LCB-Programmarchiv

LCB-Veranstaltungen 12/2015

LCB-Programm 12/2015 als PDF

Mittwoch
Dezember
20.00 Uhr
02.12.2015

Auf Wiedervorlage: Ideologie-Kost
Elke Erb liest Trotzki und Lenin

Gesprächspartner: Christian Filips

Leo Trotzki

Elke Erb  © Tobias Bohm

 

„‚Laßt mal’, sagt der Vater, ‚ich will versuchen, wie der Winterweizen ist.’ Er nimmt von Archip die Sense und stellt sich auf dessen Platz. Ich sehe aufgeregt zu. (...) Vielleicht übersetze ich es mir in nicht so präzise Worte, aber ich fühle scharf die komplizierte Mechanik der Beziehungen.” (aus: Leo Trotzki, „Mein Leben”). Die Dichterin Elke Erb hat diesen Sommer vor allem mit Trotzki verbracht. Trotzkis Stil suche seinesgleichen wegen der Art, wie er auffasst: „Da ist eine gewisse, objektive Freigabe der eigenen inneren Prozesse, die vulgäre Idiotie nennt es Stolz. Die zugleich unwillkürliche und zielstrebige Aufmerksamkeit seiner Wahrnehmung, ihre stetige Produktivität hellt auf, befreit, aktiviert.” Im Gespräch mit dem Dichter Christian Filips will sie der Freude dieser Begegnung auf dem traurigen historischen Hintergrund der Utopie, die er mit Lenin teilt, auf den Grund gehen. Dank der Koppelung Trotzkis an Lenin habe sie sogar ihren Widerstand gegen Lenin gegen eine gewisse Faszination eintauschen können, sagt sie. „Ich bin zwar in der DDR den hohlgewordenen Losungen der Epigonen ausgesetzt gewesen, aber diese Belästigung ist vorbei. Es gibt ja auch noch die Gegenwart, bitte.”

Eintritt 8 € / 5 € *

Donnerstag
Dezember
19.00 Uhr
03.12.2015

weiblich, männlich, fließend
Der literarische Salon der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Gast im LCB

Mit Aris Fioretos, Thomas Meinecke und Jayrôme Robinet
Moderation: Karen-Susan Fessel
Begrüßung: Christine Lüders
Konzept: Christiane Bauermeister

Eine Trans*-Person auf dem Cover des Time-Magazine, ein Pulitzer-Preis für ein Buch mit intergeschlechtlichem Hauptdarsteller – es gibt bisher nur wenige Meilensteine in der öffentlichen Wahrnehmung von Trans*- und Inter*-Personen. Das verändert sich allmählich - und es spiegelt sich auch in der künstlerischen Wirklichkeit wieder. Es wird immer häufiger hinterfragt, warum ausschließlich „männlich“ und „weiblich“ unsere Wahrnehmung bestimmen sollen. Neue Perspektiven eröffnen sich, biographisch wie literarisch. Beim Salon der Antidiskriminierungsstelle stehen literarische Texte im Zentrum, die das Spektrum jenseits des binären Geschlechtsmodells aufgreifen. Diskutiert wird über den literarischen Umgang mit Trans* und Inter*-Themen. Aris Fioretos, Thomas Meinecke und Jayrôme Robinet lesen eigene Texte und sprechen über ihre Erfahrungen mit Recherche, Schreibprozess und Rezeption. Moderiert wird der Abend von der Schriftstellerin und Publizistin Karen-Susan Fessel. Im Anschluss an die Lesungen legt Thomas Meinecke beim Empfang Platten auf.

Eintritt frei

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Freitag
Dezember
19.00 Uhr
04.12.2015

Gastveranstaltung: Fragmentierung und Übersetzung. Sprache und Dichtung in der Ukraine

Lesung und Diskussion mit Aleksandr Kabanov, Serhij Zhadan, Marianna Kijanowska und Ljubov Jakymchuk
Moderation: Susi K. Frank, Humboldt-Universität zu Berlin

Wie kann Dichtung auf die aktuelle politische Situation in der Ukraine reagieren, sie reflektieren oder gar intervenieren? Wie hat sich die Sprache der engagierten Dichterinnen und Dichter und ihre grundsätzliche Einstellung zur Dichtung geändert? Wie gehen sie mit der hochkomplexen Situation der Bilingualität und der politischen Spaltung der Ukraine um? Die Autorinnen und Autoren stammen aus unterschiedlichen Regionen der Ukraine, mit denen sie sich literarisch auseinandersetzen: Zhadan und Jakymchuk aus dem heute in der Kriegszone befindlichen Donbass, Kabanov aus Cherson auf der heute von Russland besetzten Krim und Kijanowska aus dem galizischen L’viv/Lemberg. Sie gehören verschiedenen Generationen an, haben entweder das Ukrainische oder das Russische als ihre Schreibsprache gewählt und übersetzen einander in die jeweils andere Sprache. Die Veranstaltung ist Teil der Winterakademie „Beyond History and Identity. New Perspectives on Aesthetics, Politics and Society in Eastern Europe“ und der Berlin-Brandenburg Ukraine Initiative.

Eintritt frei

Montag
Dezember
10.00 - 18.00 Uhr
07.12.2015

„An einem Fenster klebt ein fetter Mann“ oder: Was hält Sätze und Texte zusammen?

Eine ganztägige sprachübergreifende Fortbildung für literarische ÜbersetzerInnen und andere Interessierte. Leitung: Gabriele Leupold und Eveline Passet

Während des Texttransports von einer Sprache in die andere gerät den Übersetzern nicht selten die Syntax dermaßen durcheinander, dass ihnen die Satzelemente wie Puzzleteile erscheinen, die geduldig hin- und herzuschieben sind, bis das Textganze in der Zielsprache endlich ebenso perfekt zusammenhält wie im Original. Wie aber verteile ich die Information richtig? Wie bringe ich die einzelnen Elemente in eine spannungsreiche Verbindung?

Monika Schwarz-Friesel zeigt in ihrem Vortrag „Den roten Faden von Texten beschreiben und erklären: Aspekte der Kohärenz(theorie)“ anhand zahlreicher Beispiele aus der deutschsprachigen Literatur, wie durch unterschiedliche Typen der Wiederaufnahme zuletzt ein konsistentes Ganzes entsteht. Simon Meier wiederum stellt in seinem Vortrag „Eine Fachabteilung nur für Fugenkitt? Über Nutzen und Nutzung von Konnektorenhandbüchern“ ein für die tägliche Praxis der Kohäsionserzeugung wertvolles Instrumentarium vor.

Nach den Vorträgen besteht wie stets die Möglichkeit, an zwei parallel angebotenen Werkstätten teilzunehmen.

Der Eintritt ist frei, 12 Euro Unkostenbeteiligung für einen Mittagsimbiss und Getränke sind vorgesehen. Anmeldung per Mail erbeten an becker@lcb.de oder Fax 030-81699619.
Eintritt frei

Mittwoch
Dezember
20.00 Uhr
09.12.2015

Hilfe, das Volk kommt!
Werkstattgespräch mit Ariane Koch (Basel), Zainab Magdy (Kairo) und Ahmet Sami Özbudak (Istanbul)

Moderation: Kevin Rittberger und Thorsten Dönges

Ariane Koch © privat

Zainab Magdy © privat

Ahmet Sami Özbudak © privat

Ob auf dem Tahrir-Platz in Kairo, im Istanbuler Gezi-Park oder vor der europäischen Zentralbank in Frankfurt: Bürger_innen, Aktivist_innen und Präkarisierte protestieren, mischen sich ein und formulieren ihre Anliegen jenseits der üblichen Instanzen und Institutionen. Ein Aufschrei aber ging durch die europäische Öffentlichkeit, als sich eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer einer populistischen Initiative gegen "Überfremdung" anschloss. Für das Projekt „Hilfe, das Volk kommt! Empörung, Engagement, Aufbrüche und Sackgassen“ haben wir drei Theaterautor_innen aus der Schweiz, Ägypten und der Türkei für einige Wochen ins LCB eingeladen, die sich über die gesellschaftlichen Themen austauschen, die sie beschäftigen. Wie können auf der Bühne gesellschaftliche Analyse, transnationales Denken und ästhetische Ausdrucksformen miteinander- und ineinander wirken? Wie reagieren Dramatiker_innen, deren Credo es ist, sich mit ihrem Theater in gesellschaftliche Debatten und Entwicklungen einzumischen, auf die neuen Bürgerbewegungen? 2016 werden dann die künstlerischen Ergebnisse der Berliner Begegnungen in Form von inszenierten Lesungen in Istanbul, Kairo und Basel vorgestellt. Berliner Partner ist das Maxim Gorki Theater.

Mit freundlicher Unterstützung der Robert Bosch Stiftung.
Eintritt frei

Dienstag
Dezember
20.00 Uhr
15.12.2015

Hausgäste

Elena Chizhova, Laksmi Pamuntjak und Gianni Skaragas in Lesung und Gespräch

Elena Chizhova © Natalia Chajka

Laksmi Pamuntjak © Hans Scherhaufer

Gianni Skaragas © privat

Die letzte Veranstaltung des Jahres ist unseren Hausgästen gewidmet, aktuell drei internationalen Autoren, die für vier Wochen im LCB an ihren neuen Büchern arbeiten. Der griechische Autor Gianni Skaragas, der bei unserer Reihe „Das weiße Meer” mitwirkte, arbeitete am Theater und als darstellender Künstler, sein Theaterstück „Primzahlen“ wurde 2009 als Off-Broadway Produktion in New York uraufgeführt. Noch nicht ins Deutsche übersetzt sind seine vier Romane. Elena Chizhova, 1957 in Leningrad geboren, studierte Wirtschaftswissenschaften und war an der Universität und in der freien Wirtschaft tätig, bevor sie sich Mitte der 1990er Jahre dem Schreiben zuwandte. Ihre neun Romane wurden mehrfach ausgezeichnet, für „Die stille Macht der Frauen“ erhielt sie 2009 den angesehenen russischen Booker-Preis. Die Vorsitzende des St. Petersburger PEN-Clubs liest aus ihrem soeben erschienenen Roman „Die Terrakottafrau” (aus dem Russischen von Dorothea Trottenberg, dtv). Der dritte Gast des Abends ist die indonesische Schriftstellerin und Journalistin Laksmi Pamuntjak, eine der Hauptprotagonistinnen des diesjährigen Frankfurter Buchmesseschwerpunkts. Der vieldiskutierte Roman „Alle Farben Rot“ (übersetzt von Martina Heinschke, Ullstein Verlag) ist ein Versuch, die gewaltvolle indonesische Geschichte des 20. Jahrhunderts mit der Mythologie des Landes erzählend zu verbinden.

Eintritt frei

Ausstellung

»Was uns verbindet« | Mila Teshaieva | Ausstellung: 31. Mai bis 25. August 2018

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