LCB-Programmarchiv

LCB-Veranstaltungen 10/2011

LCB-Programm 10/2011 als PDF

Mittwoch
Oktober
19 Uhr
12.10.2011

Joseph-Breitbach-Preis 2011

Lesung: Hans Joachim Schädlich

außer Haus!
Ort:
Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz, In den Ministergärten 6, 10117 Berlin-Mitte

Hans Joachim Schädlich © Renate von Mangoldt

Hans Joachim Schädlich erhält den Joseph Breitbach-Preis 2011. In der Begründung der Jury heißt es: „Hans Joachim Schädlich sucht die Deformation des Menschen durch repressive und manipulative Verhältnisse dort auf, wo sie unverfälscht ans Licht kommt: in beschädigter Sprache. Ein Proteus unter den Spracharbeitern, entwirft er Redemuster – Buch um Buch aufs Neue – die unwissentlich Wahrheit kundtun. Jeder seiner Prosatexte ist ein Kosmos kunstvoll falsch gesetzter Töne, Stachel im trägen Fleisch sprachlicher Übereinkünfte, und durchflackert von Ironien. (…) Seine Bücher, von „Tallhover” (1986), einem aus Aktenvermerken zusammengesetzten Seelenbild des ewigen Spitzels, bis zu „Kokoschkins Reise” (2010), einer minimalistischen Bilanz aller Schrecken des zwanzigsten Jahrhunderts, besitzen die Kraft und unmittelbar evidente Gültigkeit der Parabel.“ Der Preis wird in Breitbachs Geburtsort Koblenz am 23. September überreicht. Die Landesvertretung Rheinland-Pfalz lädt an diesem Abend zur Lesung des Preisträgers ein und gibt im Anschluss einen Empfang.

Da die Plätze in der Landesvertretung begrenzt sind, wird um Anmeldung bis 1. Oktober unter generalsekretariat@adwmainz.de oder unter der Telefonnummer 06131-577-101 gebeten.
Eintritt frei

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur, der Stiftung Joseph Breitbach sowie der Landesvertretung Rheinland-Pfalz.

Dienstag
Oktober
20 Uhr
18.10.2011

Hausgäste

Lesung: Donata Rigg, Anna-Elisabeth Mayer, Christoph Simon, Stanka Hrastelj und Yaoming Kan

Donata Rigg © Juliane Heinrich

Anna-Elisabeth Mayer © Katarina Lušicic

Stanka Hrastelj © Boštjan Purcel

Am heutigen Abend stellen gleich fünf unserer Gäste sich und ihre Bücher vor. Die Wahl-Hamburgerin Donata Rigg liest aus ihrem Romandebüt „Weiße Sonntage“ (Mairisch), das als „Geschichte einer Verwandlung, die den Leser selbst verwandelt“ (Die Welt) gelobt wurde.  Anna-Elisabeth Mayer aus Wien hat mit ihrem heiter-melancholischen ersten Roman „Fliegengewicht“ (Schöffling) laut Kulturspiegel den Arztroman rehabilitiert. Unkonventionell befasst sich der Berner Christoph Simon mit kleinen und größeren Hindernissen: „Viel Gutes zum kleinen Preis“ (Bilger 2011) ist eine Zusammenstellung von Prosa-Texten und Cartoons und eine ironische Antwort auf den aktuellen Boom von Lebenshilfe-Ratgebern. Als Gäste aus dem nicht-deutschsprachigen Raum lesen die slowenische Lyrikerin und Übersetzerin Stanka Hrastelj, die in ihrer Heimat das Lyrikfestival Pranger initiiert hat, und der taiwanesische Autor Yaoming Kan, der am taiwanesisch-deutschen Künstleraustausch teilnimmt.  

Eintritt 6 / 4 *

Mittwoch
Oktober
20 Uhr
19.10.2011

Buchpremiere: Das Lied vom Tun und Lassen
Lesung und Konzert: Jan Böttcher

Moderation: Patrick Hutsch

Außer Haus!
Ort:
HBC, Karl-Liebknecht-Straße 9, Berlin-Mitte

Jan Böttcher © Tim Kölln

Der Autor und Singer-Songwriter Jan Böttcher, der 1973 in Lüneburg geboren wurde und in Berlin lebt, hat zuletzt im Rowohlt Verlag die Romane „Geld oder Leben” und „Nachglühen” veröffentlicht. Für einen Auszug aus diesem Buch, das die Süddeutsche Zeitung ein „stilles Meisterwerk” nannte, wurde er 2007 in Klagenfurt mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet. Nach vier Alben mit seiner Band „Herr Nilsson” veröffentlichte er zuletzt das Soloalbum „Vom anderen Ende des Flures”. Mit seinem neuen Romen „Das Lied vom Tun und Lassen” (Rowohlt Berlin), in dem die Geschichte dreier Protagonisten aus drei Generationen als Reigen von Freundschaft, Verrat und Neubeginn erzählt wird, bringt er Literatur und Gesang nun auf neue Weise zusammen, denn es gibt neben dem literarischen Text auch die gesungenen „Lieder zum Roman”, die unter www.janboettcher.com angehört werden können. Jan Böttchers Texte und Musik werden auch in der Veranstaltung im Zentrum stehen, verbunden durch die Frage, was die Musikalität von Literatur und die literarische Qualität eines Liedtextes auszeichnet.

Eintritt 6 / 4 *

Dienstag
Oktober
20 Uhr
25.10.2011

Von der Schönheit
Winfried Menninghaus und Josef H. Reichholf in Lesung und Gespräch

Moderation: Jens Bisky

 

Schiller zufolge ist es das Schöne, „das Menschen und Götter bezwinget”. Was aber verbirgt sich hinter dem abstrakten Begriff "Schönheit"? Zwei Wissenschaftler, die in höchst unterschiedlichen Forschungsbereichen beheimatet sind, haben sich in den letzten Jahren dieser Frage gewidmet. Winfried Menninghaus, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der FU, veröffentliche 2003 die Studie „Das Versprechen der Schönheit”, ein „erhellendes Zusammenspiel von Natur- und Kulturgeschichte der Schönheit”, wie Jens Bisky in der Süddeutschen Zeitung schrieb. In diesem Herbst nun erscheint im Suhrkamp Verlag der Band „Wozu Kunst? Ästhetik nach Darwin”, der den Ahnherrn der Evolutionsbiologie ebenso im Titel führt wie das im Frühjahr bei C.H Beck veröffentlichte Buch „Der Ursprung der Schönheit. Darwins größtes Dilemma” von Josef H. Reichholf, in dem sich fundamentale Fragen mit kritischem Zeitbezug verbinden. Der Evolutionsbiologe Reichholf war Leiter der Wirbeltierabteilung an der Zoologischen Staatssammlung München und lehrte an beiden Münchner Universitäten. 2007 wurde er mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet. Beide Autoren lesen aus ihren neuen Büchern und diskutieren mit Jens Bisky über Schönheitskonzepte und deren Herkunft.

Eintritt 6 / 4 *

Mittwoch
Oktober
20 Uhr
26.10.2011

Perversion
Juri Andruchowytsch in Lesung und Gespräch

Moderation: Olaf Kühl

Juri Andruchowytsch © Renate von Mangoldt

Als 2003 der Essay „Das letzte Territorium” des ukrainischen Schriftstellers Juri Andruchowytsch bei Suhrkamp erschien, wurde den Lesern hierzulande die Ukraine als politisch und literarisch bislang unbekanntes Terrain neu erschlossen. Im Jahr darauf blickte dann die ganze Welt nach Kiew und auf die „orangene Revolution”. 2005 erschien Andruchowytschs großer Roman „Zwölf Ringe” in deutscher Übersetzung, und der 1960 geborene Autor aus Iwano-Frankiwsk, der im selben Jahr mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet wurde, konnte die Öffentlichkeit neben seiner Rolle als politisch denkender Kopf und Vermittler zwischen dem deutschsprachigen Raum und seiner Heimat auch als bedeutende literarische Stimme überzeugen. Für seinen Roman „Perversion” von 1996, der in diesem Herbst in der deutschen Übersetzung von Sabine Stöhr bei Suhrkamp erscheint, haben Rabelais und Bachtin, Bulgakow und Esterházy Pate gestanden – die Leser erwartet ein wildes Spiel mit Formen, Stilen und apokryphen Traditionen.

Eintritt 6 / 4 *

Donnerstag
Oktober
10 - 18 Uhr
27.10.2011

„Mein hochgelahrter, tiefstudierter Herr!“. Titel, Anrede, Gruß und Höflichkeit im Wandel der Zeiten
Eine ganztägige und sprachübergreifende Fortbildung für literarische Übersetzer und andere Interessierte

Mit Beiträgen von Klaas Hinrich Ehlers und Gudrun Held
Moderation: Gabriele Leupold und Eveline Passet

 

Arthur Schopenhauer vergleicht in seiner treffenden Metapher die Höflichkeit mit der „mittleren Entfernung“, die Stachelschweine an kalten Wintertagen mühselig herzustellen versuchten, um nicht zu frieren und sich zugleich auch nicht zu stechen. Doch wie macht man sich mit Sprache bei anderen beliebt, und wie hält man sie auf Abstand? Was bedeutet es, wenn Heinrich von Kleist einen Brief mit „Untertänigster Diener“ unterschreibt? Wann haben Kinder ihre Eltern gesiezt, wann der Papst den Kaiser „geerzt“, zeugte ein „Ihr“ von Vertraulichkeit oder Distanz? Zwei Linguisten erkunden das Spannungsverhältnis zwischen universalen Strategien wechselseitiger „Gesichtspflege“ und seinem stets historisch gewachsenen Ausdrucksinventar. Klaas Hinrich Ehlers, Sprach- und Dialektforscher aus Frankfurt/Oder, stellt in seinem Vortrag „Von 'Hochachtungsvollst' über 'Heil Hitler' bis 'Herzliche Grüße’“ die Entwicklung höflicher Routinen an Briefen dar. Gudrun Held, Romanistin aus Salzburg, wendet sich der Literatur im engeren Sinne zu und beleuchtet in ihrem Vortrag „Wenn die Red' ein Feiertagsgwandl anzieht“ die Inszenierung sprachlicher Höflichkeit in Johann N. Nestroys Wiener Komödienwelt. Im Anschluss an die Vorträge bieten wir, wie immer, zwei kleine Werkstätten an.

Der Eintritt ist frei, 10 Euro Unkostenbeteiligung für einen Mittagsimbiss und Getränke sind vorgesehen. Anmeldung per Mail erbeten an becker@lcb.de oder Fax 030-81699619.

Donnerstag
Oktober
20 Uhr
27.10.2011

Studio LCB
Lesung: Reinhold Neven Du Mont

Gesprächspartner: Ursula März und Walter van Rossum
Moderation: Denis Scheck

Reinhold Neven Du Mont © Pe-Lin Wu

„Mit einer Art zwanghaftem Vergnügen habe ich mir angewohnt, die Todesanzeigen in meiner Zeitung zu lesen. Die schwarz umrandeten Felder üben auf mich eine Art Anziehungskraft aus, die sich nur zum Teil mit meinem fortgeschrittenen Alter erklären läßt.“ So beginnt „Die Villa“, der erste Roman des 1936 in Köln geborenen Reinhold Neven Du Mont. Sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater – alle waren Zeitungsverleger, und sein Bruder Alfred ist es heute noch. Seinem Naturell aber hat die Zeitungsverlegerei nie entsprochen: Reinhold Neven Du Mont, als Schwiegersohn von Joseph Caspar Witsch 1963 in den Verlag Kiepenheuer & Witsch eingetreten, hat zwei Jahre nach Witschs Tod 1969 Kiepenheuer & Witsch als Alleininhaber übernommen. In seine Zeit als Verleger fielen die Nobelpreise für Heinrich Böll, Gabriel Garcia Marquez und Saul Bellow ebenso wie der sensationelle Sachbucherfolg mit Günter Wallraffs „Ganz unten“ und das verlegerische Trauma der Fatwa gegen Salman Rushdie und dessen Roman „Die satanischen Verse“. Vor zehn Jahren hat Reinhold Neven Du Mont den Verlag an den Holtzbrinck-Konzern verkauft, sich aber nach seiner Zeit als Verleger als Schriftsteller neu erfunden. Nach seinem Debütroman „Die Villa“ und einer „Gebrauchsanweisung“ für seine Geburtsstadt Köln legt Reinhold Neven Du Mont in diesem Herbst mit „Der Maskensammler“ (C.H. Beck) einen neuen Roman vor, in dem er sich einmal mehr als Chronist des deutschen Bürgertums erweist.  Im „Studio LCB” wird Reinhold Neven Du Mont aus seinem neuen Roman „Der Maskensammler“ lesen und mit den  Autoren und Literaturkritikern Ursula März und Walter van Rossum über sein Werk als Romancier und den Strukturwandel im literarischen Leben der Bundesrepublik diskutieren.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: Samstag, 29. Oktober 2011 20:05 Uhr.
Sendefrequenzen unter: www.dradio.de/dlf/frequenzen/
Eintritt 6 € / 4 € *

Freitag
Oktober
20 Uhr
28.10.2011

Grenzgänger – Von Vätern und Vaterfiguren
Peter Henning und Kolja Mensing in Lesung und Gespräch

Moderation: Jenny Friedrich-Freksa

Peter Henning © Chris Keller / bobsairport

Kolja Mensing © Alexander Janetzko

1946 wird im Nordwesten Deutschlands ein Kind geboren. Der Vater ist Pole, Soldat der Besatzungstruppen, die Mutter eine Deutsche. Die Liebe scheitert. Das Kind wächst heran, ohne den Vater, der in seine Heimat zurückgekehrt ist,  kennenzulernen. Viele Jahre später macht sich Kolja Mensing, der Enkel jenes polnischen Soldaten, auf die Suche. In „Die Legenden der Väter“ erzählt Mensing von der vorsichtigen Annäherung an seinen unbekannten Großvater Józef. Auf Spurensuche gehen will auch Peter Henning. Er wurde einige Jahre vom polnischen Lebensgefährten seiner Großmutter aufgezogen, der ihn sehr prägte. Viktor Knapik war eine disparate und schillernde Persönlichkeit, ein Offizier in NS-Uniform, ein Waffenschmuggler, Erfinder und Melancholiker. Für Henning blieb ein großer Teil der Biografie seines Ziehvaters lange im Dunkeln, und nun will er herausfinden, wer dieser Mann eigentlich war. Er arbeitet derzeit an einem Roman über diesen „polnischen Vater“ und wird aus seiner Werkstatt berichten. Beide Autoren erhielten für ihre Recherchen ein „Grenzgänger“-Stipendium der Robert Bosch Stiftung. Im Gespräch mit Jenny Friedrich-Freksa, Chefredakteurin der Zeitschrift „Kulturaustausch“, werden sie von den Freuden und Nöten berichten, Familiengeschichte eine literarische Form zu geben.

In Zusammenarbeit mit der Robert Bosch Stiftung.
Eintritt 6 / 4
*

Ausstellung

»Was uns verbindet« | Mila Teshaieva | Ausstellung: 31. Mai bis 25. August 2018

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