Die Berliner Übersetzerwerkstatt 2000

An der inzwischen fünften Übersetzerwerkstatt seit 1990 werden von Mai bis November 2000 elf Übersetzerinnen und Übersetzer unter der Leitung von Thomas Brovot und begleitet von fachkundigen Mentoren und Referenten an fünf Wochenendseminaren an ihren eingereichten Übersetzungsprojekten arbeiten.

Die 10 Stipendien, in diesem Jahr dotiert mit jeweils 7.200,- DM erhielten folgende Übersetzerinnen und Übersetzer:

Brigitte Große, geb. 1957, studierte Philosophie und Musikwissenschaft in Wien, Psychologie und Soziologie in Hamburg, arbeitet seit 1996 als freie Übersetzerin vor allem aus dem Französischen (Georges-Arthur Goldschmidt, Linda Lê, Jacqueline Harpman, Marie Desplechin u.a.) in Hamburg. Sie erhielt 1994 den Hamburger Übersetzerpreis. Sie nimmt mit dem Essay des zweisprachigen, französischen Autors Georges-Arthur Goldschmidt "Quand Freud attend le verbe" von 1996 an der Werkstatt teil, der sich wie schon "Quand Freud voit la mer" (ebenfalls in Brigitte Großes Übersetzung) auf psychoanalytische Weise mit dem Verhältnis der deutschen und der französischen Sprache auseinandersetzt. Die Essays erscheinen im Ammann Verlag. Hinrich Schmidt-Henkel hat die Mentorschaft übernommen.

Ina Kronenberger, geb. 1964, studierte Romanistik und Skandinavistik in Freiburg, lebt als Übersetzerin aus dem Norwegischen und Französischen (u.a. Per Petterson, Patrick Rambaud, Sigurd Hoel, Freya North) in Bremen. Sie ist mit der Übersetzung des norwegischen Autors Per Pettersen "Im Kielwasser", einem poetisch-assoziativen Roman, der durch Rhythmus und Klangfolgen besticht, für die Übersetzerwerkstatt ausgewählt worden. Hinrich Schmidt-Henkel begleitet das Projekt. Die Übersetzung erscheint im Hanser Verlag.

Lis Künzli, geb. 1958, Studium der Germanistik, Philosophie und Komparatistik in Zürich, lebt in Berlin. Seit 1990 freie Übersetzerin vor allem der zeitgenössischen französischen Literatur (Dominique Sigaud, Emmanuel Carrère, Alain Gluckstein, Gisèle Ansorge u.a.). Im Rahmen der Übersetzerwerkstatt arbeitet sie an dem Roman von Christian Oster "Mon grand appartement", der 1999 mit dem Prix Médicis ausgezeichnet wurde und im Frühjahr 2001 bei Eichborn Berlin erscheinen wird. Als Mentorin für die Übersetzung des Romans, der sich durch einen oftmals an der Grenze zur Inkorrektheit bewegenden Sprachstil auszeichnet, steht ihr Andrea Spingler zur Seite.

Sabine Müller und   leben und arbeiten als freie Übersetzer in Neckargmünd. Zusammen übersetzten sie bisher u.a. Andrei Makine, Marc Bloch, Jean Lacouture, Rachid Mimouni. In der Werkstatt nehmen sie mit dem Roman des französischen Autors russischer Herkunft Andrei Makine "Requiem pour l'Est" teil. Bei der gemeinsamen Übersetzung, die als "work in progress" durch ständiges gegenseitiges Überarbeiten entsteht und die durch die stilistischen Eigenheiten eines Autors, der französische und russische Erzähltraditionen vereint, hohe Anforderungen stellt, werden sie von Joachim Meinert als Mentor unterstützt. Die Übersetzung wird bei Hoffmann & Campe erscheinen.

Michaela Prinzinger, geb. 1963, Studium der Byzantinistik/Neogräzistik und Turkologie/Islamwissenschaft in Wien, 1997 Promotion über "Mythen, Metaphern und Metamorphosen: Weibliche Parodie in der zeitgenössischen griechischen Literatur", übersetzt aus dem Neugriechischen. Ihr Übersetzungsprojekt, der zeitgenössische Roman "Das Leben des Ismail Ferik Pasha" von Rhea Galanaki, die 1986 den Kanzantzakis-Preis und 1999 den Griechischen Staatspreis für Literatur erhielt, wird anläßlich der Frankfurter Buchmesse 2001 bei Suhrkamp erscheinen. Ihr Mentor ist Norbert Hauser.

Kathrin Razum, geb. 1964, studierte Anglistik und Geschichte, lebt als freie Lektorin und Übersetzerin aus dem Englischen in Heidelberg. Sie erhielt das Werkstatt-Stipendium für die Übersetzung des Romans "Losing Nelson" von Barry Unsworth. Der Roman liefert ein komplexes literarisches Porträt eines glühenden Verehrers und Biographen des britischen Seefahrers, der sich mit dem Gegenstand seines Schreibens bald bedingungslos identifiziert. Die Verwebung der Sprachstile des 18. und 20. Jh. erfordert eine intensive Textarbeit, bei der Reinhard Kaiser als Mentor zur Seite steht. Der Roman erscheint 2001 bei der Verlagsgruppe Bertelsmann.

Gregor Seferens, geb. 1964, Studium der Philosophie, Germanistik und Niederlandistik in Bonn und Köln, lebt als freier Übersetzer, Schriftsteller und Journalist in Bonn. Er übersetzt aus dem Niederländischen und Flämischen (Harry Mulisch, Gijs Ijlander, Anton Koolhaas, Anna Enquist u.a.). Er nimmt mit der Übersetzung des Romans "De Kapellekensbaan" des belgischen Schriftstellers Louis Paul Boon an der Übersetzerwerkstatt teil. "De Kapellekensbaan" gilt in seiner sprachlichen und formalen Radikalität als eines der bedeutendsten Werke der niederländischen Nachkriegsliteratur. Als sein Mentor ist der belgische Dichter, Literaturwissenschaftler und Übersetzer Erik Spinoy eingeladen.

Christiane Seiler, geb. 1961, studierte nach der Ausbildung zur Tontechnikerin Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Religionswissenschaft in Berlin und Paris, arbeitet seit 1993 als freie Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen (Agnès Desarthe, Maurice Shadbolt u.a.) und Rundfunkautorin in Berlin. Für die Übersetzung von Richard Millets "L'amour des trois soeurs Piale" erhielt sie 2000 den André-Gide-Preis. Für die Werkstattarbeit hat sie den Roman "La gloire des Pythre" von Richard Millet ausgesucht, dessen mäandernde Sätze, die sich zuweilen über zwei Druckseiten erstrecken, eine große Anforderung an die Übersetzung stellen. Eva Moldenhauer wird die übersetzerische Arbeit als Mentorin unterstützen. Der Roman erscheint im Alexander Fest Verlag.

Thomas Stegers, geb. 1954, Studium der Anglistik, Linguistik und Soziologie, lebt als freier Übersetzer aus dem Englischen in Berlin (James A. Michener, Neal Barrett, James Baldwin, Lewis Nordan u.a., Sachbücher). In der Werkstatt arbeitet er an der Neuübersetzung der Erzählung "The Monster" (1899) des amerikanischen Autors Stephen Crane. Bei der Übertragung insbesondere der sprachlichen Eigenheiten des Textes (präzise Sprache der Reportage gepaart mit subtilem Witz und Ironie, in den Dialogen der Slang der schwarzen und weißen Unterschicht) berät Nikolaus Stingl als Mentor. Der Roman wird im Haffmans Verlag erscheinen.

Matthias Strobel, geb. 1967, studierte in Tübingen und Hamburg Geschichte, Neuere deutsche Literatur und Spanisch. Er hat sich mit der Übersetzung des Romans "Un mundo para Julius" des Peruaners Alfredo Bryce Echenique von 1970 beworben. Mit Matthias Strobels Übersetzungen von Echenique (Der Roman "Amigdalitis de Tarzán" von 1999 erscheint im Herbst 2000 bei Suhrkamp) wird einer der bedeutendsten Autoren Lateinamerikas erstmalig der deutschen Leserschaft bekannt gemacht. Elke Wehr wird als Mentorin das Übersetzungsprojekt begleiten.

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