Ian De Toffoli

Luxemburg, Luxemburg

Zu Gast im LCB:
September 2018

Ian De Toffoli, geboren 1981, ist Theaterautor und Schriftsteller. Im Dezember 2017 zeigte das Stadttheater Luxemburg sein Stück »Rumpelstilzchen «, eine Adaption des Märchens der Brüder Grimm. Der Monolog »Tiamat« wurde im März 2018 im Théâtre du Centaure gezeigt und wird in der Spielzeit 2018-2019 in Frankreich aufgeführt. Er leitet den Verlag Hydre Editions und lehrt an der Universität in Luxembourg. Er erhielt das LCB-Aufenthaltsstipendium des Fonds Culturel National aus Luxemburg.

Ian De Toffoli
Ian de Toffoli © privat

»Langsam schreiben ist der pure Luxus«

Woran arbeitest du gerade?
Ich habe in den letzten Jahren hauptsächlich fürs Theater geschrieben, mit Ausnahme von einigen sehr kleinen Prosatexten, für Zeitschriften oder Zeitungen, deshalb nehme ich mir gerade die Zeit für ein größeres Prosa-Projekt. Ein Kurzgeschichtenband. Jede Geschichte greift eine historische Figur Luxemburgs auf, und erzählt einen bestimmten Moment aus deren Leben, den man so nicht aus den Geschichtsbüchern kennt, weil es ihn (diesen Moment) vielleicht gar nicht gegeben hat. Ich versuche apokryphe Biografien (Biographemen, würde Roland Barthes sagen) zu schreiben. Auch habe ich eine große Bewunderung für die Fälscher der Renaissance, die angaben, bisher unentdeckte Texte des einen oder anderen antiken Schriftstellers zu veröffentlichen, komplett mit wissenschaftlichen Anmerkungen: dabei hatten sie alles erfunden. Irgendwo dazwischen befinden sich meine Geschichten.

Wie beeinflusst dein Aufenthalt im LCB deine Arbeit?
Das Schönste ist ja, dass man hier endlich Zeit hat. Fern von den Alltagsarbeiten (eigentlich hätte man den Laptop auch zu Hause lassen sollen um nur keine Mails zu lesen). Das heißt für mich, dass ich sorgfältig und langsam schreiben kann, und nicht nur zwischendurch, zwischen anderen Arbeiten. Langsam schreiben ist der pure Luxus. Vieles wird einem plötzlich klarer. Irgendwann fängt man an besser zu verstehen, woran man eigentlich gerade schreibt. Der Nebel im Kopf löst sich.

Welche Erfahrungen wirst du mit nach Hause nehmen?
Ich bin erst zwei Wochen im LCB, und doch habe ich schon sehr schöne Momente erlebt, von der spontanen Einladung des georgischen Kollegen Zviad, mit ihm, seiner Flasche Whiskey und der Blues Musik aus seinem Handy fröstelnd im Garten das Erscheinen seines ins Deutsche übersetzten Gedichtbandes zu feiern, über die Gespräche mit dem kurdischen Inhaber des Kebab Ladens neben der S-Bahn Wannsee, der einzige Ort wo man hier nach 23 Uhr noch ein Bier kaufen kann, bis zu der wundervollen Hochzeitsfeier im LCB, wo, wegen Personalmangel, die Schriftstellerin Verena Boos und ich die Bar übernommen hatten und den Gästen eifrig Gin Tonic, Moscow Mules und Mexikanershots servierten. Mit großem Erfolg, muss man sagen. Immer wieder hat man uns gefragt, ob das normal sei, ob die Hausgäste sich ihren Aufenthalt erarbeiten müssen.

Das Interview wurde im Sommer 2018 geführt.

Hausgäste I

Ian de Toffoli auf der LCB-Terrasse © LCB

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