Die Wehmut des Zeitenwechsels

»Hôtel du Nord« von Eugène Dabit und »Das Salz in der Wunde« von Jean Prévost

Die Übersetzerinnen Patricia Klobusiczky und Julia Schoch in Lesung und Gespräch
Moderation: Thorsten Dönges

Klar und schnörkellos sind diese Übersetzungen zweier großer Romane der französischen Zwischenkriegszeit. Patricia Klobusiczky, eine der renommiertesten Übersetzerinnen aus dem Englischen und Französischen, hat »Das Salz in der Wunde« von Jean Prévost für den Manesse Verlag erstmals ins Deutsche übertragen. Prévost erzählt die Genese eines Aufsteigers, der das faszinierende Spiegelbild des Angestellten ist – und neben diesem auch eine der mythischen Figuren des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Nicht aber Fleiß, Ehrgeiz und Tugend treiben und begleiten die Karriere von Dieudonné Crouzon, es ist Rachsucht an treulosen Freunden, die ihn treibt: Das eigene Glück wird umgemünzt in eine Demütigung der anderen. Julia Schoch, selbst Schriftstellerin (zuletzt erschien 2012 »Selbstporträt mit Bonaparte«), hat Eugène Dabits ikonischen Parisroman »Hôtel du Nord« für Schöffling & Co. neu übersetzt. Ganz anders als in der allzu seicht geratenen Verfilmung wird ungeschönt das Leben der kleinen Leute, der Habenichtse und Proleten geschildert. Und doch wird das Hôtel du Nord unverhofft ein Ort der Wärme. Zwei Zeugnisse einer französischen Spielart der Neuen Sachlichkeit, deren junge und gefeierte Autoren die Nachkriegszeit leider nicht erlebten, sind nun auf Deutsch zu entdecken.

24.08.15

Montag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Julia Schoch, Patricia Klobusiczky, Thorsten Dönges

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