Übersetzertag 2012 | 28. September 2012

Im Bergwerk der Sprache. Übersetzertag im LCB und ein Buch im Wallstein Verlag

Seit einigen Jahren veranstaltet das LCB Tagesseminare zu sprachhistorischen Themen, die sich an Übersetzer, Autoren und das sprachinteressierte Publikum richten. Aus der von Gabriele Leupold und Eveline Passet kuratierten Reihe geht nun eine Sammelband im Wallstein Verlag hervor: „Im Bergwerk der Sprache. Eine Geschichte des Deutschen in Episoden“ (www.wallstein-verlag.de).  Das Buch erscheint im August, vormerken sollte man sich aber auch unseren „Übersetzertag“, den wir aus diesem Anlass am Freitag, den 28. September 2012  veranstalten.

Übersetzertag 2012

Im Bergwerk der Sprache. Eine Geschichte des Deutschen in Episoden

Titel Programm

Unter den Schreibenden stehen die Literaturübersetzer vor einer ganz besonderen Herausforderung. Sie müssen die Sprache, die andere in unterschiedlichen Epochen geschaffen und in verschiedenste Formen gegossen haben, nachschaffen: ob im Roman oder im mundartlichen Theaterstück, im wissenschaftlichen Traktat oder in Briefwechseln und Lebenserinnerungen. Die Schichten und Lagen der Sprache, aus der und besonders in die sie übersetzen, müssen sie sich gezielt zu erschließen wissen. Und weil auch andere Sprachinteressierte von ähnlichen Fragen umgetrieben werden, entstand vor einigen Jahren die Idee zu einer von Gabriele Leupold und Eveline Passet kuratierten Veranstaltungsreihe im Literarischen Colloquium Berlin, die sich ausgewählten Aspekten der deutschen Sprachgeschichte widmet. Unter dem Titel „Im Bergwerk der Sprache“ haben Gabriele Leupold und Eveline Passet jetzt im Wallstein Verlag ein Kompendium herausgegeben, das höchst unterschiedlichste Facetten der deutschen Literatursprache beleuchtet. Den Grundstock bilden Referate der Seminarreihe, die Auswahl der Themen war von den Problemen geleitet, die in der Praxis des literarischen Übersetzens immer wieder auftauchen. „Im Bergwerk der Sprache“ ist der Ausgangspunkt für den diesjährigen Übersetzertag, den der Deutsche Übersetzerfonds seit 1997 regelmäßig im LCB veranstaltet. Sprachgeschichtliches und Osteuropäisches spielen dabei eine große Rolle. Wir geben Einblicke in die Arbeit an der „Durchsicht“ der Lutherbibel zum Reformationsjubiläum 2017, beschäftigen uns mit dem Deutschen in der Diaspora, hören einen Banater und einen schwäbischen Dichter. Am Ende des Tages steht eine Vokalperformance der „Maulwerker“.

Programm Übersetzertag 2012
Eintritt 6 € / 4 €

14.30 Uhr Vom Weinberg des Herrn ins Bergwerk der Sprache.
Die Lutherbibel, neu durchgesehen. Podiumsgespräch mit Martin Rösel, Landesbischof i.R. Christoph Kähler, Thomas Brovot und Susanne Lange. Moderation: Albrecht Buschmann

Zum Reformationsjubiläum 2017 wird im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland eine „durchgesehene“ Fassung der Lutherbibel erscheinen. Neue philologische Erkenntnisse gilt es einzuarbeiten und Fehler auszubessern. „Der Wortlaut darf nur dort verändert werden, wo es die Treue zu den biblischen Zeugen zwingend erfordert.“ Es gehe nicht um eine Revision, und es sei „nicht Ziel der Arbeit, die Lutherbibel modernem Deutsch anzunähern“, heißt es aus der zuständigen Kommission. Doch was geschieht, wenn sich Sprache, das Verständnis von Begriffe und Wendungen wandelt? Wie weit kann man in diesen für die deutsche Sprache und Kultur so prägenden Grundtext eingreifen, ohne ihn in seiner Anmut und Sprachgewalt zu beschädigen? Das Thema beschäftigt Laien wie Fachleute – und eine Reihe von Literaturübersetzern, die sich im Vorfeld des Übersetzertages mit Mitgliedern des EKD-Lenkungsausschusses in einem Seminar über einzelne Texte gebeugt haben. Ein Zwischenbericht.

16.15 Uhr  Deutsch in der Diaspora
Außerhalb des Binnensprachgebiets steht das Deutsche zumindest seit frühneuhochdeutscher Zeit im Kontakt mit anderen Sprachen. Das hat seine Gestalt wie das Schreiben der Autoren geprägt. András F. Balogh, Manfred Michael Glauninger und Hermann Scheuringer unternehmen im Gespräch mit Gabriele Leupold und Eveline Passet eine Reise durch 500 Jahre „kakanische“ Sprachkontaktgeschichte.

18.00 Abendessen

19.30 Buchpräsentation: „Im Bergwerk der Sprache“ mit Gabriele Leupold und Eveline Passet. Moderation: Martina Kempter

20.30 Uhr  Aus jed’r Gass n’ Hund?  Ernest Wichner und Ulf Stolterfoht über Zitate, Plagiate, Mimikry und andere Übersetzungen. Moderation Sabine Küchler
„Steinsuppe“, nannte Ernest Wichner seinen ersten Gedichtband.  Auf der Sprachinsel der Banater Dichter war Tauschhandel mit Worten, Bildern und Klängen lebensnotwendig, und jeder wusste, dass seine Literatur, wie die „Steinsuppe“ der Bettler, viele fremde Ingredienzien enthält.  Auch in Ulf Stolterfohts  „fachsprachen-“ und „heslach-“Zyklen wird zitiert, plagiiert und Mimikry betrieben,   „kopfhals ins ungesicherte hinein“. In Lesung und Gespräch präsentieren die beiden Autoren ihre poetischen Übersetzungen durch Zeiten und Räume.

21.30 Uhr An-sätze, Redeübungen, Maulwerke
Eine Vokalperformance der Maulwerker mit Werken von Dieter Schnebel
Ausführende: die Maulwerker Katarina Rasinski, Ariane Jeßulat und Tilmann Walzer

Der Komponist Dieter Schnebel schuf mit „Maulwerke“ (1968-74) ein Grundlagenwerk moderner Vokalmusik. Die Maulwerke gehören zur Kategorie des „offenen Werks“. Sie stellen sich den Interpreten nicht fertig ausnotiert, sondern als Materialpartitur dar, die – dem Übersetzungsprozess nicht unähnlich - jeweils neu erarbeitet werden will. Die Mund-, Zungen-, Lippen-, Kehlkopf-, Lungen- und Zwerchfellbewegungen werden in „An-sätze“  (1985) und „Redeübungen“ (1983-84) aus dem Zyklus „Laut-Gesten-Laute“  mit Bewegungen des ganzen Körpers in Beziehung gesetzt.

Eine Veranstaltung des Deutschen Übersetzerfonds und des Literarischen Colloquiums Berlin. Mit freundlicher Unterstützung der Robert Bosch Stiftung GmbH und des Centre de Traduction Littéraire Lausanne. Im Rahmen von PETRA (Europäische Plattform für Literaturübersetzung), gefördert von der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles & Kultur der Europäischen Kommission.

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