Aktuelle Ausgabe
Spritz Nr. 229, März 2019

Editorial

Sprache im technischen Zeitalter Nr. 229, März 2019

Was erwarten wir von jungen Erzählerinnen und Erzählern in unserer Gegenwart? Sollen sie aktuelle politische und gesellschaftliche Konflikte reflektieren und Entwicklungen quasi exemplarisch mit Geschichten kommentieren? Oder hoffen wir auf Prosa, die vom Tagesgeschehen absehen kann und den großen menschlichen Fragen schreibend nachgeht, die seit Jahrhunderten nicht gelöst sind und vielleicht nie gelöst werden können? Künstlerische Auseinandersetzungen mit literarischen Formen; scheinbar unbeeindruckt vom technischen Zeitalter? Vermutlich ist es am besten, auf Erwartungen solcher Art zu verzichten, kein Schema für einen zeitgemäßen oder unzeitgemäßen Text zu haben und stattdessen den unterschiedlichen Stimmen zu folgen, die sich in ihrer Gegenwart literarisch behaupten wollen. Seit 1999 bietet die Berliner Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums ausgewählten Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die noch keine eigenständige Publikation haben, an vier Wochenenden im Herbst die Möglichkeit, ihre Texte untereinander und mit Gästen zu diskutieren. Die Autorin Antje Rávik Strubel und Thorsten Dönges vom LCB betreuen diese Werkstatt. Strubel hat alle Texte mit kurzen Einführungen versehen. In einem Beitrag geht es um ein Birnenfest in Brandenburg, in einem andern um Klima-Kollaps und Fake News. Es geht um Vatersuche und Wurzelstudien. In ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten können wir versuchen zu verstehen, wie der literarische Zugriff auf unsere Zeit gelingen kann.

Eingerahmt sind die Texte der Berliner Autorenwerkstatt mit Lyrik. Jürgen Theobaldy, seit Jahrzehnten Wahlschweizer, hat sich von einem Japanaufenthalt inspirieren lassen, einen umfangreichen Gedichtzyklus zu verfassen. Fast gänzlich besteht dieser Zyklus aus Tanka, einer japanischen Gedichtform, die noch älter als Haiku ist. Vierversig wie die Tanka sind auch die jeweils zehn Strophen der neuen Gedichte von Marcel Beyer, die wir im Anschluss an den Japanzyklus drucken. Auf Tritt Die Poesie steht dieses Mal am Ende der Ausgabe. Michael Braun präsentiert Arnold Maxwill.

 

Inhalt

  • Jürgen Theobaldy: In einem fort
  • Marcel Beyer: Gedichte

Berliner Autorenwerkstatt 2018

  • Sebastian Behr: Miniquidi
  • Esther De Soomer: Frau unter Wolken
  • Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle
  • André Hansen: Rückkehr nach Kattlitz
  • Carolin Krahl: Das Zauberwort heißt Doppelleben
  • Marc Lunghuß: Die Rinne
  • Anna Ospelt: Wurzelstudien
  • Janna Steenfatt: Die Überflüssigkeit der Dinge
  • Lea Wintterlin: Der Bulle

Auf Tritt die Poesie

  • Michael Braun: Fröhliche Krümmung
  • Arnold Maxwill: Gedichte
  • Arnold Maxwill: Geräteschuppen, unaufgeräumt
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