Das Ich auf der Bühne

Zu Witold Gombrowiczs »Tagebuch 1953-1969«

Diskussion und Lesung mit Olaf Kühl und Klaus Völker
Moderation: Dorota Stroińska

1963 verlässt Witold Gombrowicz nach über 23 Jahren Argentinien und kommt als einer der ersten Stipendiaten der Ford Foundation nach Berlin (West). Walter Höllerer lädt ihn ins neu gegründete LCB ein, wo gerade die erste Autorenwerkstatt stattfindet. Der große polnische Schriftsteller wirkt auf seine Zeitgenossen exzentrisch, bizarr, theatralisch. In seinem Tagebuch verarbeitet er sein Leben im Exil und seine eigenen Fremdheitserfahrungen – auch die Monate in Berlin. Dabei lockt er den Leser nicht mit intimen Bekenntnissen, sondern zieht ihn in den Boxring seiner intellektuellen Rauflust. Das ist ebenso provozierend wie unterhaltend zu lesen. »Ich bin das Aspirin, das Krämpfe löst«, schreibt er dazu. Gombrowiczs Tagebuch ist aber ebenso die literarische Setzung einer charismatischen Figur: »Montag, Ich. Dienstag, Ich. Mittwoch, Ich. Donnerstag, Ich.« Doch wer ist dieses Ich, das wie in diesen berühmten ersten Zeilen auf der Bühne des Tagebuchs spricht? Mit welchen Masken und in welchen Rollen spielt es vor dem Leser? Und warum? Über den dramatischen Gehalt des Tagebuchs und über das schauspielerische Talent, das bei seiner Übersetzung nötig ist, über das Übersetzen als ästhetische Praxis und als Neuinszenierung eines literarischen Textes diskutieren Klaus Völker, Dramaturg und Theaterhistoriker und Olaf Kühl, literarischer Übersetzer und Schriftsteller. Das Gespräch moderiert die Literaturübersetzerin Dorota Stroińska.

Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der Weltlesebühne e.V. und dem Polnischen Institut Berlin. Gefördert von der Robert Bosch Stiftung GmbH.

03.09.13

Dienstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Dorota Stroińska, Klaus Völker, Olaf Kühl

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