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Quelle: https://www.lcb.de/uebersetzer/treffen/1511_uebersetzerseminar-stimmen.htm

Ausschreibung:
Stimmen hören. Seminar zum Übersetzen von Lyrik im LCB 30.11. – 4.12.2015

Wenn es schon schwierig erscheint zu definieren, was ein Gedicht zu einem guten Gedicht macht, dann wird die Lage völlig unübersichtlich, möchte man die Kriterien für eine gute oder gelungene Gedichtübersetzung angeben. Ist ein Gedicht dann ein besonders gut übersetztes Gedicht, wenn man ihm gar nicht mehr anmerkt, dass es sich um eine Übersetzung handelt? Oder ist die Übersetzung, ganz im Gegenteil, dann besonders gelungen, wenn sie die Übersetztheit des Gedichts, seine Fremdheit ausstellt und dadurch thematisiert? Und es geht ja noch weiter: Ist ein gut übersetztes Gedicht automatisch auch ein gutes Gedicht? Von was hängt das ab? Oder: Kann nicht auch ein schlecht übersetztes Gedicht, dennoch oder gerade deshalb, ein außergewöhnlich gutes Gedicht sein? Nun ist wahrscheinlich jede Übersetzung, und besonders die Übersetzung eines Gedichtes, der Tendenz zur Unübersetzbarkeit abgerungen. Wie macht man das eigentlich, wie verschiebt und verrückt man Worte, Klänge und Rhythmen eines Gedichts beim Transport in eine andere Sprache? Und –ganz besonders heikel für jeden Übersetzer, jede Übersetzerin, und zentral für unser Seminar: In jedem Gedicht tauchen darüber hinaus Stimmen auf, die von außen kommen, die nicht zum Autor, der Autorin gehören, Störgeräusche, Widerreden, Kontrapunkte. Nicht immer hat der Autor selbst sie gehört, aber er hat sie auf irgendeine Weise sprachlich erfahren - Werbeslogans, Kirchenlieder, Sprachbilder.

Wie aber kann man als Übersetzer diese Stimmen zu fassen bekommen? Und wenn man sie dann tatsächlich hört – was macht man mit ihnen? Oder anders gefragt: wie erkennt und wie übersetzt man markiertes Sprechen?

Zu dem DÜF-Seminar im LCB sollte jeder Teilnehmer ein begonnenes, noch unabgeschlossenes Übersetzungsprojekt mitbringen und vorstellen, um so die verschiedenen Stimmen und ihre Übersetzung ausführlich besprechen zu können. Dabei werden uns erfahrene Referenten zur Seite stehen. Teilnehmen können literarische Übersetzer mit einem Poesie-Übersetzungsprojekt; ferner Lyriker, die fremdsprachige Poesie (aller Ausgangssprachen) übersetzen oder übersetzen wollen. Zielsprache: Deutsch. Maximal 12 Teilnehmer. Die Teilnahme ist kostenlos. Auswärtige Teilnehmer erhalten Reisekostenzuschüsse (Economy) und ggf. Unterkunft (Hotel oder LCB).

Seminarleitung: Marie Luise Knott und Ulf Stolterfoht. Bewerbungen sind bis zum 27. September 2015 möglich.

Die Bewerbungsmodalitäten sind auf www.uebersetzerfonds.de abrufbar.