde 1961 in Moskau geboren, seit 1995 lebt er in der Schweiz. Für seine literarischen Werke wurde er vielfach ausgezeichnet. Den Abend moderiert sein Übersetzer Andreas Tretner, der „Das Venushaar” virtuos und mit großer sprachschöpferischer Kraft ins Deutsche übertragen hat.

Eintritt 6 € / 4 € *

Montag
Juni
20.00 Uhr
20.06.2011

Im Schneckenhaus der Biographien
Czesław Miłosz zum 100. Geburtstag

Podiumsdiskussion und Lesung mit Tadeusz Dabrowski, Doreen Daume und Ulrich M. Schmid
Moderation: Manfred Sapper

Czeslaw Milosz © Renate von Mangoldt

„Sein sprödes, für Kenner schönes, für Unempfindliche hermetisches, für Fremde erst recht fremdes Polnisch erscheint wie eine schichtenreiche geologische Formation, in der Jahrhunderte polnischer Kultur ihr Beständiges abgelagert haben“, schreibt 1979 Karl Dedecius über Czesław Miłosz' lyrische Sprache, um sodann zu dem Schluss zu kommen, diese Sprache sei „nicht selten unübersetzbar“. 1980 erhielt Czesław Miłosz für sein lyrisches Gesamtwerk den Literaturnobelpreis, doch das Verdikt des berühmten Polnischübersetzers wurde in Deutschland drei Jahrzehnte lang nicht revidiert. Während in Polen und in den angelsächsischen Ländern Czesław Miłosz als "der größte Dichter des 20. Jahrhunderts" gefeiert und als Vorbildfigur bedeutender englischsprachiger Lyriker verehrt wird, fand Milosz' Lyrik hierzulande, auch im Unterschied zu der anderer zeitgenössischer polnischer Dichter, kaum Resonanz. Er wird vielmehr als ein osteuropäischer Intellektueller, Essayist, Prosaschriftsteller und Autor solcher Bücher wie Verführtes Denken (1953), Tal der Issa (1957), West- und östliches Gelände (1961) wahrgenommen.  Ebenso wenig ist bekannt, dass Miłosz, der seit 1951 im Exil lebte und immer auf Polnisch schrieb, selber sehr viel übersetzte – englischsprachige Lyrik ins Polnische, polnische Lyrik ins Englische, aber etwa auch die Bibel neu ins Polnische übertrug. Woran liegt diese Diskrepanz in der Rezeption Milosz'? Wie lässt sich die deutsche Rezeptionsgeschichte seines Werks fassen? Welche Rolle spielt in der Miłosz-Rezeption die Übersetzung - nicht nur die Qualität, sondern vielmehr der Zeitpunkt der Veröffentlichung? Über die heutige Wirkung von Miłosz' Werk bei uns diskutieren Doreen Daume, die Übersetzerin des Spätwerks von Miłosz (Hündchen am Wegesrand 2000; Mein ABC. Von Adam und Eva bis Zentrum und Peripherie 2002; DAS und andere Gedichte 2004), Tadeusz Dąbrowski, polnischer Lyriker jüngerer Generation (zuletzt auf Deutsch erschienen:  Schwarzes Quadrat auf schwarzem Grund. Zweisprachig. Übersetzt von Andre Rudolph, Alexander Gumz und Monika Rinck. luxbooks, Wiesbaden, 2010) und Ulrich M. Schmid, Literaturwissenschaftler, Professor für Gesellschaft und Kultur Russlands an der Universität St. Gallen und Autor mehrerer Essays über Czesław Miłosz. Das Gespräch moderiert  Manfred Sapper, Chefredakteur der Monatszeitschrift OSTEUROPA.

In Zusammenarbeit mit der Weltlesebühne e.V. und dem Polnischen Institut Berlin.
Eintritt 6 € / 4 €
*

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Dienstag
Juni
20.00 Uhr
21.06.2011

Jugendkraft und Tütenbier. Ein finnischer Abend
Lesung: Kaisa Ijäs, Laura Lindstedt, Jarkko Tontti, Katariina Vuorinen und Mikko Rimminen

Moderation und Lesung der Übersetzungen: Kaisa Kaakinen, Hanna Lemke, Judith Schalansky und  David Wagner

Laura Lindstedt © Jürgen Jakob Becker

Mit dem Namen „Nuori Voima” („Jugendkraft”) verbindet man in  Finnland eine altehrwürdige literarische Gesellschaft (Gründungsjahr 1908), die sich mit ihren Aktivitäten  –  einer gleichnamigen Literaturzeitschrift, Autorenworkshops, Veranstaltungsreihen – neu erfunden und zum Anziehungspunkt für junge Autoren entwickelt hat. Im vergangenen Jahr war „Nuori Voima” unser Partner bei den „Verlagsmetropolen”-Veranstaltungen in Helsinki; fünf deutsche Autoren wurden damals in Helsinki präsentiert. Zehn finnische Autoren haben sich nun auf eine Deutschlandtour gemacht; am 20. und 21. Juni machen sie Station in Berlin. Den ersten Abend (20.6.) im Finnland-Institut (Georgenstraße 24, 10117 Berlin, Beginn 19 Uhr) bestreiten  Aina Bergroth, Pauliina Haasjoki, Katja Kettu, Aki Salmela und Eino Santanen. Im LCB stellen wir Kaisa Ijäs, Laura Lindstedt, Jarkko Tontti, Katariina Vuorinen und Mikko Rimminen dem Berliner Publikum vor.  Mikko Rimminen trat mit seinem „Tütenbierroman” (KiWi 2007) in deutscher Übersetzung schon hervor, die anderen werden den deutschen Lesern erstmals vorgestellt. Die Literaturwissenschaftlerin Kaisa Kaakinen und die Autoren Hanna Lemke, Judith Schalansky und David Wagner – sie alle waren bei den Veranstaltungen in Helsinki dabei – stellen die finnischen Kollegen vor.

Eintritt frei *

Freitag
Juni
ab 17 Uhr
24.06.2011

„Grenzgänger“ –  Ein Lese-, Hör-, Film- und Foto-Abend im LCB
Mit Guy Helminger, Esther Kinsky, Olaf Kühl, Irina Liebmann, Ingo Petz, Wolfgang Schlüter, Jakob Preuss, Dagmar Brendecke, Walter Brun, Heike Hoffmann, Andrea Diefenbach und Ernest Wichner

Moderatoren: Frank Meyer, Jenny Friedrich-Freksa, Jörg Plath, Jörg Magenau

 

Seit 2004 gibt es das „Grenzgänger“-Programm der Robert Bosch Stiftung, seit 2005 in Kooperation mit dem LCB. Autoren, die für eine Publikation in den Ländern  Mittel-, Ost- und Südosteuropas recherchieren möchten, bietet das „Grenzgänger“-Stipendium die Gelegenheit zu reisen und Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln. Über 100 Stipendiaten haben schon Reisen gen Osten angetreten, und aus der Fülle ihrer Erkenntnisse und Entdeckungen sind spannende Bücher, Filme und Radiobeiträge entstanden.  Und höchst erfolgreiche: Romane wie „Die Atemschaukel” (Herta Müller), „Tauben fliegen auf” (Melinda Nadj Abonji), die Dokumentarfilme von Volker Koepp („Söhne”) und Vadim Jendreyko („Die Frau mit den 5 Elefanten”) und viele andere Projekte erhielten große Auszeichnungen.

Unser „Grenzgänger“-Tag stellt neue Projekte vor: Autoren lesen aus ihren Texten, Regisseure zeigen Filme, Fotografen ihre Bilder, Hörstücke können an einer Hörstation „abgehört“ werden. In moderierten Gesprächen werden die „Grenzgänger“ zudem von ihren Erlebnissen berichten und Einblicke geben in die von ihnen bereisten Regionen.

Im Saal

17:00 Uhr
Andrea Diefenbach präsentiert ihre Fotoserie „Land ohne Eltern“ » mehr
17:45 Uhr
Ingo Petz liest aus „Wo bitte geht’s nach Belarus?“ Moderation: Jörg Magenau » mehr
18:30 Uhr
Wolfgang Schlüter liest aus „Die englischen Schwestern“ Moderation: Jörg Plath » mehr
19:15 Uhr
Dagmar Brendecke, Walter Brun und Heike Hoffmann präsentieren den geplanten Dokumentarfilm über die Familiengeschichte Stefan Litwins » mehr
20:00 Uhr
Jakob Preuss zeigt seinen Dokumentarfilm „The other Chelsea“. Moderation: Jörg Magenau » mehr

Im Erkerraum

17:00 Uhr
Ernest Wichner berichtet von den Recherchen zu Herta Müllers „Atemschaukel“ und zeigt Fotos von der gemeinsamen Reise » mehr
17:45 Uhr
Irina Liebmann liest aus ihrem Manuskript „KASAN, KASAN, NUR NACH KASAN!“ Moderation: Jenny Friedrich-Freksa » mehr
19:15 Uhr
Guy Helminger liest aus „Neubrasilien“. Moderation: Frank Meyer » mehr
20:00 Uhr
Esther Kinsky liest aus „Banatsko“. Moderation: Jenny Friedrich-Freksa » mehr
20:45 Uhr
Olaf Kühl liest aus „Tote Tiere“. Moderation: Jörg Plath » mehr

Bei gutem Wetter werden – sofern möglich – einige Veranstaltungen nach draußen verlegt.

Weitere Details zum Programm

In Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung.
Eintritt 6 € /4 €
*

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Dienstag
Juni
20 Uhr
28.06.2011

Hausgäste

Shufen Tsai (Taipeh), Hung Hung (Taipeh) und Vanessa F. Fogel (Tel Aviv) in Lesung und Gespräch

Vanessa F. Fogel © Meirav Basson

Nach der Renovierung unserer Gästezimmer sind nun wieder Autorinnen und Autoren aus aller Welt zu Gast im LCB. Drei von ihnen stellen wir heute vor. Das Romandebüt der 1981 in Frankfurt am Main geborenen, in Tel Aviv lebenden Schriftstellerin Vanessa F. Fogel ist im vergangenen Jahr unter dem Titel „Sag es mir” in deutscher Übersetzung bei weissbooks erschienen. Es erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich als Enkelin von Überlebenden der Shoa in Tel Aviv, New York, Berlin und im polnischen Czelad auf die Suche nach ihrer Herkunft macht. Die Romane der Taiwanesin Shufen Tsai nehmen die gesellschaftlichen Verhältnisse und Schwierigkeiten in ihrer Heimat in den Blick, ihr zuletzt erschienener Roman „Festessen bei Kerzenschein” ist ein vielschichtiges Raum-Zeit-Geflecht vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen Taiwan und Festlandchina. Hung Hung, ebenfalls ein Gast aus Taiwan, gehört zu den wichtigsten Protagonisten der literarischen Szene der Insel. Er ist Lyriker, Herausgeber und Mitveranstalter eines Poesiefestivals. Außerdem schreibt er Kurzgeschichten, macht Filme und ist ein großer Bewunderer Heinrich von Kleists, dessen „Käthchen von Heilbronn” er auf die Bühne gebracht hat.

Eintritt frei *

Ausstellung

»Was uns verbindet« | Mila Teshaieva | Ausstellung: 31. Mai bis 25. August 2018

Portale

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Zeitschrift

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Krieg im Frieden. Internationales Dramatiker*innenlabor

DAS WEISSE MEER. Literaturen rund ums Mittelmeer

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