Auf Wiedervorlage: Ideologie-Kost

Elke Erb liest Trotzki und Lenin
Gesprächspartner: Christian Filips

»‚Laßt mal’, sagt der Vater, ‚ich will versuchen, wie der Winterweizen ist.’ Er nimmt von Archip die Sense und stellt sich auf dessen Platz. Ich sehe aufgeregt zu. (…) Vielleicht übersetze ich es mir in nicht so präzise Worte, aber ich fühle scharf die komplizierte Mechanik der Beziehungen.« (aus: Leo Trotzki, »Mein Leben«). Die Dichterin Elke Erb hat diesen Sommer vor allem mit Trotzki verbracht. Trotzkis Stil suche seinesgleichen wegen der Art, wie er auffasst: »Da ist eine gewisse, objektive Freigabe der eigenen inneren Prozesse, die vulgäre Idiotie nennt es Stolz. Die zugleich unwillkürliche und zielstrebige Aufmerksamkeit seiner Wahrnehmung, ihre stetige Produktivität hellt auf, befreit, aktiviert.« Im Gespräch mit dem Dichter Christian Filips will sie der Freude dieser Begegnung auf dem traurigen historischen Hintergrund der Utopie, die er mit Lenin teilt, auf den Grund gehen. Dank der Koppelung Trotzkis an Lenin habe sie sogar ihren Widerstand gegen Lenin gegen eine gewisse Faszination eintauschen können, sagt sie. »Ich bin zwar in der DDR den hohlgewordenen Losungen der Epigonen ausgesetzt gewesen, aber diese Belästigung ist vorbei. Es gibt ja auch noch die Gegenwart, bitte.«

02.12.15

Mittwoch

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Christian Filips, Elke Erb

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