Kafka geht ins Kino (II)

ʺNachmittag Palästinafilm.ʺ

Filmvorführung: Shiwath Zion (50 Min. R: Jakob Ben-Dov)
Diskussion: Anja Siegemund, Stewart Tryster, Hanns Zischler

»Nachmittag Palästinafilm.« liest man, datiert auf den 23. Oktober 1921, in Kafkas Notizbuch. Auf Betreiben der zionistischen Zeitschrift »Selbstwehr« wurde in einer geschlossenen Vorführung im Prager Kino »Lido-Bio« der heroische Aufbruchsfilm »Shiwath Zion« (Rückkehr nach Zion) gezeigt. »Hauptsächlich gilt es ja für die Durchschnittsmasse der Juristen, dass sie erst zu Staub zerrieben werden müssen, ehe sie nach Palästina dürfen, denn Erde braucht Palästina, aber Juristen nicht«, schreibt Franz Kafka indes 1921 in einem Brief an Robert Klopstock. Aber auch wenn Kafka zum Zionismus in einem ambivalenten Verhältnis stand, so zwang ihn doch der zunehmende Antisemitismus in Prag, sich ernsthaft mit dem Gedanken der Auswanderung auseinanderzusetzen: »Ist es nicht selbstverständlich, dass man von dort weggeht, wo man so gehasst wird (Zionismus oder Volksgefühl ist dafür gar nicht nötig)?« Im Anschluss an den Film diskutiert Hanns Zischler mit Anja Siegemund, Leiterin des Centrum Judaicum, und Stewart Tryster, ehemaliger Leiter des Steven Spielberg Jewish Film Archives, Jerusalem.

In Kooperation mit der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum.

28.02.17

Dienstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Anja Siegemund, Hanns Zischler, Stewart Tryster

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