LCB-Programmarchiv

LCB-Veranstaltungen 09/2013

LCB-Programm 09/2013 als PDF

Dienstag
September
20.00 Uhr
03.09.2013

Das Ich auf der Bühne.
Zu Witold Gombrowiczs „Tagebuch 1953-1969“

Diskussion und Lesung mit Olaf Kühl und Klaus Völker
Moderation: Dorota Stroińska

Witold Gombrowicz © Leonore Mau

1963 verlässt Witold Gombrowicz nach über 23 Jahren Argentinien und kommt als einer der ersten Stipendiaten der Ford Foundation nach Berlin (West). Walter Höllerer lädt ihn ins neu gegründete LCB ein, wo gerade die erste Autorenwerkstatt stattfindet. Der große polnische Schriftsteller wirkt auf seine Zeitgenossen exzentrisch, bizarr, theatralisch. In seinem Tagebuch verarbeitet er sein Leben im Exil und seine eigenen Fremdheitserfahrungen – auch die Monate in Berlin. Dabei lockt er den Leser nicht mit intimen Bekenntnissen, sondern zieht ihn in den Boxring seiner intellektuellen Rauflust. Das ist ebenso provozierend wie unterhaltend zu lesen. „Ich bin das Aspirin, das Krämpfe löst“, schreibt er dazu. Gombrowiczs Tagebuch ist aber ebenso die literarische Setzung einer charismatischen Figur:  „Montag, Ich. Dienstag, Ich. Mittwoch, Ich. Donnerstag, Ich.“ Doch wer ist dieses Ich, das wie in diesen berühmten ersten Zeilen auf der Bühne des Tagebuchs spricht? Mit welchen Masken und in welchen Rollen spielt es vor dem Leser? Und warum? Über den dramatischen Gehalt des Tagebuchs und über das schauspielerische Talent, das bei seiner Übersetzung nötig ist, über das Übersetzen als ästhetische Praxis und als Neuinszenierung eines literarischen Textes diskutieren Klaus Völker, Dramaturg und Theaterhistoriker und Olaf Kühl, literarischer Übersetzer und Schriftsteller. Das Gespräch moderiert die Literaturübersetzerin Dorota Stroińska.

Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der Weltlesebühne e.V. und dem Polnischen Institut Berlin. Gefördert von der Robert Bosch Stiftung GmbH.
Eintritt 6 € / 4 €
*

Donnerstag
September
20.00 Uhr
12.09.2013

Die Schlaflosen
Lesung: Ulrike Kolb

Moderation: Ingo Schulze

Ulrike Kolb

Unter Insomnie werden medizinisch die verschiedenen Formen der Schlaflosigkeit zusammengefasst. Es gibt unzählige Gründe, warum Menschen nicht oder nur schlecht schlafen können. Das können Einflugschneisen sein, aber auch psychische und physische Anomalien. Betroffene können nicht mehr arbeiten, etliche leiden so, dass sie behandelt werden müssen. In Ulrike Kolbs neuem Roman „Die Schlaflosen“ (Wallstein) kommt eine ganz heterogene Gruppe von Betroffenen in einem Anwesen in der weiteren Umgebung von Berlin zusammen, um sich von einem Schlafguru von ihrem Leiden befreien zu lassen. Als der aber nicht kommt, beginnt die Gruppe eine ganz eigene Dynamik zu erfassen. Einige drohen damit abzureisen, andere beginnen sich zu erklären. Diese Nacht scheint alle mitzureißen und jeden in die Tiefe seiner Seele zu führen. Abgründe werden sichtbar und es wird klar, dass die Vergangenheit nicht abgeschlossen ist, sondern für viele bedrängend bleibt. Ulrike Kolb ist mit diesem Roman ein beeindruckender Gesellschaftsspiegel unserer Zeit gelungen. Durch den Abend führt der Schriftsteller Ingo Schulze.

Eintritt 6 € / 4 € *

Montag
September
20.00 Uhr
16.09.2013

Berliner Preis für Literaturkritik
Preisverleihung an Lothar Müller

Laudatio: Sibylle Cramer

Lothar Müller

„Seine journalistischen Arbeiten sind für den Tag geschrieben, gehören aber dank der Souveränität ihres Verfassers ins kulturelle Pantheon. Namentlich seine Buchkritiken bestechen, bei hohem Reflexions- und Argumentationsniveau, mit ihrer prägnanten klaren Sprache und der unbedingten Sachlichkeit des Rezensenten. Zum Bild des vorzüglichen und nicht zuletzt lauteren Literaturkritikers gehört das des Redakteurs, der keine Literaturpolitik betreibt, obwohl er eine der Schlüsselpositionen der deutschen Literaturkritik besetzt.” Dieses Juryurteil ist auf Lothar Müller gemünzt, den Literaturredakteur der Süddeutschen Zeitung in Berlin. Er wird mit dem von Jörg A. Henle gestifteten Berliner Preis für Literaturkritik ausgezeichnet, der in den Jahren zuvor an Andrea Köhler (2003), Ursula März (2005), Ijoma Mangold (2007), Stefan Zweifel (2009) und Joseph Hanimann (2011) verliehen wurde. Sibylle Cramer, Mitglied der Jury, hält die Laudatio. Empfang im Anschluss an die Preisverleihung.

Eintritt frei

Dienstag
September
19.00 Uhr
17.09.2013

zwischen tür und engel
Lesung: Doris Runge

Moderation: Gabriele von Arnim

Außer Haus!
Ort: Landesvertretung Schleswig-Holstein, In den Ministergärten 8, 10117 Berlin.
Anmeldung ist unter www.lv-landsh.de/Runge erforderlich!
Einlass ab 18.30 Uhr

Doris Runge

Die Lyrikerin Doris Runge, die seit vielen Jahren ganz im Norden, in Cismar an der Ostsee lebt, gehört nicht zu den lauten Stimmen im Literaturbetrieb, obwohl sie seit 1977 in schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht. Ihre Gedichte sind knapp, genau, manchmal überraschend, aber immer mit größter Sorgfalt geschrieben. In diesem Jahr konnte Doris Runge einen runden Geburtstag feiern. Das veranlasste ihren Verlag, die Deutsche Verlags-Anstalt, eine Sammlung ihrer Gedichte aus drei Jahrzehnten zu veröffentlichen: „zwischen tür und engel“. In der FAZ schrieb Heinrich Detering: „Mit jedem Band deutlicher zeigt sich, dass Doris Runges Gedichte „romantisch“ nur im spukhaftesten Sinne des Wortes sind: Bannflüche, Segensformeln, Zaubersprüche. Ein Hexenkessel ist dieser schmale Band. Und es gehört schon zu seiner schwarzen Kunst, dass er so unschuldig aussieht wie Meißner Porzellan.“ Die Lesung in der Landesvertretung Schleswig-Holstein wird von der Literaturkritikerin Gabriele von Arnim moderiert.

Eintritt frei

Mittwoch
September
20.00 Uhr
18.09.2013

„Ach zum Teufel die Bilanzen!“
Verleger im Gespräch

Georg M. Oswald (Berlin Verlag) und Wolfgang Ferchl (Knaus Verlag) im Gespräch mit Martin Lüdke

Georg M. Oswald

Das Verlegen von Büchern ist seit je ein schwieriges Gewerbe. Einerseits muss man mit dem Mainstream mitschwimmen, andererseits das Kommende, ja das Bleibende frühzeitig erkennen und nicht zuletzt Vergessenes wiederentdecken. Und als wäre das nicht alles schon kompliziert genug, soll sich das auch noch rechnen. Und um noch eins draufzusetzen, stellt die digitale Revolution sowohl im Verhältnis zwischen Verlag und Autor, als auch im Verhältnis zwischen Verlag und Handel eine riesige Herausforderung dar. Unser Jubiläumsprogramm nimmt daher unsere Reihe aus den neunziger Jahren 'Ach zum Teufel die Bilanzen - Verleger im Gespräch' wieder auf. Am vierten und letzten Abend unserer Reihe stehen Georg M. Oswald, der demnächst die Leitung des Berlin Verlages übernimmt und Wolfgang Ferchl, verantwortlich für den Knaus Verlag im Verbund von Random House Deutschland, Rede und Antwort. Obwohl der Berlin Verlag erst etwa 20 Jahre alt ist, hat er bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Mit dem Autor und Rechtsanwalt Georg M. Oswald kommt jetzt ein Quereinsteiger als Chef. Der Knaus Verlag gehört schon länger zu Bertelsmann, dagegen hat der Verleger Wolfgang Ferchl schon einige Verlage von innen gesehen. Er arbeitete bei Rotbuch in Hamburg, wechselte zu Eichborn und später zu Piper nach München. Seit 2009 ist der Verleger bei Knaus tätig.

Eintritt 6 € / 4 € *

Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin

Donnerstag
September
20.00 Uhr
19.09.2013

Wiedereinladungen
Adam Zagajewski in Lesung und Gespäch

Moderation: Olaf Kühl

Adam Zagajewski

Nach Jahren des selbstgewählten Pariser Exils ist Adam Zagajewski nach Polen zurückgekehrt, in seine alte Heimat Krakau, die „Stadt süßer Kuchen,/ bitterer Schokolade und schöner Beerdigungen”. Dennoch ist ihm „die Unruhe, die den Wanderer antreibt” geblieben. In seinen Gedichten ist Zagajewski immer unterwegs: Ob er den Flug der Mauersegler beobachtet oder seinen alten Vater, der das Gedächtnis verloren hat, ob er von der Natur oder von Geistigem spricht, von Enthusiasmus oder über Melancholie. Unter dem Titel „Unsichtbare Hand” (aus dem Polnischen von Renate Schmidgall) ist  eine persönliche Auswahl seiner Gedichte aus den letzten zehn Jahren im Hanser Verlag erschienen. Im Rahmen unserer Wiedereinladungen zum LCB-Jubiläum begegnen wir einem der Großen der europäischen Lyrik, der vor 30 Jahren erstmals im LCB aufgetreten ist. Der Schriftsteller und Übersetzer Olaf Kühl moderiert die Lesung.

Hinweisen möchten wir auf eine Ausstellung im „wortwedding”: Dieser „Raum für interdisziplinäre und interaktive Poesieprojekte” in der Prinzenallee 59 zeigt bis Ende September Arbeiten des polnischen Street Art Künstlers Artur Wabik zu Gedichten Zagajewskis. Weitere Informationen unter www.wortwedding.blogspot.de.

Eintritt 6 € / 4 € *

Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin

Montag
September
9.30 Uhr - 17.00 Uhr
23.09.2013

Viele Wege führen nach Rom … oder zum Literaturübersetzen

Berufskundeseminar für Einsteiger und Zukunftsplaner

 

Das Seminar richtet sich an alle, die mehr über die Wege zum Literaturübersetzen und die rechtlichen und wirtschaftlichen Seiten dieses Berufs erfahren wollen. Besprochen werden: Möglichkeiten des Einstiegs, Auftragsakquise, Vertragsgestaltung, Honorare, Urheberrecht, Künstlersozialkasse, VG Wort, Stipendien, Übersetzerverband und Gewerkschaft. Seminarleitung: Claudia Steinitz (seit 25 Jahren Übersetzerin aus dem Französischen) und Jochen Schwarzer (seit 20 Jahren Übersetzer aus dem Englischen).

Für einen Imbiss und Getränke bitten wir vor Ort um einen Unkostenbeitrag von 10 Euro. Anmeldungen erforderlich – bitte mit kurzer Angabe, ob Sie über das Literaturübersetzen noch nachdenken oder schon auf dem Weg dazu sind – bis 16.9.2013 per Mail an: claudia.steinitz@t-online.de.

Mit freundlicher Unterstützung der Berliner Senatskanzlei, Abteilung Kultur.

Montag
September
20.00 Uhr
23.09.2013

Hausgäste

Katharina Hartwell, Cordula Simon und Karóly Méhes in Lesung und Gespräch

Katharina Hartwell

Aus Pécs, Odessa und Leipzig sind die LCB-Gäste an den Wannsee angereist, die wir am heutigen Abend vorstellen.

In Katharina Hartwells Roman „Das fremde Meer“ (Berlin Verlag 2013),  einem der meistbeachteten Debüts dieser Saison, an dem sie auch in der LCB-Autorenwerkstatt arbeitete, folgen wir den beiden Protagonisten Marie und Jan in zehn Kapiteln an ferne, sehr verschiedene Orte und Zeiten, in denen sie sich jedes Mal aufs neue ihrer eigenen Geschichte stellen und den Versuch unternehmen, ihre Liebe zu retten.

Cordula Simon, die nach ihrem fantastisch-absurden Debüt „Der potemkinsche Hund“ (Picus Verlag 2011) soeben ihren zweiten Roman „Ostrov Mogila“ (Picus Verlag 2013) veröffentlicht hat, entführt uns in die Stadt Odessa, die zum Ausgangspunkt des allmählichen Untergangs der Welt wird. Einen Auszug über das titelgebende Dorf des Romans war bereits beim diesjährigen Bachmannpreis von ihr zu hören.

Károly Méhes aus dem ungarischen Pécs veröffentlicht bereits seit 1983 Lyrik, Prosa und Märchen. Zwei seiner Bücher sind im Wieser Verlag auf Deutsch erschienen: „Die zwei Bärte“ (2002) und „Insgeheim“ (2007).

Eintritt frei

Mittwoch
September
20 Uhr
25.09.2013

Studio LCB
Lesung: Reinhard Jirgl und Georg Klein

Gesprächspartner: Nico Bleutge
Moderation: Denis Scheck

Reinhard Jirgl

Georg Klein

Syzygie: dieser Begriff bezeichnet in der Astronomie das Phänomen, wenn mehrere unterschiedliche Himmelskörper in gleicher geozentrischer ekliptikaler Länge, also umgangssprachlich ausgedrückt „in einer Reihe“ stehen. Solche Phänomene gibt es auch in der Literatur, etwa wenn zwei denkbar unterschiedliche Autoren wie Reinhard Jirgl und Georg Klein in ihren neuen Büchern plötzlich das gleiche Sujet behandeln und mit ihren Marsromanen „Nichts von Euch auf Erden“ und „Die Zukunft des Mars“ eine thematische Syzygie liefern. Kein Wunder eigentlich, haben Marsromane in der deutschen Literatur doch seit Kurd Laßwitz’ „Auf zwei Planeten“ Tradition. Jeder Science Fiction-Roman zielt wie jeder historische Roman immer auf die Gegenwart seines Entstehens. Weshalb erzählt Büchner-Preisträger Reinhard Jirgl also von den „solaren Kriegen“ und lässt im 25. Jahrhundert eine Zeit der Bücher anbrechen, die nicht für Menschen, sondern für andere Bücher geschrieben werden? Warum schreibt Georg Klein von einer analphabetischen Kultur von Marskolonisten und vom „Freigebiet Germania“ auf der Erde? Ist die Zukunft etwa unsere Vergangenheit? Hat sich der politisch engagierte Roman in die Science Fiction  gerettet? Und wie ertragreich ist Science Fiction als Erkenntnismethode literarisch?

Im „Studio LCB” werden Reinhard Jirgl und Georg Klein aus ihren neuen Romanen lesen und mit dem Lyriker und Literaturkritiker Nico Bleutge über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Mensch und Literatur diskutieren.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: Samstag, 28. September 2013, 20:05 Uhr.
Sendefrequenzen unter: www.dradio.de/dlf/frequenzen/
Eintritt 6 € / 4 € *

DLF

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»Was uns verbindet« | Mila Teshaieva | Ausstellung: 31. Mai bis 25. August 2018

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